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Das jüdische Echo · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · p. Seite 600

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
Seite 600 (sequence 4)
Language
German
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600 Das Jüdische Echo Nr. 38 .»i im Kreise der gesamten jüdischen Jugend ergeben. Während die ältere Generation eine einheitliche Sprache kaum noch zu sprechen vermag, haben die Gemeinsamkeiten jüdischer Haltung die Jungen zusammengeführt. Eine sehr bedeutsame Frucht dieser jüdischen Jugendarbeit ist das Projekt der Schule der jüdischen Jugend in Berlin, das jetzt der Verwirklichung entgegengeht. Hier hat sich die Jugend der verschiedensten Richtungen zusajnmengefunden, um eine Stätte jüdischer Wissensvermittlung zu schaffen, die der gesamten jüdischen Jugend offen steht und von dem Geiste der Jugend selbst getragen wird. Bei all dieser positiven Entwicklung der neuen jüdischen Jugend muß man allerdings auch gewissen Gefahrenmomente beachten. Es besteht eine gewisse Tendenz, Entscheidungen auszuweichen, möglichst lange in einem Zustand zu verharren, m dem diejenigen jüdischen Entscheidungen, die für das Leben des einzelnen jungen Menschen wirklich gestaltende Kraft haben, hinausgeschoben werden. Der Gedanke der Neutralität hat in den letzten Jahren in der jüdischen Jugend Deutschlands Fuß gefaßt. Gerade er aber trägt diejenige Gefahr in sich, die die Jugend am meisten fürchtet: Das ist der Weg der Verbürgerlichung. Die wertvollsten Kreise der Jugend werden darauf hinzuwirken haben, daß diese Neutralität nicht etwa auf die Dauer ein Herumdrücken um die wichtigsten jüdischen Entscheidungen bedeutet. Und noch auf eine andere Gefahr muß hier hingewiesen werden. Es wird heute schon die Frage gestellt, ob die jüdische Jugend dann, wenn sie älter geworden ist, dem deutschen Judentum ihren Stempel aufdrücken, ob sie das deutsche Judentum bereinigen und lebendiger machen wird. Man muß dieser Hoffnung ziemlich skeptisch gegenüberstehen. Die wirklich innerlich bewegte und erneuerte Jugend ist auch heute nur eine kleine Minorität und neben ihr existiert eine völlig indifferente Masse der jüdischen Jugend, die heranwächst, Macht, Bedeutung und Notabilität erlangen wird. Es erscheint noch sehr fraglich, inwieweit der jüdisch und menschlich erneuerte Kreis dann gegen diese Masse wird aufkommen können. Aus diesem Grunde ist es die wesentlichste Aufgabe der organisierten jüdischen Jugend, auf diese indifferente Masse in den nächsten Jahren einzuwirken und sie zum Bewußtsein inrer eigenen Lage zu erwecken. Nur so kann ein Weg beschritten werden, der die Zukunft des deutschen Judentums hoffnungsvoll gestaltet. Daneben ist es notwendig, jüdische Jugend immer wieder zur wirklichen Entscheidung in der Frage ihres Judeseins und der persönlichen Verwirklichung zu zwingen. Hier liegt die dauernde Aufgabe der mit Palästina verknüpften zionistischen Jugend, die damit nicht nur eine zionistische Aufgabe erfüllt, sondern auch ihren Teil zur Reinhaltung, Vertiefung und Bereicherung des deutschen Judentums beiträgt. Minderheiten und Völkerbund Von Dr. Manfred Reifer (Czernowitz) Der Kardinalpunkt, der auf der diesjährigen Tagung (29. August bis zum 1. September) der europäischen Minderheitsvölker zur Behandlung gelangte, ist der Bericht über die Lage der Nationalitäten gewesen, die als ethnische Minderheiten leben, und das Verhältnis des Völkerbundes zu den Minderheitsnationen und zu den Minderheiten. Es würde sich verlohnen, einen Rückblick auf die Entwicklung in Europa, auf das sukzessive Abgehen und Abkommen von den großen Plänen und Ideen, die noch vor zehn Jahren den Unterdrückten als Evangelien erschienen, zu geben, um zur Erkenntnis zu gelangen, daß die Menschen i lies vergessen, rasch vergessen und nichts aus dem großen Blutvergießen, aus dem großen Morden, das sich Weltkrieg nennt, gelernt haben. Es trat die merkwürdige Erscheinung zutage, daß Völker und Nationen, die gestern noch unter dem Drucke starker Despotie lebten, ihre nationale Kultur nicht fördern konnten und sich an das Gewissen Europas wandten, freie nationale Autonomie forderten und bald darauf vollkommene Staatssouveränität erhielten, heute all ihre Leiden an ihre Knechtschaft, an ihre politische, nationale und kulturelle Unterdrückung vergaßen und sich als dieselben Hyänen und Bestien erwiesen, wie es ihre eigenen Unterdrücker von gestern noch waren. Dieselben Polen, die in Ostpreußen gewaltsam germanisiert, dieselben Polen, welche in den Gefängnissen von Sibirien für ihre nationale Betätigung schmachteten, dieselben Polen unterdrücken heute mit denselben, zuweilen noch mit moderneren Mitteln ihre deutschen, russischen, ukrainischen Minderheiten. Sie haben diese Kunst ihren ehemaligen Peinigern abgeguckt und übertreffen oft sogar ihre Meister und Lehrer. Dasselbe Spiel kann man bei den Rumänen, Tschechen, Ungarn, Serben, Italienern, Franzosen beobachten, wobei die Art der Unterdrückung immer vom Kulturgrad der betreffenden Herrennation abhängt. Die Rumänen haben ihre eigenen Leiden unter den Magyaren vergessen und beeilen sich gegenüber ihren Minderheiten die Nachkommen der Hunnen zu übertreffen, die Tschechen haben ihren nationalen Kampf unter Österreich seit den Tagen der Schlacht am Weißen Berge vergessen und unterdrücken ihre deutschen Minderheiten mit den Mitteln eines Kulturvolkes und die Magyaren klagen über die Unterdrückung ihrer Volksgenossen in Transsylvanien und vergessen, daß sie gestern und auch noch heute eine Henkerpolitik an ihren Minderheiten betrieben haben und betreiben. Die Völker haben ein kurzes Gedächtnis. Sie vergessen in ihrem nationalen Rausch die Wirklichkeit, kommen nicht zur Besinnung und steigern von Jahr zu Jahr ihre Unterdrückungspolitik gegenüber den Minderheiten. Und all dies bedeutet eine Gefährdung des europäischen Friedens, es bedeutet Feuerschüren, bedeutet den Krieg von morgen. Es geht hier ja nicht nur um einige hun- Simsoii-Supra Komet-- * " Lieferwagen 8/40 und 12/60 PS Prospekte und Verkauf durch die Vertretung 3/15 PS Die deutschen Qualitäts wagen! Josef Mayr, München, Talkirchner Straße 66/70 Sa sfsSa 93 Kt

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