Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · p. Seite 606

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
Seite 606 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156905--08791-9081505
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

606 Das Jüdische Echo Nr. 38 Vom Bade zurück? Gut erholt durch herrliche Ruhe, gebräunt von der Sonne, gesundet am heilsamen Quell? Ja, und nun? Unbedingte Fortsetzung Ihrer Kur zu Hanse! Vorbeugung geg.BOckkehrlörerBeschwerflen Unter Echtheitsgarantie erhalten Sie den gewünschten, an der Quelle abgefüllten Brunnen frei Haus von der Mineralwasser -Großhandlung Otto Pachmayr, G.m.b.H., München Rufen Sie 27471 oder 27473 Waad Leumi ausgebrochenen bekannten Konflikt schlichten sollte, veröffentlicht ein Kommunique, in dem festgestellt wird, daß beide Parteien unrichtig gehandelt haben. Rabbi Meir beabsichtigt nicht aus der Knesseth Israel auszutreten und der Waad Leumi darf nicht Rabbi Meir seines Postens verlustig erklären, weil dies nicht in die Kompetenz des Waad Leumi falle. Der Weltverband der sephardischen Juden fordert daher beide Parteien auf, miteinander wieder Frieden zu schließen. Die neue Palästina-Einwanderung Laut dem „Dawar“ befaßte sich die Zionistische Palästina-Exekutive in ihrer Sitzung vom 28. August mit der Frage der Anforderung von Zertifikaten. Als Basis wurden folgende Feststellungen der von der Exekutive eingesetzten Kommission zugrunde gelegt: Die Gesamtfläche der neuen Pflanzungen in der kommenden Saison wird gegen 10 000 Dunam betragen. Dies würde 1000 Arbeitern Beschäftigung geben. Außerdem wird die Aufnahmefähigkeit in den bestehenden Wirtschaften mit 300 Arbeiterinnen angenommen. Dazu kommt noch das Bedürfnis nach 150 Bewilligungen für eine bestimmte Kategorie von Verwandten, die Einreiseerlaubnis auf anderem Wege nicht erhalten können, jedoch den Arbeitsmarkt nicht belasten, und 50 Bewilligungen für Fachleute. Somit würden insgesamt 1500 Zertifikate nötig sein, ln Berücksichtigung jedoch des Umstands, daß ein Teil der Pflanzungstätigkeit durch Selbstarbeit der Besitzer, wie auch zu einem geringen Teil durch arabische Arbeit geleistet wird, mache die Exekutive von der oben angegebenen Zahl einen Abstrich von 200 Mann. Außerdem müssen auch noch 200 städtische Arbeiter in die ländlichen Siedlungen überführt und ebenso 100 aus Rußland Verbannte in den Pflanzungssiedlungen untergebracht werden. Die Exekutive hat daher, wie wir bereits in Ziko Nr. 33 mitgeteilt haben, beschlossen, nur 1000 Zertifikate anzufordern, außer den 200, um die sie bereits früher für die Einwanderer aus Rußland angesucht hat. (Ziko) 1111111 ■■■III ■fl Feuilleton || llllllll lllBIBIIBI Hfl «Hfl 1 Hill ■ Gespräche mit einem Bolschewisten Wie ich ihn traf, ist so gleichgültig, daß es nicht erzählt zu werden braucht. Irgendein Zufallsbekannter wies mich zu ihm, irgendein Zufallsgrund ließ mich ihn aufsuchen und dann fühlte ich mich von ihm angezogen — aus einem seltsamen Kontrastbewußtsein, ohne daß ich mir darüber recht klar wurde. Es war so um die Rosch-Haschonohzeit herum, als ich ihn zum ersten Male kennenlernte. Er wohnte in einer vornehmen Pension des Berliner Westens — wie einem doch gleich häßliches Zeug durch den Kopf ging .... Edelproletarier . ficht für das werktätige Volk vom Salon aus — .ob der gläubige Muschik davon weiß. Und wie fein er parierte, als ich ihm später diesen Widerspruch vorhielt: „Der Gaul, der im Stall steht, wird weniger gut gefüttert als der, welcher auf dem Acker vor den Pflug gespannt ist. Ich arbeite auf dem Feld: wenn Sie wüßten, wie viele Steine dort herumliegen So kam ich also hinein, bepackt mit sämtlichen Vorurteilen westlichen Hochmuts, und sah ihn vor mir. Kein slawischer Typus, kein Judenprofil, nichts dergleichen. Hinter einer Brille blickten ein paar weiche Äugen hervor, die sich in den Rahmen seines vergeistigten Gesichtes beinahe sanft einfügften. Dieselbe Zartheit lag über den wohlgegliederten Händen, die darum doch schon einmal ein Todesurteil unterzeichnet hatten. „Gott, es war schrecklich, so ein junger, blühender Bauernbursche. Er wußte auch nicht, was er tat, als er sechs unserer Soldaten an Denikin verriet, der sie erschießen ließ. Es war schrecklich, daß wir ihn strafen mußten, da es doch nur eine Strafe geben konnte ... „Also jetzt beten Sie bald wieder um den ewigen Frieden: Und alle Völker mögen einen Bund bilden. Und die Herrschaft des Frevels möge wie Rauch verfliegen. Und so. Ja, wie denken Sie sich das? Soll Gott die erhören, die selber freveln und wieder freveln werden, die reichen Unterdrücker, die sich auf die Brust schlagen: Wir haben gestohlen, gelogen, irregeführt. Er hat ja gar nichts gestohlen, alles ehrlich erworben, und doch gehört es ihm nicht, i h m nicht, allen vielleicht, denen auch, die hinten in der letzten Reihe stöhnen: Wir sind irregegangen. Ihr armen Teufels, wenn ihr nur wüßtet, w i e irre gegangen ihr seid! Betet nicht, kämpft, zerbrecht das Joch...“ Und nun beginnt er ein Bild auf die Revolution zu singen, so packend, so mitreißend, daß man fast an ihn glauben möchte: Herrliche Zeit, in der der Trott von Jahrhunderten sich zu atemraubendem Sturmschritt durchreißt, wo ein Reich heute stürzt und ein schöneres morgen aufsteigt! Welch eine Lust, in ihr zu leben oder zu sterben. Es gibt keinen Frieden, keinen Glauben, bevor die Völker sich nicht im Kampfe einigen, gegen Gewalttat das Schwert erheben, sich rächen, Blut vergießen, wenn es sein muß ... Und während er noch von Barrikaden, Kosaken, Schüssen, Sieg und Schrecken erzählt, baue ich ihm andere Bilder auf, von waffenlosen Propheten, die verlacht und verfolgt und am Ende doch erhöht wurden, von den Völkern Indiens, die den Fremdherrscher durch stillen Widerstand, nicht durch Krieg zermürben, vom Neger, der in seinen Liedern den weißen Mann vergißt und ihn darum meistert — von Juden kann ich ihm nichts erzählen, davon weiß er zu viel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.