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Das jüdische Echo · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 580

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 580 (sequence 4)
Language
German
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580 Das Jüdische Echo Nr. 37 auch keine augenblicklich so brennende Frage, denn noch haben wir auf Generationen hinaus alle Hände voll zu tun, um den Wellen der Einwandernden zunächst einmal einen Untergrund ihrer Existenzmöglichkeit auf palästinischem Boden zu schaffen. Aber das ist doch gewiß: was man in Palästina heute schon sieht, ist ein wunderbares Leuchtfeuer des Weges, den wir gehen müssen, um zu leben und nicht zu sterben. Uns Juden rühmt man nach, daß wir ein Volk seien, in dem jeder einzelne in unverbrüchlicher Solidarität zu dem anderen steht. Wir wünschten, daß dieses Wort in dieser Übertreibung wahr wäre. Aber das eine ist doch wahr: jetzt ist uns die Gelegenheit geboten — eine Gelegenheit, wie sie so nicht mehr wiederkehrt —, die Solidarität mit unseren Brüdern und Schwestern zu bekunden, die dort draußen arbeiten, die als Helden kämpfen und zu sterben verstehen. Die Bekundung dieser Solidarität wird uns, das ist sicher, lehren, vor uns selber zu bestehen, und wenn wir so vor uns selber bestehen können und bestehen werden, dann — aber nur dann — werden wir vor der ganzen Welt bestehen. Jüdische Zukunft In diesen Tagen, in denen Selbstbesinnung religiöse Pflicht ist, in denen jeder einzelne Jude, wenn er für den Rhythmus des jüdischen Jahres noch nicht alles Gefühl verloren hat, sich selbst Rechenschaft ablegt, über sein Wesen und seine Aufgabe, über seine Gegenwart und seine Zukunft, ist es auch notwendig, wieder einmal die Frage der Zukunft der Gesamtheit der deutschen Juden zu betrachten. Es ist nötig, sich zu vergegenwärtigen, wie es mit dem jüdischen Da- ^sein steht, welche Aspekte es bietet; es ist nötig sich ein Bild von der zu erwartenden Zukunft zu machen und dann seine Haltung in politischen und religiösen Angelegenheiten zu überprüfen, sie vielleicht nach neuen Gesichtspunkten zu orientieren. * * * Es steht schlecht um die deutschen Juden, sehr schlecht. Wenn man das auch in weiten Kreisen sicherlich weiß, so scheint doch diese Tatsache keinen alzu tiefen Eindruck gemacht zu haben, und man kann daher die Erscheinungen, um die es sich hier handelt, nicht oft genug schildern, nicht oft genug die Größe der drohenden Gefahren zeigen. Man weiß ja, daß die Zahl der Mischehen rapide angewachsen ist — aber weiß man auch, daß nach den letzten statistischen Veröffentlichungen in den Jahren 1924 und 1925 in Deutschland auf 100 jüdische Ehen 48 Mischehen treffen? Glaubt man etwa gar, daß in den letzten Jahren, für die Zahlen noch nicht vorliegen, dieses Verhältnis besser geworden sei? Man weiß wohl, daß die Geburtenhäufigkeit bei den Juden außerordentlich zurückgegangen ist — weiß man aber auch, daß im Jahre 1924 5683 Geburten 5685 Sterbefälle, im Jahre 1925 5285 Geburten gar 5554 Sterbefälle gegenüberstehen, daß also in diesen letzten Jahren die Mortalität die Natalität übertrifft, im Jahre 1925 sogar in ganz beträchtlichem Ausmaß. Bringt man etwa den Optimismus auf, anzunehmen, in dieser Hinsicht habe sich etwas gebessert? Dann sei nur auf Bayern verwiesen, wo immerhin noch zahlreiche Juden in den kleineren Städten wohnen, wo sich also die Einflüsse der Großstadt noch nicht in so starkem Maße haben geltend machen können und man erfährt mit Schaudern — wenn man nicht etwa schon gelernt hat, diese Dinge mit kaltem Blut hinzunehmen —, daß hier bei 650 Geburten im Jahre 1924 720 Sterbefälle, bei 583 Geburten im Jahre 1925 746 Sterbefälle zu verzeichnen sind und dies, obwohl bekanntlich bei den Juden die Sterblichkeitsziffer an sich sehr günstig ist und weit unter dem Durchschnitt derjenigen der Gesamtbevölkerung liegt. Von Jahr zu Jahr vermindert sich also die Zahl der Juden, wobei die Verluste durch Austritte und Übertritte im allgemeinen bisher noch nicht festgestellt werden konnten. Wenn diese auch nicht überall so hoch sind, wie etwa in Wien, wo in den letzten Jahren nahezu vier von tausend jüdischen Personen (im Jahre 1927 780) freiwillig dem Judentum den Rücken gekehrt haben, so sin(^ sie doch auch in Deutschland weder absolut noch relativ gering und verstärken nur den Eindruck, den jeder Bevölkerungspolitiker aus dem Studium dieser Zahlen gewinnt, der sich aber auch dem Laien aufdrängt: wenn die Verhältnisse sich nicht grundlegend ändern, dann sind die Juden in Deutschland zum Aussterben verurteilt. * * * Dieser Tatsache gegenüber kann man sich auf ganz verschiedene Weise verhalten, und es. ist kein Zweifel därüber, daß es nicht wenige sind, die sich über eine solche schmähliche Lösung des deutsch-jüdischen Problems aufrichtig freuen würden. Zu ihnen gehört u. a. Rudolf K a u 11 a , der in einem vor kurzem im Verlag Duncker 6: Humblot erschienenen Buche: „Der Liberalismus und die deutschen Juden. Das Judentum als konservatives Element“, die Anschauung ausspricht, daß die Auflösung des deutschen Judentums nicht mehr aufzuhalten sei und sogar angestrebt werden müsse. Er verficht die These, daß die Juden nicht, wofür man sie gemeinhin halte, ein liberales zersetzendes, sondern ein konservatives Element darstellen, das infolgedessen heute zum Konservatismus in politischer Hinsicht tendiere. Die historische Entwicklung seit der Emanzipation habe es allerdings mit sich gebracht, daß die Juden sich im wesentlichen aus leichtverständlichen Gründen den liberalen Parteien angeschlossen hätten, da die Liberalen immer die Freunde,, die Konservativen bisher immer die Gegner der jüdischen Gleichberechtigung gewesen seien. Diese Entwicklung zeige aber ein starkes Vordringen assimilatorischer Tendenzen, die solchen Erfolg aufzuweisen hätten, daß bereits heute zwischen einem liberalen Juden und einem liberalen Protestanten kaum ein Unterschied mehr bestehe; der Abfall vom Judentum Adelholzener Primusquelle Stärkste Rubidiumquelle Europas, sehr geeignet zu Hauskuren. B e - kömmliches Tafelwasser. Hauptniederlage: Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Lebe|- u. Blasenleiden Otto Pachmayr Theresienstraße 33 Telephon 27471 Lieferant sämtlicher städtischer Krankenhäuser, Sanatorien und Heilanstalten

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