Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 37 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Das Jüdische Echo Nr. 37 ■tischen Anerkennung menschlicher und kult ureller Gleichwertigkeit bestehen — eine Lösung, die nichts anderes ist, als ■das was von nationaljüdischer Seite immer erstrebt wurde. Freilich hofft Bloem dabei, daß eines Tages doch die Amalgamierung der Juden Tatsache geworden sein wird. Und ist diese Hoffnung unberechtigt? Daß dies keineswegs der Fall ist, das wird niemand bestreiten können, der imstande ist, die Zahlen der jüdischen Bevölkerungsentwicklung zu würdigen und so bleibt es eben die Schicksalsfrage der deutschen Juden, ob ihre Amalgamierung sich nicht vollziehen wird, auch gegen ihren noch so aufrichtigen Willen. Daß das nach Holländer skizzierte „positive Programm“ des C.-V. in dieser Richtung Positives leisten könnte, wird nur ein unverbesserlicher Optimist glauben. * * * Es ist nun gewiß nicht so, als ob es in dieser Frage eine Patentlösung gäbe. Hat das deutsche Judentum noch genügend Lebenskraft, dann wird es sich erhalten und fehlt diese Lebenskraft, dann werden alle Anstrengungen nicht viel nützen. Aber man darf nicht vergessen, daß auch ein schon sehr geschwächter Organismus durch eine geeignete Behandlung verlorene Kraft Izurückgewinnen kann und so handelt es sich zunächst darum, in welcher Richtung diese Behandlung des jüdischen Organismus erfolgen soll. Nötig ist vor allen Dingen einmal eine Stärkung des jüdischen Lebenswillens, eine Intensivierung jeder Form, in der sich dieser auswirken kann. Und darum ist es grundverkehrt, wenn Holländer glaubt, daß der Gesichtspunkt der Schicksals- und Stammesgemeinschaft zwar bedeutsame Bindungen erzeugt, daß aber diese Bedeutung hinter der der religiösen Gemeinsamkeit zurückbleibt (und so geht wohl die Meinung, immer stärker Zurückbleiben wird). Die religiösen Bindungen sind heute außerordentlich gelockert, und es ist nicht abzusehen, wie sie aus eigener Kraft im deutschen Judentum neu gefestigt werden können, was auch von einem großen Teil der religiösen Führer der deutschen Juden zugegeben wird; aber ohne weiteres können gestärkt werden die heute so gefährdeten Bindungen nationaler Art. Unbedingte Garantierung jüdischer Erziehung für jedes jüdische Kind durch den jüdischen Kindergarten, die jüdische Schule, Pflege der hebräischen Sprache, Unterstützung der jüdischen Jugendpflege aller Art, vor allem Errichtung von jüdischen Jugendheimen in jeder größeren jüdischen Gemeinde, radikale Demokratisierung der Gemeinde, Gleichberechtigung aller jüdischen Gruppen, insbesondere der Ostjuden in ihr, Heranziehung der Jugend zur Gemeindearbeit — das sind Maßnahmen, die ungesäumt und mit aller Energie ins Werk gesetzt werden müssen, wenn sie noch helfen sollen. Es steht zu hoffen, daß auch große Teile des Centralvereins sich zur Mitarbeit an solchen Maßnahmen verstehen werden. Aber auch sie werden nur dann helfen können, wenn gleichzeitig sich die Einsicht durchsetzt, daß das Schicksal der deutschen Juden nicht losgelöst betrachtet werden kann von dem Schicksal der Gesamtjudenheit, wenn nicht die Erkenntnis sich verbreitet, daß überall in allen Ländern, wo Juden wohnen, nur gerade den aktuellen Gefahren Einhalt geboten werden kann — daß aber einzig und allein in Palästina, heute die schöpferische jüdische Leistung möglich ist, die das jüdische Dasein sich selbst gegenüber legitimiert. Und nur in dem Anschluß an diese schöpferische Arbeit kann und wird sich auch in Deutschland wieder neues jüdisches Leben entwickeln. I. E. Antisemitismus in Rußland Herr Lunatscharski, der russische Volkskommissar für Kunst und Wissenschaft, hat einem jüdischen Journalisten ein von der „Jüdischen Rund*- schau“ veröffentlichtes Interview gewährt, in dem er u. a. erklärt, daß es keinen Regierungsantisemitismus gebe, daß der überhaupt noch vorhandene Antisemitismus nur ein Überbleibsel aus der Zarenzeit sei. Die Zionistenverfolgungen seien auf „konterrevolutionäre“ Betätigung zurückzuführen, die Religionsausübung sei frei, auch stehe es im Belieben der Eltern, ihren Kindern eine religiöse Erziehung zu geben; zu diesem Zwecke können sich sogar mehrere Familien zusammenßen. Man könnte also meinen, daß es, wenn auch gewiß nicht gut, so doch nicht allzu schlecht um das Judentum in Rußland stehe. Wie aber sieht es in Wirklichkeit aus? Dazu gibt die ITA folgende Mitteilungen: Massenschließung der Synagogen in der Ukraine Aus Moskau wird berichtet, daß in diesem Sommer, auf Veranlassung der Jewsekzia, massenhaft Schließungen der Synagogen eingesetzt haben. Da diese Enteignungen oft einen ungesetzlichen SroitwERcK —* GOLD *