Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- Seite 569 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 569 Vom IV. Minderheitenkongreß Scharfe Kritik am Völkerbund G e n f, 29. August. (JTA.) Am 29. August wurde in Genf der Vierte europäische Minderheitenkongreß in Anwesenheit von etwa 70 Delegierten, die 35 Minderheitengruppen aus 14 Ländern vertreten, eröffnet. Von jüdischer Seite wohnen den Verhandlungen bei: Leo M ot z k i n vom Komiteefürdie Rechte der jüdischen Minderheiten, die Abgeordneten des polnischen Sejm J. Grünbaum und Dr. Leon Reich, das Mitglied des lettländischen Sejm Rabbiner N u r o k , Dr. Emil M a r g u 1 i e s (Leitmeritz, Tschechoslowakei), das Mitglied des litauischen Sejm Dr. J. Robinson und Dr. Markus K r a e m e r (Czernowitz). Dr. Wilfan bezeichnete in seiner Eröffnungsansprache als den Hauptgegenstand der Tagung die Erörterung des Themas „Minderheiten und Völkerbund“. Der Völkerbund müsse angesichts der nationalen Unduldsamkeit ernsthaft an die Behandlung des Minderheitenproblems herantreten, ein ständiger Ausschuß für Minderheitenfragen beim Völkerbund müsse geschaffen werden. Nach Ansprachen des Deutschen Schiemann aus Lettland und des Vertreters Kataloniens ergriff Leo Motzkin das Wort und führte aus: Der Völkerbund muß es verstehen, daß, wenn er den Minderheiten gegenüber seine Pflicht nicht tut, er die Minderheiten zwingt, bei jenen Staaten Schutz zu suchen, in denen ihre Volksgenossen die Staatsnation sind. Wenn sich ein Zustand herausbildet, wo die deutschen Minderheiten in den verschiedenen Ländern nicht in Genf, sondern in Berlin Schutz suchen, die polnischen Minderheiten das gleiche in Warschau, die ungarischen Minderheiten dies in Budapest tun, so werde eine unerquickliche politische Situation entstehen, die dem Frieden abträglich sein wird. Wir Juden stünden in einem solchen Falle ebenso vor der Notwendigkeit, irgendeinen Staat zu ersuchen, sich unser anzunehmen, wo man uns Unrecht zufügt. Dr. Emil M a r g u 1 i e s erinnerte daran, daß Clemenceau von der Pariser Friedenskonferenz aus dem damaligen polnischen Ministerpräsidenten Paderewski in einem Brief die Minderheitenrechte als Grundsätze der menschlichen Gesittung bezeichnet hat; die Assimilationstheorie, von Mello-Franco und Politis vertreten, der auch die Minderheitsabteilung des Völkerbundes offensichtlich anhängt, sei im Jahrhundert der religiösen Freiheiten und der Koalitionsfreiheit eine Unmöglichkeit. Schließlich bekannte sich Dr. Margulies trotz allem als Anhänger des Völkerbundes, wenn an diesem auch allerlei Kritik berechtigt erscheine. Am zweiten Verhandlungstag hielt der jüdische Vertreter Dr. J. Robinson (Kowno) sein Referat über die kulturelle Arbeit der Nationalitäten und ihre kulturellen Beziehungen zu den Stammvölkern. Seine Ausführungen machten starken Eindruck. Es wurde hierauf folgende Resolution gefaßt: „Der Kongreß stellt fest, daß ohne wechselseitige kulturelle Beziehungen der gleichnationalen Gruppen untereinander bzw. mit demStammvolke eine gedeihliche kulturelle Entwicklung unmöglich ist. Der Kongreß erachtet es somit in der Natur des nationalen Wesens begründet, daß die einzelnen Volksteile untereinander und mit der gesamten Nation bzw. dem Stammvolke kulturelle Beziehungen unterhalten und pflegen. Der Staat darf diese wechselseitigen kulturellen, Beziehungen und ihre praktische Betätigung durch keine Maßnahme irgendwelcher Art behindern.“ Über das Verhältnis zwischen Völkerbund und Minderheit sprach der jüdische Vertreter N u r o k (Riga). Er unterzog das Verhalten des Völkerbunds und seiner verantwortlichen Instanzen, sowie ihre eigenartigen Theorien einer eingehenden und scharfen Kritik. Der Kongreß faßte in der Folge eine Resolution, in der es heißt, daß das Vertrauen der 40 Millionen Seelen umfassenden Minderheiten zum Völkerbund als dem Garanten der Minderheitenrechte schwer erschüttert sei. Leo Motzkin wurde auch diesmal in das Präsidium des Kongresses gewählt. Aus der jüdischen Welk Dr. Baeck zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten beim Kultusministerium bestellt Berlin, 29. August. (JTA.) Der preußische Minister der Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat an Stelle des verstorbenen Justizrats Lilienthal zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabbiner Dr. Baeck (Berlin) bestellt. Auszeichnung von Frau Paula Ollendorf Berlin, 2. September. (JTA.) Der preußische Minister für Volkswohlfahrt hat der sozialen Vorkämpferin Frau Paula Ollendorf in Breslau „in Anerkennung der Verdienste um die Jugend“ eine Plakette verliehen und in einem Schreiben das umfangreiche Wirken von Frau Paula Ollendorf auf sozialem Gebiet gewürdigt. Paula Ollendorf hat sich insbesondere um die Gründung des Kleinkinderheimes des Jüdischen Frauenbundes in Breslau und um die Errichtung des Landerholungsheimes des Jüdischen Frauenbundes in Flinsberg verdient gemacht. Der Weltjugendkongreß gegen Rassenhaß Berlin, 28. August. (JTA.) Der in Eerde tagende Weltjugendkongreß hat eine Resolution zum Rassenproblem angenommen, die volle Gleichberechtigung aller Rassen fordert und die Jugend verpflichtet, das Verantwortungsgefühl bei ihren Landsleuten zu stärken, unwahre Rassenpropaganda zu bekämpfen, internationale Kongresse zu organisieren und persönliche Freundschaft zwischen den Rassen zu schaffen. — In der Minderheiten-Frage wurde gegen 5 Enthaltungen beschlossen, an die Jugend der ganzen Welt zu appellieren, gegen jede Unterdrückung von Minderheiten anzukämpfen. Adelholzener Primusquelle Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leberu. Blasenleiden Stärkste Rubidiumquelle Europas, sehr geeignet zu Hauskuren. B ei^Vl.1.-. 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