Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- Seite 570 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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570 Das Jüdische Echo Nr. 36 Pianino neues für höhere Ansprüche nur RM.1100.— auch gegen kleine Monatsraten pianol)au$ ALFRED SCHMID NACHF. München, Residenzstr. 7 (gegenüber der Hauptpost) Negativer Ausgang der Rabbinerwahl der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft — Nur 290 Stimmen für Dr. Raphael Breuer, 600 „weiße“ Zettel Frankfurt a. M., 3. September. (JTA.) Der am Sonntag, dem 2. September, stattgefundene Wahlgang zur Wahl eines Rabbiners der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft, der führenden orthodoxen gesetzestreuen jüdischen Gemeinde Deutschlands, an Stelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Salomon Breuer, hatte ein negatives Ergebnis, indem auf den zur Wahl gestellten Dr. Raphael Breuer in Aschenburg, den Sohn von Dr. Salomon Breuer, eine Minderheit von Stimmen, 290, entfielen, während die Mehrheit der Zettel, etwa 600, „weiß“ (ablehnend) abgegeben und 50 für ungültig erklärt wurden. Somit ist die Wahl Dr. Raphael Breuers als abgelehnt zu betrachten. Diese negativ ausgefallene Wahl hat eine bewegte Vorgeschichte. Ein Teil der Mitglieder der Religionsgemeinschaft wünscht die Wahl von Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), ein anderer Teil tritt für Rabbiner Dr. R. Breuer ein. In einem vom Dajan der Religionsgesellschaft Posen seinerzeit erstatteten Gutachten wurde festgestellt, daß Dr. Raphael Breuer, als der Sohn des verstorbenen Rabbiners die sogenannte „Chasokoh“ hat und daß ihm ein Gegenkandidat nicht entgegengestellt werden dürfe, daß aber die Gemeinde das Recht auf Ablehnung habe, jetzt, nachdem die Mehrheit der Gemeinde weiße Zettel abgegeben hat, ist eine freie Rabbinerwahl möglich geworden. Der völkische „Deutsche Akademikertag“ fordert Numerus clausus Berlin, 27. August. (JTA.) Die völkische Gruppe, die sich den Namen „Deutscher Akademikertag“ beigelegt hat, hielt in diesen Tagen in Elberfeld eine Tagung ab und faßte die folgende Resolution: „Der dritte Deutsche Akademikertag fordert Einführung des Verhältnisrechtes für Zulassung von Lehrern Und Hörern an deutschen Hochschulen entsprechend der Verhältniszahl zwischen deutschen Staatsbürgern arischer und deutschen Staatsbürgern jüdischer Abstammung (Numerus clausus).“ Lord Balfour Ehrenmitglied des französischen Pro-Palästina-Komitees Paris, 27. August. (JTA.) Der Präsident des französischen Pro-Palästina-Komitees, Senator Justin Godard, wandte sich im Namen des Komitees an Lord Balfour mit der Bitte, die Ehrenmitgliedschaft des Komitees anzunehmen. Lord Balfour erwiderte, daß er diese Auszeichnung mit Freude annehme. — Ehrenpräsident des französischen Pro-Palästina-Komitees ist bekanntlich der Präsident der französischen Republik, Aston Doumergue. Der Schutz der jüdischen Bevölkerung Rumäniens Bukarest, 29. August. (JTA.) „Viitorul“ gibt ein Interview wieder, das Innenminister Duca einem Vertreter des Warschauer „Nasz Prezeglad“ gewährt hat. Der Minister berührte den Kellogg-Pakt, die Optantenfrage, das Anleiheproblem und andere aktuelle Fragen und kam dann auf die Minoritätenfrage zu sprechen. „Ich erkläre kategorisch“, sagte der Minister, „daß Rumänien gegenüber den nationalen Minderheiten eine Politik des Friedens führen will. Es ist selbstverständlich, daß in einem Lande, in welchem von 18 Millionen Einwohnern 4 Millionen Minderheitler sind, nicht von einer wahren Konsolidierung der inneren politischen Beziehungen gesprochen werden kann, wenn nicht zwischen allen Bürgern Harmonie und freundschaftliche Beziehungen herrschen. Dies bezieht sich vor allem auf die Juden, mit denen die Regierung eine Verständigung erzielt hat. Die gegenwärtige Regierung geht energisch vor und wird immer in der gleichen Weise gegen alle antisemitischen Ausschreitungen vorgehen.“ Das neue Numerus-clausus-Gesetz in Ungarn — Nur 14 Juden an der jüdischen Fakultät Budapest, 2. September. (JTA.) Die Auswirkung des novellierten Numerus-clausus-Gesetzes in Ungarn hat auch in nichtjüdischen Elternkreisen starke Empörung hervorgerufen. Aber geradezu katastrophal ist die Auswirkung in bezug auf die jüdische Hörerzahl. In Budapest z. B. sind unter 1800 Bewerbern nur 320 an der juridischen Fakultät zugelassen worden, unter ihnen 14 Juden, also noch weniger als die Verhältniszahl nach dem Numerus clausus-Gesetz ergibt. An den Provinzuniversitäten haben 1200 junge Leute um Aufnahme an den juridischen Fakultäten nachgesucht, aber nur 240 wurden aufgenommen. Hier war das Verhältnis der Aufnahme von Juden ein noch ungünstigeres als in Budapest. Das gleiche gilt von den anderen Fakultäten. Die Eltern der jungen Leute, die von den juridischen Fakultäten in Budapest und in der Provinz abgewiesen worden sind, haben sich bereits organisiert und haben in Budapest heute Vormittag eine Protestversammlung abgehalten. Budapest, 3. September (JTA.) Kultusminister Graf Klebeisberg hat ein Kommunique veröffentlicht, in welchem er erklärt, der bisherige Weg habe sich als ungangbar erwiesen, der Kultusminister habe nun die Dekane der verschiedenen Fakultäten angewiesen, auf Grund einer eingehenden Prüfung der Aufnahmegesuche betreffs einer entsprechenden Heraufsetzung des Numerus clausus schleunigst Bericht zu erstatten. Radikale Besserung der Lage der jüdischen Siedler in Rußland Berlin, 29. August. (JTA.) Der heute in Berlin eingetroffene Direktor des Agro-Joint in Rußland, Dr. Joseph Rosen, erhielt das folgende Telegramm von dem jetzt in Cherson weilenden Agronomchef des Agro-Joint Dr. Grower: Die letzten Regenfälle haben eine bedeutende Verbesserung der Lage der jüdischen Kolonisten