Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- Seite 567 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 567 daß seine versklavten Brüder niemals den Freiheitsgedanken verstehen würden, und die jüdischen Turner und Sportler sahen, daß nur ein selbstbewußtes Judentum sich nicht selbst aufgeben würde. Das ist das große Wunder in der Geschichte des jüdischen Volkes, daß die Jugend den Weg so oft gefunden hat, der durch Wüste und Knechtschaft, Finsternis und Qual am. goldenen Kalb vorbei zur Freiheit und Freude geführt hat. Martin Bub er fand vor dreißig Jahren in seiner „Neuen Jugend“ Worte, die noch heute gehört werden dürfen: Wie schmaler Blumenstengel schwanke Schar, In eines Glases enges Rund gepreßt, So waren wir. Und wie ein kranker Aar Im Käfig, fern vom felsgeschützten Nest, In Sehnsucht schweigt, so war in tiefer Stille Ein einsam stolzer Schmerz nur unser Wille. Nun tritt das Leben streng an uns heran Und heißt uns wählen: Sklave oder frei! Wir zaudern nicht, wir stehen Mann bei Mann, Die alten Ketten reißen wir entzwei, Und laut hinaus in ersten Sonnenschein Tönt unser Ruf: „Wir wollen Juden sein!“ Am 2. und 3. September fand in Breslau der 12. jüdische Turntag des Deutschen Kreises des Makkabiweltverbandes statt, über den wir noch berichten werden. Zu seiner Begrüßung ließ die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland“ eine Sondernummer erscheinen, der wir den vorstehenden Artikel entnommen haben, der aber gleichzeitig auch dem Münchner Treffen der bayerischen Makkabivereine ein herzliches Willkommen bedeuten möge. An die deutschen Juden! Bald werden Rosch Haschonoh und Jom Hakippurim zum Gotteshause rufen und zu stiller Feier in den jüdischen Häusern. Aber ihr Aufruf zur Besinnung, zur Einkehr und Umkehr findet in unserer Mitte nicht mehr überall Gehör, Mancher ist gleichgültig, mancher ist seinen Brüdern und dem Gott seiner Väter fremd geworden. Andere sind unter der Last der Arbeit erdrückt. Die Zeit scheint dahin zu sein, da die geschlossenen Geschäfte der jüdischen Kaufleute an Sabbaten und Festtagen, am Rosch Haschonoh und Jom Hakippurim ein stummes aber eindringliches Bekenntnis zu Gott und zum Judentum vor aller Welt ablegten. Aus dieser Unfähigkeit, unsere heiligen Tage zu feiern, sprechen Not und Druck der jüdischen Seele. Unsere Verantwortung, unsere Sorge bewegt uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an die deutschen Juden. Genug des Leids, daß so vielen von uns der Sabbat, dieser Quellpunkt unseres Familienlebens, die Wurzel der edelsten Tugenden unserer Gemeinschaft, der Tag unserer Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verlorengegangen ist. Sollen nun auch die ehrfurchtsgebietenden Tage dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer fallen? Die „Tage der Umkehr“ nahen. Möchte ein jeder den Willen und den Weg finden, die heiligen Tage ganz und ungeschmälert zu feiern. Möchte jeder jüdische Geschäftsinhaber seine Angestellten von jeder Arbeit an den hohen Tagen befreien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tiefes Bedürfnis ihres Herzens ist, der religiösen Pflicht gemäß Sabbate und Feste zu feiern, weitherziges Verständnis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten finden. Euch alle aber bitten wir: Setzt alles daran, daß unsere Ruhe- und Festtage unserer jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben. Die Treue zum Judentum fordert Opfer. Aber ihr Lohn ist eine Ruhe des Gewissens, das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die Festigung und Erhöhung des Judentums. Im Geiste eng mit Euch allen verbunden, wünschen wir Euch den Segen der heiligen Tage. „Möge alle Sorge von Euch weichen: die Freude an Gott bleibe die Quelle Eurer Kraft!“ Der Vorstand des Rabbinerverbandes in Deutschland Der Palästinabericht der Mandatskommission In dem an den Völkerbundsrat erstatteten Bericht über die 13. Session der Permanenten Mandatskommission heißt es bezüglich Palästinas und Transjordaniens u. a.: Die Kommission hat die Schwierigkeiten, die dem Versuch der jüdischen Ansiedlung in Palästina im Wege stehen und den damit verknüpften Maßnahmen, die jüdische Einwanderung in ein Verhältnis zu der ökonomischen Aufnahmefähigkeit des Landes zu bringen, ihre ganze Aufmerksamkeit gewidmet. Die Kommission wird gerne genaue Mitteilungen über die Reorganisation der Jewish Agency, die in dem Bericht erwähnt ist, entgegennehmen. Die Kommission hofft, daß die Mandatarmacht in ihrem Bericht für das Jahr 1928 Aufschluß geben wird über die Erledigung der Klage der Araber betreffend das Gebiet von Barrat Cäsarea. Die Kommission vermerkt mit Genugtuung, daß die Überschüsse der neueingeführten palästinischen Währung in die Schatzkammer Palästinas wandern, und daß das Emissionskomitee über Reserven verfügen wird. Des weiteren wird der zwischen England und Transjordanien abgeschlossene Vertrag erwähnt und Bemerkungen gemacht über Autonomie, Administration, Gesetzgebung und Statistik Transjordaniens. In dem Kapitel „Die Beschlüsse der Mandatskommission“ heißt es: Die Kommission stellt fest, daß die Bemerkungen der Mandatarmacht, die von deren bevollmächtigten Vertreter ergänzt worden sind, im allgemeinen zufriedenstellend sind, dabei hält es die Kommission für richtig, folgenden bereits in der 9. Session ausgesprochenen Wunsch zu wiederholen: Die Kommission hofft, daß alle Anstrengungen gemacht werden, um die Landvermessung und die Anlage des Bodenkatasters so schnell wie möglich durchzuführen. Die Beendigung der Landvermessung ist von ungeheurer Wichtigkeit für die allgemeine Entwicklung Palästinas und von besonderer Tragweite für die Errichtung des jüdischen Nationalheims. Die Kommission 2 Xiccius ganten -^Stänfel ^ofRärfcftner ♦ {Segc. 15Z4 ^fUxfrofung; 'glef. 20519 ^efi&ertäffraße 14/15 in reich ff er toahf un6 nach 'JRaß