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Das jüdische Echo · 1928-09-07 · 36 (7.9.1928) · p. Seite 564

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
Seite 564 (sequence 4)
Language
German
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564 Das Jüdische Echo Nr. 36 neue Aufgaben gestellt. Die bisherigen Anstalten entsprechen nicht den neuen Vorschriften, die in Preußen bereits durchgeführt, in Bayern demnächst durch den dem Landtag bereits vorgelegten Gesetzentwurf eingeführt werden sollen und in anderen Ländern ebenfalls teils durchgeführt, teils in Durchführung begriffen sind. Hiernachwird für den Volksschullehrer künftig nicht mehr die Absolvierung eines Lehrerseminars als Vorbildung genügen, vielmehr die Abschlußprüfung einer neunklassigen höheren Schule (so in Preußen) oder einer im wesentlichen gleichwertigen „Aufbauschule“ (wie sie in Bayern geplant ist) erforderlich sein, an welche sich dann ein zweijähriges Studium auf den Akademie anschließen muß. Bisher ist eine jüdische Akademie nicht geschaffen; lediglich in der Simultan-Lehrer-Akademie, die im Anschluß an die Universität Frankfurt besteht, ist für jüdische Volksschullehrer die Möglichkeit gegeben, durch Ergänzungskurse auf jüdischem Gebiete ein Abschlußexamen abzulegen. Die Regelung in Preußen wird von jüdischer Seite als nicht voll befriedigend empfunden. Die Vorbereitung zur Akademie geschieht dort auf den allgemeinen höheren Schulen; für unbemittelte Schüler hat der Preußische Landesverband in der von ihm unterhaltenen sogenannten „Vorbereitungsanstalt“, die die drei obersten Klassen umfaßt, eine Ausbildungsmöglichkeit in Berlin geschaffen. Er hat ferner der orthodoxen Jabneschule in Köln gegenüber für den Fall des Ausbaus der drei Oberklassen eine finanzielle Zusage erteilt. In der dem Stollschen Referat folgenden Aussprache wurden die Mängel des preußischen Verfahrens gekennzeichnet und demgegenüber die Ausgestaltung des Würzburger Lehrerseminars gemeinsam mit der Präparandenschule in Höchberg zu einer einheitlichen Lehrerbildungsanstalt gefordert, d. h. ihre Umgestaltung in eine Aufbauschule im Sinne der neuen bayerischen Vorschriften angeregt, an die sich dann im engen Anschluß an die Universität Würzburg und die dort zu errichtende katholische Lehrerakademie die Möglichkeit einer akademischen Fortbildung der Lehrer anfügen ließe. Die Frage, ob daneben noch zwei Anstalten in Norddeutschland nötig sind, oder ob man nicht, wenn das Würzburger Seminar in diesem Sinne umgestaltet wird, für die Zwecke der Lehrerbildung in Deutschland mit einer einzigen norddeutschen Anstalt auskommen könne, wurde offen gelassen und soll durch eine Aussprache zwischen den Vertretern der derzeitigen drei Anstalten unter Zuziehung von Vertretern der Landesverbände geklärt werden. Auch die weitere Frage, die in der Debatte zur Sprache kam, ob neben dem Bedürfnis der jüdischen Lehrerbildung für Volksschullehrer noch ein solches nach besonderen Anstalten für Religionslehrer besteht, wurde einer weiteren Aussprache in einer künftigen Sitzung Vorbehalten. Diese Sitzung soll durch schriftliche Referate der Vertreter der verschiedenen Anstalten vorbereitet werden. Aus der reichhaltigen Tagesordnung seien fer- TEINAÜHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KÜHLES # MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 ner folgende Punkte hervorgehoben: Bezüglich der Schächtfrage, die zur Zeit nicht nur in Bayern sondern auch in Preußen aktuell ist, infolge der dem letzten Landtag vorgelegten Anträge, die auch nach den Neuwahlen vermutlich wieder vorgelegt werden dürften, wurde der einheitlichen Überzeugung Ausdruck gegeben, daß an der altgeheiligten religiösen Institution vom deutschen Judentum festgehalten wird und die dagegen gerichteten Angriffe geschlossen abzuwehren seien. — Auf Antrag der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge wurde die Schaffung einer jüdischen Arbeiterkolonie gutgeheißen, in der eine landwirtschaftliche und gärtnerische Beschäftigung arbeitsloser Wanderer und auch entlassener Strafgefangener stattfinden soll. Den Landesverbänden wurde empfohlen, in entsprechender Weise zur Aufbringung der erforderlichen Mittel beizutragen Die von der statistischen Sektion der Akademie für die Wissenschaft des Judentums unternommene Bearbeitung der letzten Volks - und Berufszählung wurde als bedeutungsvoll anerkannt. Die Arbeitsgemeinschaft bezeichnete ihre Unterstützung durch die Landesverbände, ferner die Einrichtung statistischer Büros in den größeren Gemeinden mit einheitlichen Zählkarten als notwendig. Der Preußische Landesverband hat wegen der Einrichtung ritueller Speisestellen eine Umfrage an die jüdischen Gemeinden in solchen Städten, wo sich eine Universität oder eine Hochschule befindet, gerichtet. Im Anschluß hieran erklärte es die Arbeitsgemeinschaft für wünschenswert, daß in solchen Städten, in denen ein Bedürfnis dafür vorliegt, durch Schaffung von Speisehäusern für Studierende (mensae academicae) oder ähnliche Einrichtungen den Studenten Gelegenheit gegeben werde, für billiges Geld Koscher-Essen zu erhalten. Die Herausgabe einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland,- die von den süddeutschen Landesverbänden geplant war, soll nunmehr durch die Reichsarbeitsgemeinschaft durchgeführt werden. Als Herausgeber der Zeitschrift sind bestimmt die Herren Professor Dr. Elbogen (Berlin), Rabbiner Dr. Freudentahl (Nürnberg), Professor Dr. Freimann (Frankfurt); die Redaktion soll den Herren Dr. Raphael Straus (München) für Beiträge aus Süddeutschland und Dr. Friedländer (Berlin) für Beiträge aus Norddeutschland übertragen werden. Es wurde ferner noch eine Reihe weiterer Fragen erledigt, im übrigen aber die Behandlung einer demnächst einzuberufenden Sitzung Vorbehalten Ein Antrag dieser Sitzung, durch vorherige Übersendung der Anträge mit Begründung, wenn auch nicht ausgearbeiteter Referate vorzubereiten und den Landesverbänden so die Möglichkeit zu geben, vor der Sitzung zu den einzelnen Gegenständen Stellung zu nehmen, fand einstimmige Annahme. Die Beratungen der Reichsarbeitsgemeinschaft haben die Notwendigkeit der Schaffung eines Reichsverbandes allen Teilnehmern deutlich gezeigt, aber auch allen vor Augen geführt, daß nur ein wirklich leistungsfähiger Reichsverband den großen und für das deutsche Judentum lebenswichtigen Aufgaben gerecht werden kann. Ist man sich darüber aber klar, so sollte man der Schaffung eines solchen Reichsverbandes auch dann Schwierigkeiten nicht

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