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Das jüdische Echo · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · p. Seite 601

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
Seite 601 (sequence 5)
Language
German
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Es gibt doch eine Nemesis der Geschichte, die nichts ungerächt läßt. Die Unterdrücker von heute werden die Bedrückten von morgen sein. Das ist der Lauf der Geschichte und aus ihr muß man lernen, wenn man die eigenen Fehler nicht büßen, wenn man vermeiden will, daß die Enkelkinder für die Sünden der Väter gestraft werden. Zusammenfassend läßt sich sagen: die Lage der europäischen Minderheiten wird von Tag zu Tag schlechter, unerträglicher, unhaltbarer, auch derjenigen, die noch eine Stütze an ihren Stammvölkern haben, schon gar nicht zu reden von den Juden, die das Stiefkind der menschlichen Gesellschaft sind. Bei der Tagung in Genf haben alle Vertreter über das Schicksal ihrer Volksgenossen berichtet, und sie haben vieles erzählt. Keinesfalls aber von solchen Leidensgeschichten, wie die Repräsentanten der jüdischen Minderheit. Es ist doch noch immer ein Unterschied: die nichtjüdischen Minderheiten leiden, leiden kulturell, national; die jüdischen hingegen ertragen dieselben Leiden, nur noch im verstärkten Maße, dazu kommen aber physische Schikanen, Verfolgungen, die im 20.Jahrhundert noch schmerzlicher sind und eine tiefe, seelisch berechtigte Reaktion hervorrufen müssen. Und es wird nicht besser! Der Chauvinismus artet aus,. Die Schule tut das ihrige und1 erzieht eine Generation, die hinsichtlich der Verfolgung der nationalen Minderheiten, wenn möglich noch die Erzieher, Väter und Lehrer übertreffen wird. Und dazu kommt die neue Generation von Literaten und skrupellosen Presse-Gewaltigen, welche im Namen der Nation, im Namen einer heiligen Idee, Krieg gegen die Schwachen predigen und dadurch über Europa neues Unglück und Unheil bringen werden. Und die Rechnung werden dann die Diplomaten, Politiker, Lehrer und Erzieher bezahlen, welche das Volk in diese Politik trieben, es verhetzten und zum gegenseitigen Kampfe aufreizten. Das ist eine Wahrheit, die wir aus der Geschichte lernten, die zum Dogma wurde, und dennoch wird der alte verbrecherische Weg gegangen, zum Unglück der Bedrücker und Bedrückten. All dies geschieht angesichts Europas, trotz der allgemeinen Abrüstungsfrage, trotz der Kriegsächtungsverträge, trotz Locarno, trotz des Völkerbundes, der noch keiner ist, aber einer werden kann. Er stellt an und für sich eine große, erhabene Idee dar, allein für ihn gilt das bekannte Wort vom Bock, den man zum Gärtner macht. Er ist heute noch ein Werkzeug der Mächtigen Europas, keineswegs aber der Areopag, an den sich die Unterdrückten Europas um Schutz und Hilfe wenden können. Er ist heute noch ein Werkzeug von England, Frankreich und auch Italien, kann aber morgen schon der Ausdruck des Willens der Völker der Erde sein. Und . er muß es werden und wird es werden! Die geistige Zusammenarbeit der Völker im Rahmen des Völkerbundes, die große proletarische Internationale, werden mit der Zeit den Boden für den neuen Völkerbund vorbereiten, der nicht ein politisches Werkzeug des europäischen Imperialismus, sondern ein geistiger, sozialer, ökonomischer und politischer Bund des neuen Europa, der neuen Welt werden soll. Also ist es verfehlt, ihn einfach zu negieren, vernünftiger, ihn gehörig auszugestalten. Die Minderheiten selbst aber müssen sich einen eigenen Areopag schaffen, den Völkerbund der Minderheiten als Gegengewicht gegen den Völkerbund der Mehrheiten, als Ergänzung, als Tribüne der Unterdrückten, der national Entrechteten Europas. Und niemand ist mehr an diesen internationalen Gerichts- und Friedenshöfen interessiert als wir Juden. Wir benötigen einen mächtigen Völkerbund als oberste Instanz für Palästina, wir benötigen ihn, um unsere Rechte in all den Ländern zu schützen, wo wir in geschlossenen Siedlungen wohnen und eine ethnische Minderheit bilden. Wir benötigen einen demokratischen, freien, den Beschwerden der Minderheiten leicht zugänglichen Völkerbund, der imstande sein soll, seine Anordnungen durchzuführen und seinen Verfügungen den entsprechenden Nachdruck zu verleihen. Und wir glauben, daß er geschaffen werden wird. Wir glauben an den Fortschritt, an die Zivilisation, wir glauben, daß das Rad der Weltgeschichte sich nicht zurückdrehen läßt, wir glauben, weil im Glauben unsere Stärke, unsere Hoffnung, unser Ethos, unsere Religion liegt: im Glauben an die Wahrheit und an die Gerechtigkeit. Eine Kundgebung der zionistischen Exekutive Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in London und Jerusalem erläßt eine Kundgebung an die zionistischen Verbände, ihre Führer und Mitglieder, um sie zu erneuter Mitarbeit aufzurufen. Als das Ziel der heutigen, durch den XV. Kongreß eingeleiteten Politik des Überganges und der Vorbereitung wird neuer Aufbau, neue Alijah, neue Chaluziuth bezeichnet. „Notwendig ist aber nicht allein die Einschränkung entbehrlicher Ausgaben, sondern auch die Schaffung der finanziellen Voraussetzungen für vergrößerte produktive Ausgaben. Die vorbereitenden Maßnahmen zur Schaffung einer festen Arbeitsgemeinschaft mit nichtzionistischen Gruppen für den Aufbau Palästinas — heißt es in der Kundgebung weiter — sollen im kommenden Arbeitsjahre endgültig zum Abschluß gebracht werden. Die Gründe für die Erweiterung der Jewish Agency haben im Laufe der Jahre seit Konzipierung dieser Idee an Gewicht nur gewonnen, die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Politik ist gewachsen. Vor uns steht das Ziel: Stärkung unserer politischen Basis durch Schaffung einer großen, geschlossenen jüdischen Palästinafront, Ausbreitung des Palästinagedankens in allen Schichten des Volkes, Beschleunigung und großzügige Erweiterung des Aufbaus. Auf dem Wege zur Verständigung mit

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