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Das jüdische Echo · 1928-09-28 · 39 (28.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
39 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 39 28. September 15. Jahrgang Klärung und Klarheit Zur Frage der Jewish Agency Der Bericht der Herren Lee K. Frankel, Lord Melchett (Sir Alfred Mond), Felix Warburg und Oskar Wassermann an Louis Marshall und Professor Weizmann, sowie die Abstimmung des Zionistischen Aktionskomitees, das mit 41 zu 4 Stimmen die Fortführung der Verhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency beschloß, ist diese Frage zu einer besonderen Aktualität gelangt. Ende Oktober sollen in Amerika die Verhandlungen zwischen Weizmann und Marshall fortgeführt und womöglich zu einem Abschluß gebracht werden. Alsdann wird für die jüdischen Gemeinschaften auch in anderen Ländern die Frage akut werden, in welcher Form sie sich an dem alljüdischen Werk des Aufbaus des jüdischen Nationalheims betätigen sollen. Die zusammenfassende Darstellung des Problems der Agency-Erweiterung aus der berufenen Feder Nahum Sokolows wird daher auf großes Interesse rechnen dürfen (D. Red.) Wir verlangen eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“, nicht eine zionistische Heimstätte für die Zionistische Organisation. Man müsse dem ganzen jüdischen Volk die Möglichkeit geben, mitzuarbeiten, nicht nach der alten patriarchalischen Devise: „alles für das Volk“, sondern im Sinne von „alles durch das Volk!“... Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß die Regierungen uns tausendmal gefragt haben, vor und nach der Balfourerklärung: Wer seid Ihr? Auf diese Frage haben wir jedesmal erwidert, daß das ganze jüdische Volk eine nationale Heimstätte aufbauen wird. Das haben wir nicht diplomatisch gesagt, sondern wir glauben wirklich, daß das ganze jüdische Volk, wenn auch noch nicht nach außenhin wirksam, so doch im Geiste zionistisch ist; daß wir das moralische Recht haben, als Bürgen hierfür aufzutreten.In der ersten Zeit erschien der Gedanke der Jewish Agency allgemein als selbstverständlich. Ich könnte mir vorstellen, daß in jener ersten Zeit Stimmen gegen den Gedanken der Jewish Agency sich erhoben und daß wir die Frage ernstlich erörtert hätten. Es ist schwer zu sagen, ob es noch möglich und ob es erwünscht gewesen wäre, den Versuch zu machen, aus dem Mandat eines seiner Grundprinzipien zu eliminieren und ob die Unzufriedenen nicht selbst vor einem derartigen zweifelhaften und schwer zu verantwortenden Experiment zurückgeschreckt wären, wenn die Frage aktuell geworden wäre; aber keine derartige Forderung wurde damals erhoben. Im Gegenteil: Auf der ersten schweren, verantwortungsreichen Konferenz nach dem Kriege standen wir vor der Frage: Kann die Zionistische Organisation mittels Propaganda unter den organisierten Zionisten und mit den Geldern, die sie bei ihren Mitgliedern sammeln kann, das nationale Heim aufbauen oder nicht? Die allgemeine Antwort war: Nein. Das aber hieß: Schaffung des Keren Hajessod. Hätte damals jemand klar und offen den Vorschlag gemacht, wir Zionisten sollten die nationale Heimstätte allein mit unseren Mitteln und nach unseren zionistischen Grundsätzen aufbauen, ohne auf andere angewiesen zu sein — ich hätte dem nicht zugestimmt, hätte aber anerkannt, daß dies ein Weg sei; ein falscher Weg, aber doch ein Weg. Aber dies wurde nie gefordert. Der Keren Hajessod wurde in begeisterter Stimmung gegründet und der Zionistischen Organisation unbegrenzte Vollmacht gegeben, Gelder von allen Juden zu sammeln. In diesem Augenblick wurde die Jewish Agency noch einmal bestätigt... Es ist doch unmöglich, große Summen beim Volke zu sammeln und den Gebern nicht die Möglichkeit einer Einwirkung auf die Sache, für die sie Opfer bringen, zu verschaffen. Wenn die Keren-Hajessod-Zahler organisiert werden, werden sie Vertreter wählen, die am Aufbau des nationalen Heimes, nicht aber an der Zionistischen Organisation, sich beteiligen. Viele von ihnen werden in ihren Anschauungen von uns organisierten Zionisten abweichen. Daher werden dieselben Fragen wie bei der Jewish Agency bestehen, und die notwendige Folge wird sein: entweder werden wir erklären, daß wir auf die finanzielle Beteiligung Außenstehender verzichten, oder daß wir ihnen loyal ihren Anteil an den Rechten der Leitung des Aufbauwerkes einräumen. Der letztere Weg schwebte uns bei der Begründung des Keren Hajessod vor, und er mußte logischerweise zur Jewish Agency führen. (Der Gedanke eines allgemeinen jüdischen Weltkongresses für Palästina ist ein hohes Ideal, kann aber vorläufig nicht realisiert werden. Die Jewish Agency ist eine Vorstufe dazu, aber man kann ihre Gründung nicht bis zum Zusammentritt eines jüdischen Weltkongresses aufschieben. Unsere Forderung der Einführung „demokratischer“ Wahlen ist berechtigt und wird sicherlich berücksichtigt werden; dies hängt von den lokalen Bedingungen und den verschiedenen Organisationsformen unserer jüdischen Brüder ab. In einigen Ländern gibt es religiöse Gemeinden, Konsistorien, ferner große religiöse, soziale und Arbeiterorganisationen. Sie alle müssen vereinigt werden und sich einander anpassen; so komplizierte Fragen lassen sich nicht mit einem Male lösen.) Es gab noch eine Möglichkeit: Die Hunderttausende von Keren-Hajessod-Zahlern in Landesverbänden zusammenzuschließen, über denen ein oberstes Komitee stehen müßte, das unserer Exekutive beigegeben würde. Manche Mitglieder der Zionistischen Organisation sind hierfür eingetreten: aber dieser Weg wäre noch komplizierter, weil man dann entweder dieses oberste Komitee als „Jewish Agency“ hätte bezeichnen müssen, oder aber zwei neue Organisationen hätte schaffen müssen: die der Keren-Hajessod-Zahler und die

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