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Das jüdische Echo · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. Seite 533

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 535 General Motors Automobile ___ ä_ Chevrolet LORIN/ER & CO Oakland Nymphenburger S+raßel 28/ Telephon 61836 La Salle Judentum muß die Stimme der Geschichte hören. Des weiteren führt er aus: Der Liberalismus im Judentum will den Blick und die Aufgabe des Juden in den ganzen Lebensbereich der Menschheit hineinstellen. Mit den anderen Richtungen im Judentum ist ihm gemeinsam, daß er einen entschiedenen Wert darauf le£t, daß der Jude in seiner Religion ein eigenes, eigentümliches, religiöses Besitztum hat, daß dem Juden in seiner Religion die Gewißheit, das Gebot, die Zuversicht, der Wert seines Lebens gegeben ist. Das Besondere des liberalen Judentums ist, daß es in dem allen zugleich immer stark empfindet, was darin der Menschheit, und also jedem Menschen gegeben ist, so daß in dem Persönlichen, dem spezifisch Jüdischen, auch immer das Universale lebendig erfaßt wird. Die Gefahr der anderen Richtungen ist, daß das jüdische Denken ganz in seinem eigenen jüdischen Bezirke bleibt, daß die Weite und damit der große Zug ihm verloren gehen. Die Gefahr des Liberalismus ist, daß er sich in die Weite verflüchtigt, daß er in einen vagen Universalismus, in eine verschwommene Humanität verfliegt, und daß er so das Bewußtsein des Eigenen und Charakteristischen, die Sicherheit des bestimmten Bodens einbüßt. Das Humane verlangt vom Menschen weniger als das bestimmt Religiöse, weil es ein Allgemeines ist, das keine genauen Forderungen stellt. So kann Liberalismus aus einer Schwäche des Religiösen hervorgehen, er kann eine Minimalforderung des Jüdischen bedeuten. Die Gefahr der Orthodoxie ist, daß die Idee, das Wesentliche und Eigentliche von der Fülle der einzelnen Forderungen erdrückt wird. Die Gefahr des Liberalismus ist, daß er sich mit dem Allgemeinen und Ideellen zufrieden gibt und sich des einzelnen, des Gebotes enthoben meint, so daß er dann eine Religion und Konfession und nicht eine Religiosität, ein religiöses Leben ist. Der Liberalismus gründet sich auf das Recht des Individuums. Aber damit fordert er vom einzelnen auch mehr als jede andere Richtung, vom liberalen Juden ist mehr an Religiosität als von jedem anderen verlangt. Der Liberalismus sagt jedem, daß in seinem Judentum der Geist der Menschheit ist: damit sind vom liberalen Juden größere Gedanken als von jedem anderen gefordert. Der Liberalismus stellt den einzelnen in seine Gemeinde und in sein Volk; aber auch in die Völkerfamilie; damit ist von jedem ein stärkeres Bewußtsein seines Platzes vonnöten. Dreifaches ist so die Forderung: lebendige persönliche Religiosität, Größe der Gedanken, Wissen um den jüdischen Wert. Darin spricht die Gegenwart ihre Forderung aus, das ist „modern life“. Darauf erstattet Claude S. Montefiore sein Referat über: „Die Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben“; Rabbiner Dr. Philippson (Cincinnati) spricht über „Religiöses Leben des einzelnen und der Gemeinschaft“, Rabbiner Dr. Josef Lehmann über „Einfluß des liberalen Judentums auf die soziale Arbeit“, Nachdem ein gemeinsames Mittagessen im Tagungshause Delegierte und Gäste vereinigt hatte, trat die Konferenz um 4 Uhr nachmittags in eine für vertraulich erklärte geschäftliche Sitzung ein. Den Vorsitz führte Rabbi Dr. Mattuck (London). Lily Montague erstattete den Geschäftsbericht, es folgte der Bericht des Schatzmeisters. Hierauf wurde die Verfassung des Weltverbandes beraten. Der vorgelegte Entwurf wurde einstimmig angenommen. Er sieht einen Direktoren-Ausschuß vor, der vom Delegiertentag des Weltverbandes gewählt wird, sowie ferner einen engeren Rat, der sich aus Persönlichkeiten zusammensetzt, die von den einzelnen Landesorganisationen nominiert werden. Es gelangte der folgende Antrag von Rev. M. L. Perlzweig (London) zur Annahme: Der Vorstand wird ermächtigt, sobald es die Mittel erlauben, eine Persönlichkeit zu verpflichten, die geeignet ist, in solchen Ländern, welche es wünschen, neue liberale Organisationen einzurichten. Auch soll zu diesem Zwecke ein Fonds geschaffen werden. Auf Antrag von Prof. Elbogen wird beschlossen, eine Zweimonatsschrift für die Wissenschaft des Liberalismus herauszugeben. Der Geschäftssitzung schloß sich eine Gedenkfeier für den vor einigen Monaten verstorbenen Justizrat Bernhard Breslauer, den Gründer und Ehrenvorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum, an. (Der Bericht wird fortgesetzt.) Ein Abend bei Hans Lachmann-Mosse Am Abend des Sonntags bewirteten Herr und Frau Hans Lachmann-Mosse mehrere hundert Delegierte und Gäste im Mossehaus am Leipziger Platz, das die berühmten Kunstsammlungen der Familie Lachmann-Mosse beherbergt. Die Elite des deutschen Judentums und des Judentums in mehreren auswärtigen Ländern war hier versammelt. Claude G. Montefiore dankte in deutscher Sprache dem Ehepaar Lachmann-Mosse für die großartige Bewirtung, worauf Hans Lachmann- Mosse englisch erwiderte. Es sprachen noch A. Leo Weil und Sanitätsrat Peyser. Bis in die späte Nacht hinein blieb man in froher Geselligkeit beisammen. Die Frau auf der Kanzel Berlin, 20. August. (JTA.) Im Rahmen des Kongresses hatte am Sonntag vormittag in der Synagoge der jüdischen Reformgemeinde in der Johannisstraße ein Festgottesdienst stattgefunden. Eine Sensation für Berlin war es, daß eine Dame, Miß Honourable Lily Montague (London) die Festpredigt hielt. Das Gotteshaus wies eine geradezu beängstigende Fülle von Besuchern auf. Miß Montague, bekleidet mit lilafarbenem Talar und Barett — die ihr assistierenden drei Geistlichen der Reformgemeinde trugen die in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands übliche schwarze Amtstracht — entwickelte in etwa halbstündiger deutscher Predigt die Gedanken des religiös-liberalen Judentums.

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