Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- Seite 619 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 619 4,»rael s(ände »d man, nach. tls<Ae Aktions. und sich uni« en zustimmend lt zu einer ab. ,Werde. Dies, 'on sei n% j ragen der Ge* emPo des Auiadjage verbreidie Lage heute sser als je, der Monisten hätten 2 ihrer Prinzi- L wenn sie nur tung sei es, die i bestimme, h Zionisten müsse;r weiter gehen die Kooperation;ues Forum fe gefunden habe, dig vorgetragedes jüdischer uenz und Kräh tote Blumenfeld: erntete reichen tischen Erkenntas jedem seiner uck nicht verl.E :völkcruD{ I i Volkszät , d. h. 25i ns Gesatn:- 1 11 083,» zählungserieststcilbü l ständiges Jahre IST» ^739 Inder. uchtbarker Zuzug v-' Juden 20.52 Pr'-. so, dab i1 en Bayer» irigen La.. det siet': dieser Hinsicht auch mit dem Ausland. Vieles, was für Bayern, für München zutrifft, ist der Entwicklungsniederschlag der Gesamtjudenheit in den Kulturländern der Erde. Der Geburtenrückgang hat auch bei den Juden Münchens Dimensionen erreicht, die als besorgniserregend bezeichnet werden müssen. Würde man eine Einwanderung untersagen, München in bezug auf den jüdischen Bevölkerungsteil gleichsam mit einer Mauer umgeben, könnte man ohne Schwierigkeiten die Zeit Voraussagen, in der München ohne Juden wäre. Es sterben seit Jahren mehr Juden als geboren werden. Was geschieht von seiten des bayerischen Israelitischen Gemeindebundes, von seiten der jüdischen Gemeindevertretung zwecks Aufklärung? Sind etwa die beweisenden Zahlen unbekannt? Weiß man nicht, daß im Jahre 1927 den 82 Geburten aus rein jüdischen Ehen 149 Gestorbene gegenüberstanden? Im Jahre 1926 ebenfalls 82 jüdische Kinder das Licht der Welt erblickten, 146 Juden aber zu Grabe getragen wurden? Auf 1000 Einwohner trafen 1927: 13,9, auf 1000 Juden nur 7,1 Geburten. Die Geburtenrate von Münchens Gesamtbevölkerung ist also fast doppelt so groß als die der Juden. Was nützen, wie ich an anderer Stelle einmal ausgeführt habe, die besten Wohlfahrtseinrichtungen, wenn die Menschen, für die sie bestimmt sind, immer weniger werden? Wie ich oben andeutete, entstammt die frühere Zunahme der Juden der bayerischen Hauptstadt nicht eigener Regenerationskraft, sondern in der Hauptsache der Einwanderung. Hierbei darf nicht vergessen werden, daß das Judentum ständig beträchtliche Verluste durch Mischehen und Taufen, besonders Kindertaufen, erleidet. Zahlenmäßig kann dies nicht angegeben werden, weil diese Kinder als Christen, obgleich von jüdischen Eltern, registriert werden. Über Ehen und Mischehen sind wir aufs genaueste im Bilde. In Bayern gab es 1876—80 1783 rein jüdische Ehen und 66 Mischehen mit 28 jüdischen Männern und 38 jüdischen Frauen, 1921—24 nur 1645 jüdische Ehen, aber 440 Mischehen, an denen 273 Männer und 167 Frauen jüdischer Konfession beteiligt waren. Die rein jüdischen Ehen sind gefallen, die Mischehen um mehr als das Siebenfache gestiegen. In München wurden im Jahre 1927 28 (achtundzwanzig) ungemischte Ehen geschlossen, im gleichen Jahre aber 39 (neununddreißig) Mischehen: 32 mit jüdischen Männern — nichtjüdischen Frauen, 7 mit nichtjüdischen Männern — jüdischen Frauen. Ein Kommentar zu diesen Ziffern scheint mir überflüssig und dürfte den Eindruck der Zahlen allein verwischen, abschwächen. Die Entwicklung der rein jüdischen Ehen und Mischehen der Stadt München sei an folgender Tabelle demonstriert: Eheschließungen 1905—1927 Jahr jüdische Ehen Mischphen Mann jüd. Frau jüd. ZUS< 1905 59 Frau nicht]. 