Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- Seite 618 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156906--08804-9081518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
618 Das Jüdische Echo Nr. 39 O berpollinger Das Münchener Kaufhaus Neuhauser am Karlstor Bekleidung / Mode / Sport Wohnungsausstattung allem zeige sich in den vielen internationalen jüdischen Konferenzen, die man in der letzten Zeit veranstaltet habe, eine gänzlich veränderte Haltung zur Frage der jüdischen Solidarität, die heute wohl ganz allgemein anerkannt und gefordert werde. Sehr deutlich seien solche Entwicklungstendenzen im liberalen Judentum, was aus den Gedankengängen, die von vielen liberalen Rabbinern vor der Weltkonferenz des liberälen Judentums in der Sondernummer der „Jüdischen Rundschau“ geäußert wurden, klar hervorgehe, sich aber auch z. B. in der „Ort“-Bewegung dokumentiere, die man im deutschen Judentum deshalb anerkenne, weil man auch eine Kolonisation haben wolle — ohne dabei doch zu fühlen, daß diese Kolonisation nicht weniger national sein könne als die in Palästina. All diese Tendenzen aber brächten nicht nur die Gefahr der Banalisierung des wirklich Neuen und Schöpferischen, das sich in der Palästinaarbeit ausdrücke, man müsse auch auf der Hut sein vor belanglosen Imitationen der wirklichen jüdischen Problematik, vor angeblich letzten Erkenntnissen, die nicht wie die zionistischen Ideale höchster Ausdruck einer Realität seien. ' Eine solche Entwicklung habe sich jedoch in der letzten Zeit in der Gesamtjudenheit konkretisiert; der Zusammentritt der Joint Palestine Survey Commission in London und der von ihr erstattete Bericht sei ein von legitimen Repräsentanten der Gesamtjudenheit abgelegtes Zeugnis für die zwangsläufig veränderte Stellung zu Palästina. Der ehrliche Wille dieser Menschen zur jüdischen Aufbauarbeit in Erez Israel stände außer Frage und es sei zu hoffen, daß man, nach- . dem mittlerweile auch das zionistische Aktions-; komitee sich mit der Frage befaßt und sich unter Formulierung gewisser Bedingungen zustimmend geäußert habe, in ganz kurzer Zeit zu einer absoluten Zusammenarbeit kommen werde. Diese ehrliche und freudige Kooperation sei möglich ohne irgendein Kompromiß in Fragen der Gesinnung, sie sei nötig, damit des Tempo des Aufbaus beschleunigt und seine Grundlage verbreitert werden könne. In Wahrheit sei die Lage heute in Palästina ausgezeichnet und besser als je, der Aufbau eine reine Geldfrage; die Zionisten hätten aber auch für die Verwirklichung ihrer Prinzipien in Palästina nichts zu fürchten, wenn sie nur l selbst nicht locker ließen; die Leistung sei es, die : immer die natürliche Rangordnung bestimme. In gemeinsamer Arbeit mit den Nichtzionisten müsse jedoch der Kampf um die Gemüter weiter gehen ■ und auch in dieser Beziehung sei die Kooperation . wertvoll, da man dadurch ein neues Forum für ] die jüdische Auseinandersetzung gefunden habe. Mit seinen ungewöhnlich lebendig vorgetrage- I nen, von beispielloser Kenntnis des jüdischen Problems, von politischer Konsequenz und Kraft \ zeugenden Ausführungen, vermochte Blumenfeld all seine Zuhörer zu fesseln; er erntete reichen \ Beifall: der unbeirrte Wille zur jüdischen Erkennt-! nis und zur jüdischen Tat, der aus jedem seiner Worte sprach, hat seinen Eindruck nicht verfehlt. I. E. Münchens jüdische Bevölkerung .Mehr Särge als Wiegen Von Herbert Philippsthal In München wohnen nach der letzten Volkszählung im Jahre 1925 bekanntlich 10 068, d. h. 20,5 Prozent Juden im Vergleich mit Bayerns Gesamtjudenheit. Im Jahre 1910 waren es noch 11 083, so daß zwischen den zwei letzten Volkszählungsergebnissen ein beträchtlicher Rückgang feststeilbar ist. Bis zum Jahre 1910 läßt sich ein ständiges Wachstum wahrnehmen. So lebten im Jahre 1875 in München 3451, 1880: 4144, 1900: 8739 Juden. < Dies ist aber nicht auf die eigene Fruchtbarkeit zurückzuführen, sondern allein auf Zuzug von außerhalb. Von sämtlichen bayerischen Juden wurden im Jahre 1875 nur 6,72, 1925 aber 20,52 Prozent in München gezählt. Wir sehen also, daß der Drang nach der Großstadt bei den Juden Bayerns; genau so ausgeprägt ist wie in den übrigen deutschen Ländern. Übereinstimmung findet sich in * SCHOKOLADE-PRALINEN SrofcWERCk GOLD