Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- Seite 609 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 38 Das Jüdische Echo 609 Nachwelt diesem gotterfüllten Dichter entgegengebracht hat. Mehr als zweihundert Gebetstücke hat Kalir gedichtet; die herrlichsten darunter sind die Gebete für das Neujahrsfest und den Versöhnungstag. In seinen Pijutim hat er „die alten Überlieferungen und die Glaubensmeinungen seines Volkes“ zu künstlich geformten Hymnen umgeschaffen. Hierzu nahm er das Material aus der Haggada. Was in dieser zur heiligen Sage geworden war, was sie zur Verschönerung des Kultus, zur Bereicherung des sittlichen Lebens, was sie an trostreichen Hoffnungen, an Glaubenskräftigung darbot — verarbeitete Kalir zu einem Kunstwerk, das Vortrag und Gebet, Hymne und Auslegung zugleich war. So ward die Haggada zum poetischen Festgebet. Kalir tyrannisiert die hebräische Sprache, zwingt ihr willkürliche Bildungen auf, aber mit seiner Übermacht und mit so hinströmender Fülle, daß man bei der Hoheit des Gedankens die Unebenheiten des Vortrages übersieht. Kalirs harte, an Unverständlichkeit grenzende Sprache ist kein Perikleisches Kunstwerk; sie ist ein zyklopischer Bau, der an göttergleiche Menschen und an ein heiliges Altertum erinnert.“ (Zunz.) Als ein Probestück Kalirscher Poesie möge hier die Schilderung des Weltgerichtes am Neujahrstage folgen; Dein Ruhm, deiner Allmacht Preis, erfüllet die Weiten der Erde, Es erschallt vom Himmel Gericht, es banget und schweiget die Erde. Es stürmt heran der Tag des Zorns, es dröhnen die Tiefen der Erde. Der Posaunen gewaltiger Hall ergehet und mahnt die Erde. „Heil den Frommen!“ ertönt’s im Jubel vom Ende der Erde. Schauer und Schrecken und Grauen und Angst verwirren die Erde, Stehest du auf zum Gericht, zu strafen die Grenzen der Erde. „Bahnet, ebnet den Weg!“ ruft’s zitternd empor von der zitternden Erde. Herrlicher, Mächtiger, du antwortest mit mildem Tone der Erde; „Warum banget das Land? Oh, jauchzet, ihr Tiefen der Erde!“ Mögen sie es sehen, erkennen, daß Er ist König der Erde. Wie sie im Himmel ihn preisen, so loben ihn seine Gegrüßten der Erde. Es gehört neben der Kenntnis der Bibel auch eine innige Vertrautheit mit der gesamten Haggada dazu, um Kalirs Dichtungen zu verstehen. Mancher Vers enthält eine Anspielung auf irgendeine heilige Legende, manches Wort deutet auf eine biblische Erzählung hin und unter manchem substantivierten Adjektivum soll dieser oder jener jüdische Heros verstanden sein. Eleasar ha-Kalir, der sich in seinen Dichtungen der heiligen Sagen bediente, ist selbst eine Art von heiliger Sage geworden. Sagenumwoben wie seine Geburt und sein ganzes Leben ist auch sein Tod. Die Sage erzählt, daß sein Lehrer Janai, der ihn wegen seines Dichterruhmes beneidete, in seinen Schuh eine giftige Eidechse legte, die ihm den Tod brachte. Das soll das Ende dieses hervorragenden Mannes gewesen sein, von dem es hieß, er sei in den Himmel gestiegen und habe den Engeln den alphabetischen Pijut abgelauscht. Geschäftliches Die neue Gruß-Revue „Nur mit Dir“, die täglich unter großem Beifall in Szene geht, erregt durch die Reichhaltigkeit und vorzügliche Durcharbeitung aller Darbietungen das Entzücken all ihrer Besucher. In 28 lose aneinander gereihten Bildern führt sie durch alle möglichen Weltteile und gibt dabei den Herren Grünbaum und Seibold Gelegenheit gute, weniger gute und ganz schlechte Witze zu machen, Herrn Aslan und den Damen Hornik, Mardayn ausgezeichnet zu singen und vor allem einer Reihe von hervorragenden Kräften wundervoll zu tanzen. Unerreicht wie immer die Tiller Girls, bestechend exakt und humorvoll die Sekundentänzer Rieh und Galvin. Was erlebten Sie im Bad? Wir meinen eine Beobachtung privater Natur: Sicher haben Sie einen Erfolg der Badekur an sich festgestellt. Nun wissen Sie aber selbst, daß es nicht allein die wohltuende Umgebung, die gesunde Luft und die warme Sonne waren, die diesen Erfolg zustande brachten — der Hauptgrund war doch das heilbringende Wasser in seiner ganz besonderen, unnachahmlichen Zusammensetzung. Und gerade das vermissen Sie jetzt. — Warum eigentlich? Möchten Sie sich nicht Ihren jetzigen körperlichen gesunden Zustand auch weiterhin erhalten? Warum setzen Sie da Ihre Brunnen-Trinkkur nicht zu Hause fort? Warum bedenken Sie eigentlich nicht, daß dieses Heilwasser nicht nur die Eigenschaft hat, zu heilen, sondern vor allem auch den Ihnen bekannten Krankheiten vorzubeugen. Und das ist doch ein wichtiger Grund, solches Wasser regelmäßig zu trinken. Unter Echtheitsgarantie wird Ihnen der gewünschte an der Quelle abgefüllte Brunnen frei Haus geliefert von der Mineralwassergroßhandlung Otto Pachmayr, G. m. b. H., München, Theresienstraße 33, Telephon 27 4 71 und 27 4 73. Gemeindenu.Vereins-Echo Hebräische Sprachschule Chowewe Iwrith Nürnberg. Die Hebräische Sprachschule hat ihre Winterarbeit wieder aufgenommen. Die bestehenden Kurse und Privatstunden werden weitergeführt, Anfängerkurse neu gegründet Neumeldungen von Anfängern und Fortgeschrittenen an das Büro, Bankgasse 3/II, Telephon 21 9 12. Jüdischer Gesangverein. Die Proben zu dem Konzert mit Herrn Oberkantor Alter am 5. Dezember haben begonnen. Das Programm enthält sehr interessante Kompositionen jüdischer Musik. Proben Dienstag abend im Lessingsaal, wo Anmeldungen erbeten werden. Der jüdische Kindergarten, Herzog-Rudolf- Straße 5/0, beginnt wegen Umbau des Hauses erst Montag, den 1. Oktober, 9.30 Uhr. Anmeldung entweder am Tag des Beginns im Kindergartenlokal oder schriftlich bzw. telephonisch bei Henny Reich, Ohmstraße 20. Telephon 32 9 88. I. MÜNCHENER PLISSEE'BRENNERil FRANZ QRUBER, MÜNCHEN; Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostdmstlckereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975