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Das jüdische Echo · 1928-09-07 · 36 (7.9.1928) · p. Seite 572

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
Seite 572 (sequence 16)
Language
German
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572 Das Jüdische Echo Nr. 36 durchaus unmöglich, wenn ich es auch für noch so notwendig hielte. Wenn ich so handeln würde, hätte ich längst von anderen Gesagtes wiederholen müssen, und dann würde wahrscheinlich auch jene »Bedeutung4 meiner Meinung nicht existieren, auf Grund deren man von mir ihren Ausdruck verlangt. Was mein Verhältnis zu den Juden und zu den schrecklichen Vorfällen in Kischinew betrifft, so müßte es, glaube ich, für alle klar sein, die sich für meine Weltanschauung interessiert haben. Mein Verhältnis zu den Juden kann kein anderes als das zu Brüdern sein, die ich liebe, und zwar nicht deshalb, weil sie Juden sind, sondern weil wir und sie, wie alle Menschen, Söhne eines Vaters und Gottes sind, und diese Liebe fordert keine Anstrengungen meinerseits, weil ich vorzüglichen Judenmenschen begegnet bin und sie kenne. Mein Verhältnis zu dem Kischinewer Verbrechen wird auch durch meine religiöse Weltanschauung von selbst bestimmt. Noch bevor ich alle Einzelheiten, die nachher publiziert wurden, kannte, bald nach dem ersten Zeitungsbericht, begriff ich all das Entsetzen des Geschehenen und empfand ein schweres und gemischtes Gefühl des Mitleids gegenüber den schuldlosen Opfern der Bestialität der Masse, der Verwunderung über die Vertiertheit dieser Leute, dieser Scheinchristen, ein Gefühl des Abscheus und des tiefsten Ekels vor denjenigen, den sogenannten »gebildeten4 Leuten, die die Masse aufhetzten und sie in ihren Gewalttaten unterstützten, und hauptsächlich vor dem eigentlichen Anstifter des Blutbades, vor unserer Regierung mit ihrer die Leute betörenden und fanatisierenden Geistlichkeit und ihrer raubsüchtigen Bande der Tschinowniki. Die K i s c h i - newer Gewalttat ist eine direkte Folge der Lüge und Vergewaltigung, die mit solcher Spannkraft und Beharrlichkeit von der russischen Regierung geübt wird. Das Verhältnis der Regierung zu diesem Ereignis ist nur ein neuer Beweis ihres groben Egoismus, der vor keiner Grausamkeit zurückschreckt, wenn es sich um die Unterdrückung einer ihr gefährlich scheinenden Bewegung handelt und ihrer völligen Gleichgültigkeit (ähnlich der Gleichgültigkeit der türkischen Regierung gegenüber den armenischen Metzeleien) gegenüber den schrecklichen Greueltaten, falls diese ihre Interessen nicht berühren. Das ist alles, was ich anläßlich des Kischinewer Massakres sagen könnte, aber dies alles habe ich schon längst gesagt! Jassanaja Poljana, 27. April 1903. Ihr Leo Tolsto i44. Äbel Pann — Mark Chagall Ausstellungen in München In München sind gegenwärtig zwei Ausstellungen von Künstlern zu sehen, die nicht nur ihrer Abstammung nach, sondern in einem tieferen Sinne als „jüdische44 bezeichnet werden können. Die Bibelbilder von Abel Pann sind nun endlich auch nach München gekommen und im Kunstverein ausgestellt. Wenn man bedenkt, daß viele der größten Schöpfungen mittelalterlicher und neuerer Kunst aus der Inspiration durch biblische Stoffe hervorgegangen sind, kann es leicht sein, daß man mit zu hohen Erwartungen in diese Ausstellung kommt. Darum ist es gut zu wissen, wie Pann selbst seine Illustration der Bibel auffaßt. Alle bisherigen künstlerischen Interpretationen biblischer Stoffe litten für sein Empfinden an folgenden Hauptfehlern: „Es sind: arische Typen, Kostüme, die nichts Orientalisches an sich haben, nicht entsprechende Landschaften, allzu theatralische Attitüden, allzu Modehaftes usw. Ich stellte mir die Aufgabe, die Bibelsujets in einem biblischen Rahmen zu malen, mit realen Personen, die sich in einem Milieu bewegen, das ihrem wahrhaften, geistigen, materiellen und moralischen Leben entspricht.“ Man sieht daraus: Für Pann sind in künstlerischer Beziehung das Wesentliche nicht die religiösen Ideen, denen er die persönliche Gestaltung gibt, sondern das, was die jüdischen Kinder an der Bibel anzieht: das Märchenhafte, fremdartig Bunte und doch irgendwie Verwandte. Diese Welt der Phantasie zu anschaulichem Leben zu erwecken, ist die Aufgabe, die Paun sich stellt. Wenn man zuerst ein wenig mißtrauisch gegen eine solche „Programmalerei“ ist, so wird man bald überrascht und überwältigt von dem, was der Maler innerhalb dieser freiwilligen Beschränkung gibt. Gewiß weichen seine Mittel, vor allem in der Komposition, im allgemeinen nicht viel von denen der besten Tausend-und-eine-Nacht-Illustrationen ab. Was er aber vor diesen voraus hat, ist der echte und nicht vorgetäuschte Realismus in der Darstellung von orientalischen Menschen und Landschaften. Die rassigen Köpfe Sems, Harns und Japhets etwa, die ehrwürdige Gestalt Abrams, Juda als trotziger Beduine und die zarten, dunkeläugigen Frauen, Sara, Rebekkah, Rachel sind Bildnisse von außerordentlicher Lebendigkeit, aus denen man die Liebe spürt, mit der sich Pann seiner Aufgabe widmet. Dieser Realismus, vereint mit der meisterhaften Anwendung der Farbe als Träger der Stimmung (als besonders schönes Beispiel dafür sei die Ermordung Abels genannt), gibt ein prachtvolles Bild von der Buntheit und Freiheit des Nomadenlebens und die reine Freude, die man an allen diesen Bildern hat, beweist, daß eine solche vollständige Bibelillustrierung ein schönes und notwendiges Unternehmen ist, für das auch die Werke Rembrandts und Holbeins keinen Ersatz geboten hatten. Hier entsteht zum ersten Male die Bilder-Bibel für das jüdische Haus und das jüdische Kind und es ist erfreulich, schon eine Reihe recht guter, von Pann in Palästina hergestellter Lithographien, zu sehen. Dann sind aber noch einige Bilder da. die über den Rahmen dieser Aufgabe weit hinausgehen und in ihrer Komposition und Farbgebung für sich Kunstwerke von hohem Rang sind. So etwa die Illustrationen der Schöpfungsgeschichte, leuchtende Farbensymphonien von großartiger Wir- Blütf niunftfrabiefung nur Dürft) Den lüOifrtjen illationalfnnOs!

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