Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- Seite 608 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Das Jüdische Echo Nr. 38 kluger Mann gesagt, der Aufbau Palästinas bilde das einzige historische Ereignis der Gegenwart? Wir stritten noch lange darüber, weil ich bezweifelte, ob er sich nicht darüber täusche, daß seine Arbeit wirklich dem russischen Volke zugute käme, ob man ihn nicht davonjagen werde, ohne Dank. Er wollte es nicht wahrhaben, bis seine Frau eingriff, eine Jüdin, nur zufällig, wie er meinte. Und dann gab er zu, daß es antisemitische Strömungen gebe, aber die Partei lasse sie nicht aufkommen. Der Proletarier läßt sich durch Rasseninstinkte nicht mehr beherrschen. „Aber es läßt sich nicht leugnen, wenn ein jüdischer Beamter geht, tritt neuerdings doch mehr und mehr ein Russe an seine Stelle. Ich werde freilich der letzte sein; ich kämpfe seit meinem vierzehnten Lebensjahr auf der Seite der Revolution und werde am längsten bleiben.“ „Und wa-s werden Sie nachher tun, wenn die Reihe auch an Sie kommt?“ „Dann gehe ich nach Palästin a.“ Länger hielt es mich nicht mehr. Es gibt Momente, wo man nicht mehr weiterdenken möchte. Da sitzt ein Jude, hoher Beamter der Sowjetregierung, einer der wenigen und hilft mit den jüdischen Aufbau zu unterwühlen, hilft mit jüdisches Eigentum, das in Palästina Segen gebracht hätte, im weiten Rußland zu zerstreuen, hilft mit eine Wirtschaft aufzubauen und ahnt zugleich, daß er eines Tages doch, ausgestoßen weiden wird. Warum geht er nicht gleich nach Palästina? Weil er erst die soziale Frage lösen will? An die Judenfrage glaubt er auch. „Aber“, so sagt er zum Abschied, „wahrhaft große Ideen schließen einander aus. Man kann nicht zugleich für beide arbeiten.“ Ich glaube es nicht und denke an jenes Gebet, das er nicht begriffen hatte, wo es heißt: Und alle Völker mögen einen Bund bilden und gib Ehre , deinem Volk und Freude deinem Land... Choschew. Eleasar ha-Kalir Von S. M e i s e 1 s Unter den in die Gebetsordnung für das Neujahrsfest und den Versöhnungstag aufgenommenen Gebetstücken, die zur Belebung und Verschönerung des öffentlichen Gottesdienstes an den hohen Feiertagen beitragen sollen, nehmen die religiösen Dichtungen, „Pijutim“ genannt, eine hervorragende Stelle ein. In der hebräischen Poesie, die jahrhundertelang fast ausschließlich religiöse Poesie war, bilden die Pijutim eine ganz eigenartige Kunstdichtung. Wann die ersten Pijutim entstanden sind, kann mit Gewißheit nicht angeben. Eine Stelle im Midrasch Wajikra läßt indes die Annahme berechtigt erscheinen, daß schon im siebenten Jahrhundert einige liturgische Dichtwerke an die Gebetsordnung angeschlossen worden seien. Leopold Zunz, der über diesen Gegenstand das Trefflichste geschrieben hat, weist nach, daß mehrere dieser allmählich in die Gebetsordnung aufgenommenen Arbeiten nicht gerade von einer Behörde ausgegangen oder von Anfang an für den öffentlichen Gottesdienst bestimmt waren. Die Sentenzen und Gebete einzelner verehrter Männer wurden vielmehr durch deren Schüler verbreitet und im Laufe der Zeit eingeführt. Die Verfasser der Pijutim wurden Pajtanim (Poeten) genannt. Selten hat sich das Werk von seinem Schöpfer, selten die Dichtung von ihrem Dichter dermaßen losgelöst wie der Pijut von dem Pajtan. Die Werke der Pajtanim, der religiösen Dichter, sind unter den Juden unsterblich geworden; der Klang dieser Dichtung ist heute noch an Fest- und Feiertagen in Synagogen und Bethäusern lebendig; aber die Dichter selbst deckt der Schleier der Vergessenheit. Sie gleichen hierin den Volkssängern, deren Lieder lebendig durch die Jahrhunderte wanderten, deren Namen aber mit ihrem Tode erloschen. Es nützte den Pajtanim nichts, daß sie in ihre poetischen Gebetstücke durch Akrostichen und allerhand künstliche Versformen ihre Namen einfügten; Andacht und Pietät begnügten sich mit dem Hersagen der mit schwerfälligem Rhythmus und merkwürdigem Klangreim ausgestatteten Dichtungen, ohne sich um die angefügten Namenszeichen zu kümmern. So lebt der Gesang der religiösen Dichter im Munde des Volkes, ihr Name aber ruht still und verschwiegen in jenen Literaturwerken, die heute kaum noch gelesen werden. Und doch, welche bedeutenden Männer waren unter den Pajtanim! Wenige nur wissen, daß auch Raschi, der berühmte Rabbi Schlomo Jizchaki, sich unter den Pajtanim befindet. Und nicht vielen wird es bekannt sein, daß die Hymne Nischmath kal chaj und eine „Opferordnung“ Ethen tehilla dem Apostel Petrus zugeschrieben wurden. (Siehe Winter und Wünsche, Jüdische Literatur, Band 3, Seite 6.) Wohl der älteste und zugleich der bedeutendste Pajtan war Eleasar ha-Kalir. Er ist auch der bekannteste geblieben, obwohl von seinen näheren Lebensumständen nichts bekannt ist. Bei Kalir bedient sich die Geschichte der Sage, um über sein Leben, sein Geburtsjahr und seine Heimat einigen Aufschluß zu geben. Einige Gelehrte sind der Ansicht, er sei ein bedeutender Rabbi oder gar ein Mischnahlehrer gewesen, andere dagegen meinen, er habe als Vorbeter in einer Synagoge gewirkt. Sein Geburtsort wurde, vielfach in Palästina gesucht, weil der Name Kalir angeblich auf einen Ort in Palästina hindeuten sollte. Der Dichter selbst nennt seinen Geburtsort Kirjath Sepher, worunter manche Tiberias verstanden wissen wollen. Nach der Feststellung einiger Literaturhistoriker soll er in einer Stadt des südlichen Italien, Cagliari oder Bari, im neunten Jahrhundert gelebt haben. Zunz gibt Sardinien als Geburtsort Kalirs an. Eleasar ha-Kalir scheint ein außerordentlicher Mann gewesen zu sein, denn die Sage hat sich noch nie unbedeutender Männer bemächtigt. Den Namen Kalir umgibt ein schöner Sagenkranz, der den Ausdruck bildet für die Verehrung, die die MAGIRÜSI NASH IPHÄNOMEN LASTWAGEN UND OMNIBUSSE | FÜHRENDE WELTMARKE LIEFERWAGEN */4 t Auto-METZGER MÜNCHEN Seidlstr. 30, F..»;»