Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- Seite 566 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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566 Das Jüdische Echo Nr. 36 Deutsche Neu. Wäscherei H.m.h.H. FELIX BBAHDKEB * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage zieherischen Taten am jüdischen Volk. In der Geschichte des jüdischen Volkes wird es niemals vergessen werden, daß jüdische Turner die Vortruppen für Selbstwehren stellten, daß unter ihrer Anleitung so oft und so glücklich Pogrome abgewehrt wurden. Wie haben Makkabim in Bulgarien die Haufen plünderungssüchtiger Komitatschi abgewehrt, wie wiesen jüdische Turner in Palästina feindselige Araber ab, wie furchtsam zogen sich verkommene Marodeure vor den disziplinierten Turnern Salonikis zurück. Diese Umstellung des Juden, das Heraustreten aus seiner Passivität zur aktiven Abwehr hat eine Mission erfüllt von einer bedeutungsvollen Größe. Das Selbstgefühl, gewonnen aus der physischen Kraft, die Sicherheit bestärkt in der persönlichen Bindung des einzelnen an Gleichgesinnte mit derselben Reaktionswertigkeit, der ähnlichen Hingabe an die Gemeinschaft wurde fruchtbar. Das fehlende Zutrauen zur Entwicklung der Judenheit, das viele Juden früher der Gemeinschaft entfremdete, der mangelnde Stolz führten zum Abfall und zum Indifferentismus. Die Psychoanalyse hat den Zusammenhang psychischer Vorgänge aufgedeckt. Wir wissen heute die Verdrängung im Seelischen zu erklären. Angst vor antisemitischen Anpöbeleien, vor Minderbewertung, Unfähigkeit ihnen zu begegnen, haben in der Seele vieler Juden jene Traumen, d. h. Wunden gesetzt, die wir früher in ihren Wurzeln nicht erkannten. Diese Schreckneurose, diese in Aufregung gesetzten Gehirne erzeugten eine schwere psychische Depression, die sich in Unsicherheit, Unausgeglichenheit bis zur Unterwürfigkeit und Feigheit wandelte und äußerte. „Chuzpe“ jenes unübersetzbare Wort für die Seelenstimmung des Juden mit dem Minderwertigkeitskomplex. Chuzpe ist die billige Erhöhung des eigenen Ichs auf Kosten der Umwelt, ist die konsequente Folge des getretenen Juden, der auch einmal etwas sein will, der aber sein eigenes Gleichgewicht nicht finden kann. Mauschel, der Assimilant, der Ghettomensch, der sich bald herandrängt, aufdrängt, unterwürfig zittert, setzt sich mit falschen Mitteln in Position, wenn er glaubt, daß er es wagen darf. Mauschel, den Herzl für alle Zeiten gekennzeichnet hat, ist niemals Mitglied eines Turnvereins gewesen, er hat sich gehütet, das Mögen David auf der Brust zu tragen, um sich nicht zu verraten, um nicht als Jude zu erscheinen. Manschet überläßt es anderen, die Judenfeinde zu bekämpfen, er spendet vielleicht auch einmal ein Weniges, um Gegner zu belehren, um mit .Prozessen die Feinde zu bezwingen. Ist' es ein bloßer Zufall, daß in England der Antisemitismus so gering ist, wo zuerst aufrechte spanische Juden landeten, wo selbst die Ostjuden in Whitechapel das Boxen betrieben, dem die größten Boxer der jüdischen Rasse entstammten? Mehr denn je wird heute auf die körperliche Erscheinung des Menschen Wert gelegt. Als Kulturmenschen ist uns alles Unästhetische widerlich und der Stil in der Einrichtung der Wohnungen, der weiße Kragen am gewaschenen Hemd kann niemals den Hängebauch des Börsianers, das feiste Gestell einer watschelnden Madame verbergen und darf nicht und kann nicht durch Brillantkolliers die grauenhafte Verunstaltung eines vernachlässigten Körpers verbergen. Lächerlich die Überheblichkeit, mit der sich jemand zu gut hält, durch Waldlaufen den Körper auszulüften, für dessen äußere Umhüllung doch Geld genug verschwendet wird. Und wenig sinnhaft ist die Methode, durch Badekuren die Gesundheit einzuheimsen, die man elf Monate vernachlässigt Wie alle Torheiten sind Sportfexereien, einseitige Ungeistigkeit des Sportfanatikers ebensolche Unarten und Entartungen, wie die grobe Vernachlässigung des Körperlichen. Physische Arbeit ist ein Mittel zum Zweck, bei dem Arbeiter als Methode zum Broterwerb, für den Geistesarbeiter zur Erzielung der Kraft und der Stimmung für den wahrlich aufreibenden Kampf ums Dasein. Gewiß gibt es allgemeine Organisationen, die einzelne, meist körperlich gewandte Juden aufnehmen. Mäzene dulden. Aber die Erfahrung einzelner, die Taktlosigkeiten, denen gerade der ungeübte, der schwache Jude, der persönlich vereinzelte, ausgesetzt ist, lehrt, daß jeder Jude, der die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Allgemeinheit will, nicht allgemeine Vereine dazu empfehlen kann, die solche Ziele energisch ablehnen würden. Die jüdische Jugend, die im Jüdischen nach neuen Formen, nach Gemeinschaftsideen, nach Brüderlichkeit, Eintracht, Wissen, nach sittlichen Begriffen verlangt, hat begriffen, daß der Säkularisierungsprozeß im Judentum noch nicht abgeschlossen ist. Auch der Geist der jüdischen Gemeinschaft hat sich nicht in vollem Konservativismus erhalten, sondern in dem schöpferischen Erleben der geistigen Werte spiegelt sich in der jüdischen Geschichte der Wandel jüdischen Wollens. Aus dem Zusammenschluß der jüdischen Jugend stammt die große Kraft, die heute die Geschicke des jüdischen Volkes zu beeinflussen sucht. Hier ist die unversiegbare Quelle jenes Stromes, der selbst in sich die Stärke spürt, um dem Zufall und der Außenwelt das Recht über die Entscheidung des jüdischen Lebens zu entwinden. Jene Politik, die im 19. Jahrhundert die letzten Triumphe feierte und die Unfähigkeit zur eigenen Tat als Großtat anpries, liegt in der Agonie. In der Wandlung des ergebenen, gequälten Märtyrers des Mittelalters zum Utilitätsjuden der Assimilationsepoche des 19. Jahrhunderts und von da zum schöpferischen Chaluz des 20. Jahrhunderts liegt die ganze Weite der Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen die Erneuerung des jüdischen Menschen bedeutet. Das ist das große Geheimnis, das» in drei Jahrzehnten den Typus des Juden gewandelt hat. Moses wußte, Victoria-Motorräder 350 bis 600 ccm ,, Prospekt© und Verkauf durch die Vertretung Josef Mayr, München Thalkirchner Str. 66/70 Tel. 55136 undJ57 5 93