Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- Seite 616 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Das Jüdische Echo Nr. 39 : Jewish Agency, beide verbunden mit der Zionistischen Organisation. Komplikationen über Komplikationen! Auf die Forderung der Keren-Hajessod-Zahler nach Beteiligung an der Leitung haben wir mit Ja geantwortet. Auch wer anderer Meinung ist, kann sich nicht auf den Standpunkt stellen: wir sind alle für die Heranziehung der Nichtzionisten, aber dage.gen, ihnen irgendwelchen Einfluß zu gewähren. Das wäre ein Widerspruch in sich selbst. Eine klare Antwort wäre die: Weder ihr Geld noch Einfluß für sie! Dann aber müßte man auch die Konsequenz ziehen: Wir bauen unser nationales Heim nur soweit, als unsere Mittel reichen. Nun kann man mit vieler Mühe gewisse Summen bei Nichtzionisten bekommen, aber wir stehen dann wieder vor der gleichen Situation: Unaufhörliche Einschränkung des Budgets, Schnekkentempo des Aufbaus, Notwendigkeit der Verdoppelung und Verdreifachung der Mittel, anscheinende Unmöglichkeit, von den organisierten Zionisten größere Summen zu bekommen usw. Aus diesem circulus vitiosus gibt es nur einen Ausweg: Die Jewish Agency. Hier wird uns nun entgegengehalten, die Frage der Agency habe „Demoralisation“ in die Reihen der Zionisten getragen, indem sie sie ineinander bekämpfende Gruppen gespalten habe. Dieser Vorwuirf treffe die „Erfinder“ dieser Frage. Hierauf kann ich nur mit Goethe erwidern: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!“ P£LZMOD£/V ■B£RNHAPLD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8 Gewiß ist viel Energie auf diese Frage ver-; wandt worden, die sonst der Organisation und! der Geldbeschaffung zugute gekommen wäre.! Hätte aber die bloße Einigkeit uns die nötigen 1 Summen verschafft? Wie war es denn früher?! Als Herzl mit seinem ganzen Einfluß in der er- $ sten Zeit der Begeisterung vom jüdischen Volke 2 Millionen Pfund für die Kolonialbank forderte, konnte er kaum den zehnten Teil davon zusammenbringen. Und heute progagiert man: Zurück zu Herzl, zum Judenstaat! — Man könnte einwen- : den, damals habe die Realität des Mandates gefehlt.; Aber nach dem Mandat forderten wir 2 000000 Pfund für den Keren Hajessod, und wieviel haben wir bekommen, noch ehe die Jewish Agency uns entzweite? Und wie ist es mit dem Schekel, um * den kein Streit tobt? Nein, die Zionistische Or-; ganisation ist zu schwach, das nationale Heim zu erbauen, und um das ganze Volk heranzuziehen, müssen wir ihm gleiche Rechte gewähren. Vollends unmöglich wäre es nun, der Jewish! Agency nur etwa ökonomische, nicht aber politische Rechte zu geben. Politik und Wirtschaft; hängen bei uns so eng zusammen, daß sie einfach nicht voneinander getrennt werden können. Man denke an Alijah, Regierungsböden, Zollreform, » Schutzzölle für die Industrie, Konzessionen usw. Gleichgültig, ob wir darüber in London, Jerusalem oder in Genf verhandeln, nie werden sich Politik und Wirtschaft trennen lassen. Aber selbst, wenn dies möglich wäre, wäre ich gegen eine solche Halbheit und Doppelzüngigkeit. Zudem wi-; derspricht dies dem Text des Mandats. Das Recht,; der Regierung Ratschläge zu geben, ist ein politisches Recht. j Gerade in politischer Hinsicht bedeuten die |»« neuen Bundesgenossen keine Gefahr. Selbst in j dem Expertenbericht mit all seinen Mängeln bej friedigt der Abschnitt über die Pflichten cter Mani datsregierung. Wir können im Gegenteil hoffen, { daß unsere Stellung der Regierung gegenüber sich j durch Schaffung einer Einheitsfront des jüdischen 1 Volkes verstärkt. j Wir sind von Gegnern umringt, die einig sind in ihrem Kampfe gegen uns, den sie mit Protesten und Anklagen führen, und die den Vorteil vor uns ’ haben, daß sie nichts Positives fordern. Es ist sehr einfach zu sagen: Gewinnt die öffentliche 1 Meinung! Gewiß gelingt uns dies teilweise, aber auch die Gegner haben Einfluß auf die Öffent-; lichkeit, und in einem solchen Kampfe muß man alle Hilfstruppen heranziehen. In zivilisierten Völkern schließt man während des Krieges einen „Burgfrieden“ zwischen den Parteien; für uns ist das erst recht notwendig, weil wir nicht kämpfen, um zu vernichten und zu zerstören, sondern; um aufzubauen und Leben zu schaffen. Unsere Kraft und unser Einfluß genügt wohl für den Fortbestand der zionistischen Bewegung; wollen wir aber den Aufbau des Nationalen Heimes fortführen und erweitern, dann müssen wir eine Einheitsfront des jüdischen Volkes schaffen. Was hätte Herzl in dieser Situation getan? Ich sehe davon ab, daß er sich seinerzeit an Baron Hirsch wandte; das war vor der Gründung der Zionistischen Organii sation. Aber zur Zeit des El-Arisch-Projektes wandte er sich an Lord Rotschild (damals ein ausgesprochener Gegner des Zionismus), obwohl es damals eine aktive Zionistische Or- II ganisationgab.