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Das jüdische Echo · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 581

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 581 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 D i Jüdische Echo 581 sei nicht ein individuell zu bewertender Vo^;ang, sondern eine Massenbewegung, deren endgi :iges Ergebnis: die Auflösung des Judentums, gar licht mehr abzuwenden sei. (In Parenthese sei hier bemerkt, daß Kaulla allen Ernstes glaubt, ir vielen Fällen sei es lediglich Furcht vor wirts :iaftlicher Schädigung, die Juden abhalte, sich taufen zu lassen!) In jedetn Falle aber hätten sich Toleranz und Gleichberechtigung dem Judentum als weit gefährlicher erwiesen als aller Antisemitismus. Die Förderung des Antisemitismus sei deshalb gerade vom konservativen Standpunkt aus eine verfehlte Taktik, denn ihr einziger Erfolg sei eine Wiederbelebung des jüdischen Gefühls auch in solchen Kreisen, in denen es schon fast erstorben gewesen sei. Den Zionismus hält Kaulla im wesentlichen für eine Reaktion auf antisemitische Verfolgungen. Kaulla schließt mit einer Beschwörung an die konservativen Parteien, Juden doch den Zutritt zu gestatten und vom Antisemitismus abzurükkeri, er ist also, wenn man so sagen darf, der wissenschaftliche Exponent der Gruppe der national-deutschen Juden, von denen ihn nur ein absolutes Bemühen um Objektivität, eine ruhige sachliche Ausdrucksweise und die offene Propagierung der Taufe unterscheidet; in den Zielen dürfte er mit ihnen und sie mit ihm sehr weit einig sein. Es wäre sehr interessant, im einzelnen nachzuprüfen, wie weit Kaullas Anschauungen richtig oder falsch sind; es steckt sicherlich manche zutreffende Beobachtung neben vielen Schiefheiten und manchem geradezu Absurden in ihnen. Wichtiger aber ist, und nur das soll hier im Augenblick betrachtet werden, die Frage: wie nehmen die deutschen Juden, an die solche Forderungen gerichtet werden, diese Feststellungen auf; wie insbesondere verhalten sie sich zu der offenen Parole für die Taufe? Nun läßt sich nicht klar sagen, an wen Kaulla seinen Appell adressiert; daß er nicht für Zionisten und nicht für Orthodoxe in Betracht kommt, ist jedoch selbstverständlich. * * * * Man darf wohl Ludwig Holländer, den Syndikus des Centralvereins, als Wortführer dieser Gruppe ansprechen. Fr geht in einem großen Artikel über „Saturiertheit und Revolution“ in der C.-V.-Zeitung, der allerdings hauptsächlich der Auseinandersetzung zwischen Zionismus und Zentralverein gilt, auch in Kürze auf Kaullas Buch ein. Dessen Konstatierung, daß Toleranz und Gleichberechtigung für das Judentum gefährlicher seien als der Antisemitismus, hält er nur sehr oberflächlich gesehen für richtig. Der Centralverein trete für -die Erhaltung des Judentums ein und glaube dies in wirksamer Weise durch die Erfüllung seines positiven Programms: Der Bemühungen auf Anerkennung der Wertigkeit des Judentums in Judenheit und Christenheit zu tun; jeder Schwarzseherei in bezug auf die Zukunft des Bestandes der deutschen Judenheit müsse entgegengetreten werden. Völkische Bindungen seien keinerlei Kitt; die Bedeutung des Ju- PACKARD MDDDBIEDOHEBIDClüOaG Cafe Luitpold — Palmengarten Tabarin Luitpold neue Leitung: Hans Keckeisen Erstkl. Küche u.Wirtschaftsführung jederArt zu mäßigen Preisen Täglich nachmittags und abends Konzert Tabarin täglich Künstlerprogramm mit Tanz I Telephon 90065, 92799 dentums liege im Geistigen und „nur wegen des Geistigen und Sittlichen wollen wir das Judentum erhalten.“ Den ehrlichen Willen zur Erhaltung des Judentums darf man also keinesfalls in Frage stellen; dagegen sehr, ob die von Holländer angeführten Maßnahmen, die darauf abzielen, einen nicht auf Phrasen gegründeten, sondern in der Gesinnung vertieften Stolz auf das; Judentum zu erzeugen und die bestehen sollen in der Verinnerlichung der Beziehungen zum jüdischen Glauben und zur deutschen Heimat, in der Vertiefung und Schätzung der überlieferten und vorhandenen religiösen, geistigen und sittlichen Werte irgendwelchen Erfolg versprechen. Gewiß, auch sie sind sehr gut gemeint, aber ihr Inhalt, ihre Wirkungsweise, über die uns Holländer nicht weiter belehrt, werden selbst dann nicht klarer, wenn Holländer noch erläuternd hinzufügt: der vorhandenen Werte und nicht erst der zu schaffenden. Und jedenfalls scheint uns sein an sich nicht recht verständlicher Optimismus in bezug auf den Einfluß der C.-V.-Arbeit auf die Erhaltung des Judentums gänzlich unberechtigt, wenn, wie wir annehmen müssen, mit diesen Forderungen nichts anderes gemeint sein soll, als die Fortsetzung der C.-V.-Arbeit im bisherigen Stil. * * % Ganz so optimistisch wie Ludwig Holländer ist Walter Bloem nicht, der ebenfalls in einem freimütigen Aufsatz in der C.-V.-Zeitung das Problem der Zukunft der deutschen Juden erörtert. Die von ihm, einem Außenstehenden, vorgetragenen Anschauungen berühren sich in mancher Hinsicht mit denen Kaullas und sind sicherlich vielen C.-V.Iern recht überraschend gekommen. Für Walter Bloem nämlich, ist das Judentum eine Nation, nach einer eigenen angreifbaren Definition zwar, aber doch eine Nation. Die Auflösung des Judentums hält er persönlich nicht nur für möglich, sondern auch für wünschenswert, ja sogar für die einzig mögliche Lösung des jüdischen Problems. Wenn sie bisher noch nicht erfolgt sei, so sei das hauptsächlich auf den mangelnden Willen der Juden zurückzuführen. Bloem versteht zwar, daß sich Juden gegen die Zumutung der Amalgamierung sträuben, dagegen versteht er anscheinend nicht recht, warum dies die Mehrzahl der deutschen Juden tut. Der einzige Ausweg scheint ihm die Symbiose — das enge vertrauensvolle Miteinanderleben zweier vorläufig, vielleicht für unabsehbare Dauer unverschmelzßarer Bevölkerungselemente, deren Voraussetzungen in der theoretischen wie prakti- 6 und 8 Zylinder in Linie wesentlich niedrigere Preise bei gleicher Qualitäts-Berühmtheit Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum

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