15 M;-nn nicht], 10 25 1910 54 22 11 33 1913 51 19 6 25 1921 81 27 18 45 1924 31 21 17 38 1925 53 16 14 30 1926 43 14 11 25 1927 28 32 7 39 ln der Zeit von 1905 bis 1927 heirateten jüdische Männer, 1501 jüdische Frauen, weil, wie | obige Tabelle zeigt, bedeutend mehr Juden Christinnen zu Frauen nehmen als christliche Männer Jüdinnen. Werfen wir noch einen Blick auf Münchens Selbstmordstatistik, so erfahren wir, daß von 1913 bis 1926 46 Juden und 26 Jüdinnen ihrem Leben durch Selbstmord ein Ziel setzten. Es gehen also jährlich durchschnittlich 6 Juden eigenmächtig zugrunde. Art und Beweggründe zum Selbstmord werden in der Statistik ohne konfessionelle Scheidung veröffentlicht. Antisemitische „Helden4‘taten Völkischer Überfall auf den brasilianischen Konsul in Bremen Bremen, 20. September. (JTA.) Hier ist es in den letzten Tagen mehrmals zu antisemitischen Ausschreitungen von Hakenkreuzlern gekommen. In der Bahnhofstraße wurden des nachts jüdisch aussehende Passanten mit Fäusten und Schlagringen niedergeschlagen. Der Verdacht lenkte sich sofort auf antisemitisch eingestellte Kreise, zumal in mehreren Fällen die Täter judenfeindliche Äußerungen gemacht und sich als Hakenkreuzler bezeichnet haben. Unter den Überfallenen befindet sich auch der brasilianische Konsul, der ebenfalls zu Boden geworfen und geschlagen wurde. In diesem Falle handelt es sich zweifellos um eine Personenverwechslung. Am gleichen Abend wurde in der Bahnhofstraße ein jüdischer Bürger von hinten angegriffen. Beim Fallen verlor er seinen neuen Filzhut, den einer der Angreifer raubte. Der Polizei war es nicht gelungen, die Angreifer festzustellen, trotzdem etwa ein Dutzend solcher Überfälle zu verzeichnen waren. Erst durch die Unvorsichtigkeit einer randalierenden Hakenkreuzlergruppe während einer Tolstoi-Feier im Bremer Schauspielhaus gelang die Feststellung eines der Haupttäter. Bei dieser Tolstoi-Feier war Professor Lessing (Hannover) als Festredner angekündigt. Der Name Lessing genügte, um die prügellustigen Antisemiten anzulocken, die ,die Feier zu stören beschlossen hatten. Pfeifen beim Erscheinen des Redners, Zwischenrufe antisemitischer Art usw. Der Zuschauerraum wurde schleunigst erhellt und die Polizei entfernte die Störenfriede. Diese stellten sich nun nach Schluß der Feier vor dem Theater auf, um dort weiter zu randalisieren. Teilnehmer an dieser Tolstoi- Feier war u. a. auch der jüdische Herr. Dieser erkannte in der Schar der johlenden Antisemiten jenen Burschen wieder, der ihm den Hut gestohlen hatte. Er ließ ihn sistieren. Bei der Vernehmung gestand der Jüngling, daß er auch am Überfall auf den brasilianischen Konsul beteiligt war und denunzierte, um nicht die „Alleinschuld“ auf sich zu nehmen, gleichzeitig einige seiner Kumpane. So wurde nun festgestellt, daß die zahlreichen unaufgeklärten und unerklärlichen Überfälle organisierte Bandenüberfälle des Rollkommandos der Nationalsozialistischen Partei waren, die jeden Mittwoch ihre Parteiversammlung abhielt und hinterher — nachdem die Mitglieder durch Reden und Alkohol besoffen gemacht waren — diesen bandenmäßigen Krieg gegen die schwarzen Haare friedlicher Passanten ausführte. Zustände in der Staakener Verkehrsfliegerschule Berlin, 19. September. (JTA.) In seiner heutigen Nummer veröffentlicht der „Vorwärts“ in einej; Notiz u. a.: „Wir wollen heute an einem Beispiel für viele illustrieren, welche eigenartigen Blüten der ,na-