Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- Seite 604 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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604 Das Jüdische Echo Nr. 38 Pf-L ZAAODEN ■BERNHARD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8 dorfe Petrovoselo im Dienst stand, plötzlich verschwand. Bauernmassen umzingelten die jüdischen Häuser und eröffneten auf sie ein Stein- Bombardement unter der Drohung, die Juden müßten das Verschwinden des christlichen Mädchens mit dem Hungertode sühnen. Polizei und Gendarmerie zerstreute die Volksmenge durch Schreckschüsse und rettete die in den bereits halb demolierten Häusern eingeschlossenen Juden. Vorgestern wurde nun Margarete Takacs in erschöpftem Zustande und einer Ohnmacht nahe in einem Nachbardorfe von Petrovoselo gefunden. Dies entfesselte einen neuerlichen Bauernsturm, da die Bauern glaubten, die Schwäche des Mädchens entspringe einer Nasenblutenzapfung durch die Juden, obwohl nach sofort vorgenommenem gerichtsärztlichen Befund das tagelange Herumirren der Takacs in Männerkleidern, ohne daß sie irgendwelche Nahrung zu sich genommen hätte, nachdem sie von einem Unbekannten entführt und genotzüchtigt worden war, die Ursache des Schwächezustandes des Mädchens war. Uber die näheren Umstände hüllt sich das ganz entkräftete Mädchen vollkommen in Stillschweigen. Die Erregung der Dorfbevölkerung dauert an, obwohl die Behörden durch ausgesandte Trommelschläger in den Banatdörfern verkünden lassen, daß alle Gerüchte von jüdischen Ritualmorden und Benutzung von Christenblut eine blöde Erfindung sind, und daß jede antijüdische Agitation die härteste Bestrafung nach sich ziehen werde. Die Behörden haben bisher 40 antisemitische Gewalttäter verhaftet. Belgrad, 14. September. (JTA.) Der nach Petrovoselo zur Nachprüfung der Lage entsandte JTA-Vertreter stellte fest, daß dort die volle Ruhe wieder hergestellt ist. Menschenopfer sind keine zu verzeichnen. Dagegen liegen Hausschäden vor. Die Behörden haben raschestens strenge Maßnahmen ergriffen, und die Waffenmacht konnte gerade einschreiten, als durch die fanatisierte Bauernschaft Pogromgefahr unvermeidlich erschien. Die Menge gab die Belagerung der jüdischen Häuser auf, als sie einsah, daß die Behörden ernstlich gewillt sind, jüdisches Hab und Gut zu schützen. Belgrad, 16. September. (JTA.) Auf Intervention des Großrabbiners von Jugoslawien, Dr. Isak Alkalay, verfügte der Ministerpräsident Dr. Anton Koroschek, der zugleich Innenminister ist, strenges Vorgehen gegen Anstifter und Teilnehmer der judenfeindlichen Unruhen. Er machte den zuständigen Bezirksvorstand persönlich verantwortlich, falls den Juden in Petrovoselo das geringste zugefügt würde. Am 13. September delegierte der Ministerpräsident eine spezielle Kommission unter Führung eines hohen Beamten nach Petrovoselo. Diese Kommission konstatierte ebenfalls die vollkommene Grundlosigkeit sämtlicher judenfeindlicher Gerüchte. Nachdem aber die Juden neuerlich bedroht und ihre Häuser beschmutzt wurden, ist im Dorfe der Ausnahmezustand proklamiert worden. Ohne besondere Legitimation darf kein Dorfbewohner nach 8 Uhr abends das Haus verlassen. Der Sicherheitsdienst der Gendarmerie wurde verstärkt. Zwecks Beruhigung der fanatisierten Bauernbevölkerung sind 18 verhaftete Bauernburschen vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die gerichtliche Untersuchung geht weiter. Zwei Hochschüler werden verdächtigt, das Ritualmordmärchen verbreitet zu haben. Aus der jüdischen Welt Die 61. und die 62. Friedhofschändung in Deutschland Berlin, 14. September. (JTA.) In Flammersheim an der Eisenbahnstrecke Euskirchen-Münstereifel im Kreise Rheinbach wurden auf dem jüdischen Friedhof von Übeltätern alle Marmortafeln zerbrochen und die Grabsteine besudelt. Wie Besucher berichten, bietet der altehrwürdige Friedhof ein geradezu erschütterndes Bild. Auch in dem 'Flammersheim benachbarten Kirchheim wurden alle Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen und zum großen Teil zertrümmert. Es ist dies innerhalb zwei Jahren bereits die zweite bzw. dritte Friedhofschändung in den erwähnten beiden Orten. An die zuständige Staatsanwaltschaft in Bonn wurde Anzeige erstattet. Die Differenzen in der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M., 17. September. (JTA.) Auf der Generalversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., über die wir bereits berichtet haben, wurde namens des Wahlkomitees, das sich für die Wahl des Aschaffenburger Rabbiners Dr. Raphael Breuer eingesetzt hatte, durch Herrn S. H. Katzenstein eine Erklärung verlesen, in der er in seinem und im Namen seiner Freunde erklärt, sich für den Kandidaten des Vorstands eingesetzt zu haben, von der tiefen