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Das jüdische Echo · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 591

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 591 (sequence 19)
Language
German
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Literarische Beilage Die Erwählung Dawids Aus dem soeben erschienenen Band VIII: „Das Buch Schmuei“, der neuen Buber-Rosenzweigschen Bibelübersetzung. (Verlag Lambert Schneider, Berlin). ER sprach zu Schmuei: Bis wann willst du trauern um Schaul, habe ich ihn verworfen, über Jißrael König zu sein! Fülle dein Horn mit Öl und geh, ich schicke dich zu Jischaj dem Bethlehemiter, denn unter seinen Söhnen habe ich mir einen König ersehn. Schmuei sprach: Wie kann ich gehn? hört es Schaul, bringt er mich um! ER sprach: Eine Kalbe von den Rindern nimm in deine Hand, sprich: IHM zu schlachten bin ich gekommen, und berufe Jischaj ans Schlachtmahl, dann werde ich selber dich erkennen lassen, was du zu tun hast, und von wem ichs dir zuspreche, den wirst du mir salben. Schmuei tat was ER geredet hatte. Als er nach Betlehem kam, traten die Alten der Stadt ihm entgegen mit Beben, man sprach: Ist dein Kommen Friede? Er sprach: Friede! IHM zu schlachten bin ich gekommen, so heiligt euch zu und kommt mit mir ans Schlachtmahl. Er ließ auch Jischaj und seine Söhne sich zuheiligen und berief sie zum Schlachtmahl. Und es war als sie kamen, da sah er Eliab und sprach zu sich: Gewiß, herzog vor IHN sein Gesalbter. ER aber sprach zu Schmuei: Blicke nimmer auf sein Aussehn, auf seinen ragenden Wuchs, denn ich habe ihn verworfen, denn nicht was der Mensch sieht ists, denn: der Mensch sieht in die Augen, ER aber sieht in das Herz. Jischaj rief dem Abinadab und führte ihn an Schmuei vorüber, doch er sprach: Auch diesen hat ER nicht erwählt, Jischaj führte Schamma vorüber, doch er sprach: Auch diesen hat ER nicht erwählt. So führte Jischaj sieben seiner Söhne an Schmuei vorüber, doch Schmuei sprach zu Jischaj: Diese hat ER nicht erwählt. Dann sprach Schmuei zu Jischaj: Sind das die Knaben alle? Er sprach: Noch ist der Kleinste übrig, er ist eben als Hirt bei den Schafen. Schmuei sprach zu Jischaj: Schick hin, laß ihn hernehmen, denn wir werden nicht rundtafeln, bis er hierher gekommen ist. Er schickte hin und ließ ihn kommen, er aber war rötlich, dazu schön von Augen und wohlansehnlich. ER sprach: Auf, salbe ihn, denn dieser ist es. Schmuei nahm das Ölhorn und salbte ihn im Kreis seiner Brüder. Da geriet SEIN Geistbraus über Dawid hin: von jenem Tag an und weiter. Dann stand Schmuei auf und ging nach Rama. Jüdische Wissenschaft auf dem Kongreß Am 27. August begann in Oxford die Tagung des Internationalen Orientalistenkongresses. Der Kongreß hat sich mit verschiedenen Fragen des Alten Testamentes, der hebräischen, arameischen und rabbinischen Studien befaßt. Zahlreiche jüdische Gelehrte aus Deutschland, Palästina, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern haben an den Beratungen teilgenommen; die 7. Sektion des Kongresses hat sich ausschließlich mit Themen jüdischer Wissenschaft befaßt. Im Mittelpunkt der ersten Vollsitzung stand als erster Vortrag, dem die längste Zeitdauer aller Kongreßvorträge zugebilligt war, das Referat des Orientalisten A. S. Yahuda (Heidelberg), der bis vor kurzem eine Professur an der Universität Madrid bekleidet hat. An der Hand eines großen Tatsachenmaterials legte Yahuda die Beziehungen zwischen der Sprache des Pentateuch und dem Ägyptischen dar. Seit langer Zeit streiten sich die Bibelkritiker über das Alter des Pentateuch, und die allgemeine Ansicht geht dahin, daß der Pentateuch aus einer viel späteren Zeit stammt als aus der Zeit Mosis. Yahuda geht nun von rein sprachlichen Gesichtspunkten 17. internationalen Orientalisten* in Oxford aus, ohne sich auf bibelkritische Fragen einzulassen und beweist, daß der Stammdialekt von Kanaan, den die nach Ägypten eingewanderten Israeliten gesprochen haben, sehr zahlreiche ägyptische Elemente an Lehnwörtern und Ägyptizismen aller Art in Ausdrücken, Redensarten, formelhaften Sätzen usw. aufweist. Yahuda gelangt zu dem Ergebnis, daß dieser Dialekt unter dem Einfluß der hochentwickelten ägyptischen Sprache während des Aufenthaltes der Israeliten in Ägypten (etwa 15. bis 13. Jahrhundert vor Christus) in raschem Anstieg seine Entwicklung zu der literarischen Sprache des Pentateuch genommen habe, und schließt dann daraus, daß der Pentateuch nur um die Zeit des Auszugs der Israeliten aus Ägypten entstanden sein kann. Bei seiner sprachlichen Untersuchung des Pentateuch stellt Yahuda unter anderem fest, daß zwar der Rahmen der Genesissagen und Patriarchenerzählungen zu 20 vom Hundert babylonisch sei, während der Inhalt vieler dieser Erzählungen dem ägyptischen Legenden- und Vorstellungskreis entstamme. Insbesondere klärt Yahuda scheinbare Widersprüche in der Sintflut-

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