Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- Seite 571 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 571 im Gefolge gehabt. Die Ernte in Brotgetreide ist ergiebig, die Schnitterarbeit in vollem Gange. Auch die Ernte in Rüben, Kartoffeln und Futter ist gut. Die Stimmung unter den Kolonisten hat sich infolgedessen radikal gebessert. Das Saatgut für die Herbstaussaat ist bereits eingetroffen, es ist von bester Qualität. Die Vorbereitungen zu der neuen Aussaatkampagne, die am 5. September beginnt, sind in vollem Gange. Die Zionistische Exekutive wünscht eine neue Chaluz-Einwanderung Jerusalem, 30. August. (JTA.) Die Zionistische Exekutive wandte sich an die Regierung mit dem Ersuchen, ihr 1000 Einwanderungszertifikate für Chaluzim, sowie 200 weitere Zertifikate I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN< Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, KostUmstickereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975 für Zionisten, die aus Rußland nach Palästina verbannt worden sind, zur Verfügung zu stellen. (Wie erinnerlich, wurde vor kurzem in Palästina amtlich verlautbart, daß von jetzt ab nur jenen Auswanderern aus Rußland die Einreise-Erlaubnis gewährt werden soll, die über einen regelrecht ausgestellten Reisepaß verfügen und somit die Möglichkeit haben, eventuell auch nach Rußland zurückzukehren.) Tolstoi über Kischinew Aus Anlaß seines 100. Geburtstages (9. September 1828) wird sich in diesen Tagen die ganze zivilisierte Welt des Weisen von Jasnaja Poljana erinnern und sich Rechenschaft über sein Wirken und den von ihm ausgeübten Einfluß geben und so wird man auch mit Recht nach seinen Beziehungen zu Juden und Judentum fragen. Tolstoi hat sich ziemlich eingehend mit dem Judentum beschäftigt, ja, er hat sogar längere Zeit Hebräisch gelernt. Er bewunderte das Judentum, das der Welt zuerst den Grundsatz der Nächstenliebe offenbarte, er kannte den Talmud und plante noch als Achtzigjähriger die Herausgabe einer Sammlung von Weisheitssprüchen des Talmuds und der Midraschim. Er hatte zwar eine Reihe von jüdischen Freunden, ist aber doch verhältnismäßig wenig Juden begegnet; in seinen Werken ist jüdisches Leben nicht geschildert. Wenn man ihm nach dem Kischine'wer Pogrom verübelte, daß er nicht öffentlich dagegen protestiert habe, so mögen die nachfolgenden Briefe, die wir zu seinem Andenken als ein Dokument seiner Menschlichkeit abdrucken, beweisen, daß wenig Anlaß vorhanden war, gerade Tolstoi Unfreundlichkeit gegenüber Juden vorzuwerfen. Im Anschluß an die Greuel von Kischinew hatte der hervorragende russische Gelehrte, Professor Nikolai Iljitsch Staraschenko, in Petersburg die Absendung einer Adresse an das Komitee zur Unterstützung der Juden in Kischinew angeregt. Auch Tolstoi wurde aufgefordert, seine Unterschrift für diese Kundgebung, die bereits von etwa 350 Gelehrten, Künstlern und sonstigen, im öffentlichen Leben stehenden Personen unterzeichnet war, zu geben. Darauf erhielt Professor Staraschenko einen Brief, in dem es heißt: „Von ganzem Herzen stimme ich Ihren Ausführungen bei. Nur die Worte: ,Es ist eine brennende Schmach für die ganze Christenheit4, erregen bei mir Bedenken. Sie können vielleicht wegbleiben oder durch folgende ersetzt werden: Durch die in den letzten Tagen in Kischinew verübten Greuel aufs tiefste erschüttert, (drücken wir unter großem Schmerz den schuldlosen Opfern, die durch die in den unteren Volksmassen erregte Bestie gefallen sind, unsere Teilnahme aus und nicht minder unsere Bestürzung über die von Russen verübten Bestialitäten. Unauslöschliche Schmach und Schande über jene, die solches verursacht, indem sie das Volk gegen die Juden aufgehetzt haben, über alle, die daran mitschuldig sind. Jedenfalls, wenn nur jene Worte weggelassen werden, unterschreibe ich alles recht gern, und ich fühle mich Ihnen dafür zu Dank verpflichtet, daß Sie sich an mich in dieser Angelegenheit gewandt haben...“ Außerdem schreibt Tolstoi einen Brief an einen Herrn in Petersburg, der folgendermaßen lautet: „Lieber J. N.! Ihren Brief habe ich erhalten. Ich habe schon einige ähnliche Briefe zugeschickt bekommen. Alle Korrespondenten, ebenso wie Sie, verlangen von mir, daß ich meine Meinung über die Kischinewer Vorgänge äußern soll. Mir scheint, daß in diesen Aufforderungen ein Mißverständnis enthalten ist. Es wird vorausgesetzt, daß meine Stimme Gewicht besitzt und deshalb wird von mir verlangt, ich möge meiner Meinung über einen solchen wichtigen und nach seinen Ursachen so komplizierten Vorfall, wie die Kischinewer Greueltat es ist, abgeben. Das Mißverständnis besteht darin, daß von mir die Tätigkeit eines Publizisten verlangt wird, während ich ein Mensch bin, der sich mit einer ganz bestimmten Frage, die nichts Gemeinsames mit den gegenwärtigen Vorfällen hat, beschäftigt: nämlich mit der religiösen Frage und ihrer Anwendung auf das Leben. Von mir eine öffentliche Äußerung meiner Meinung über gegenwärtige Geschehnisse zu verlangen, ist ebenso grundlos wie wenn man dies von irgendeinem Spezialisten verlangen wollte, der ein gegenwärtiges Ereignis zur Illustration des von mir unterstützten Gedankens gebraucht; aber über alle gegenwärtigen, wenn auch sehr wichtigen Vorkommnisse ein Urteil abzugeben, wie dies die Publizisten tun, ist mir MAGIRUSIN ASHI PHÄNOMEN LASTWAGEN UND OMNIBUSSE | FÜHRENDE WELTMARKE I LIEFERWAGEN »/4 t Auto-METZGER MÜNCHEN Seidlstr. 30, F. s;ü;: