Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 37 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 Das Jüdische Echo Nr. 37 I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN* Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostümetlckerelen Burgstraße16/3 Knopflöcher Telephon 22975 Der Vernichtungsfeldzug gegen den Religionsunterricht In Loknia hat die Miliz, auf die Denunziation der Jewsekzia hin, mit Verfolgungen gegen den Religionsunterricht begonnen: In einem Hause, wo drei Kinder beim Lernen angetroffen worden waren, hat sie ein Protokoll aufgenommen, obgleich der Unterricht von drei Kindern gesetzlich gestattet ist. In einem anderen Hause, wo sie die Kinder bloß beim Spielen angetroffen hat, hat sie trotzdem ein Protokoll aufgenommen und als Corpus delicti ein Chumesch mitgenommen. In Minsk wurde eine allgemeine Revision in den Synagogen durchgeführt, um Kinder oder junge Leute beim Lernen zu ertappen. In einer Synagoge fand man ein Stück Weißbrot, das zum Beweis des Aufenthaltes von Jeschiwo-Zöglingen mitgenommen wurde; die Verwalter der Synagoge erklärten aber, daß das Weißbrot für das dritte Sabbatmahl bestimmt war. In Surasch wurden zwei Melamedim vor ein öffentliches Gericht gestellt. Einer wurde zu drei Monaten, der andere zu einem Monat Zwangsarbeit verurteilt. In Samarkand sandte die Jewsekzia Milizsoldaten in die Synagoge. Kinder wurden dort wohl angetroffen, jedoch kein Melämed. Die Milizsoldaten suchten darauf erfolglos unter den Tischen und Bänken, und ungeachtet des Protestes der Synagogenbesucher rissen sie die heilige Lade auf, um auch dort nach einem sich etwa verbergenden Melamed zu suchen. * * * Und so geht diese Liste noch lange weiter. Aber Herr Lunatscharski erklärt, Religionsausübung und Unterricht sei frei... Aus der jüdischen Welt Die 60. Friedhofschändung Berlin, 6. September. (JTA.) Aus Lüdinghausen in Westfalen wird mitgeteilt, daß in der Nacht vom 31. August zum 1. September auf dem jüdischen Friedhof von unbekannten Tätern dreizehn Grabdenkmäler umgestürzt worden sind. Die Polizei hat Nachforschungen nach den Tätern eingeleitet. Es ‘ist dies der 60. Fall von Schändung jüdischer Friedhöfe seit Ende 1923. Die jüdischen Gemeindewahlen in Kassel Kassel, 9. September. (JTA.) Bei der heute hier stattgefundenen Wahl der neun Gemeindeältesten Vornehme Beleuchtungskörper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) zur Israelitischen Gemeinde Kassel siegte mit großer Mehrheit die Gemeinschaftsliste. Gewählt wurden die vier Liberalen Dr. Joseph Katzenstein, Albert Heß, Th. Eisenberg und Siegfried Speier, die drei Volksparteiler Dr. Hermann Kugelmann, Rudolf Nußbaum und Julius Dalberg, der Mittelstandsparteiler Albert Heinemann und der Gesetzestreue, Moritz Loeb. Die Wahlbeteiligung betrug gegen 66 Prozent. Abgegeben wurden insgesamt 1262 Stimmen, wovon 1139 auf die Gemeinschaftsliste und 123 auf die Sonderliste Fischer entfielen. Bokanowski Paris, 4. September. (JTA.) Der auf so tragische Weise ums Leben gekommene Minister Maurice Bokanowski entstammt einer jüdischen Familie, die aus dem ehemaligen Russisch-Polen in Frankreich eingewandert war. Minister Bokanowski und seine Brüder — bekannte französisch-jüdische Kaufleute, die Warenhäuser in vielen Städten Frankreichs besitzen — wurden aber schon in Frankreich geboren. In der frühesten Jugend Bokanowskis wurde im Hause seiner Eltern zum Teil noch jiddisch gesprochen; der Minister selbst konnte sich zur Not noch in jiddischer Sprache verständigen. Bokanowski galt hier als ein Freund des jüdischen Aufbaus in Palästina, an welchem er, wie es heißt, tätigen Anteil genommen haben soll. Am 20. Oktober Zusammentreten der unparteiischen Palästinakonferenz Neuyork, 7. September. (JTA.) Wie die jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird die unparteiische Palästina-Konferenz der Vereinigten Staaten, die von Louis Marshall, dem Präsidenten des American Jewish Comittee, im Zusammenhang mit der Erweiterung der Jewish Agency und Aufbringung des von der Londoner Konferenz der Joint Palestine Survey Commission veranschlagten Budgets für den jüdischen Palästina- Aufbau einberufen wird, am 20. Oktober zusammentreten. Louis Marshall wird schon in den nächsten Tagen den Einberufungsappell erlassen. Es wird erwartet, daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, noch vor Beginn der Konferenz in Amerika ein-, treffen und der Konferenz beiwohnen wird. Drohender Wassermangel in Jerusalem. — Zufuhr aus Ramleh. Jerusalem, 3. September. (JTA.) Wie hier mitgeteilt wird, droht der Stadt Jerusalem wie vor drei Jahren auch in diesem Jahre eine Periode des Wassermangels, so daß auch diesmal eine Wasserzufuhr aus Ramleh notwendig sein wird. Vor drei Jahren glaubte man das Problem der Wasserversorgung in der Weise als gelöst betrachten zu können, daß eine Wasserzuführung aus Ain-Fara zur Ergänzung der Solomon-Teiche eingerichtet wurde. Es hat sich jedoch erwiesen, daß diese beiden Quellen nur die Hälfte des Jerusalemer Wasserbedarfs zu liefern in der Lage sind. Der Platz vor der Klagemauer in Jerusalem soll erweitert werden Jerusalem, 6. September. (JTA.) Jüdischorthodoxe Führer in Jerusalem haben eine Aktion eingelcitet, die darauf hinausgeht, den Platz vor der Klagemauer in Jerusalem, der von den Juden als Andachtsstätte benutzt wird und auf dem während der hohen Feiertage oft ein fast