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Das jüdische Echo · 1928-08-17 · 33 (17.8.1928) · p. Seite 525

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
Seite 525 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 525 Damit wäre ich zu Ende, was meine Seele und meine irdische Hülle anbelangt. Und nun einige Worte über die Dinge dieser Welt: Mein Vermögen betreffend, weißt du, daß ich dir bei lebzeiten alles überschreiben ließ, damit du nicht überflüssigerweise Erbschaftssteuer zu zahlen brauchst und unser Steueradministrator zerspringt. Empfange, mein Sohn, bevor ich in die Ewigkeit eingehe, einige väterliche Ratschläge für deinen Lebensweg. Zunächst für den Fall, daß du heiraten wolltest. Heirate vorteilhaft, das heißt möglichst reich, denn bedenke, daß du — wer kann es denn wissen — vielleicht bloß einmal im Leben heiratest, und nur ein Dummkopf läßt sich eine so seltene Gelegenheit entgehen, sich ein für allemal auf die Beine zu helfen. Nimm dir nicht die erste beste, such’ und wähl’ aus. Du hast auch eine Schwester, für die du einen reichen Mann suchen und finden mußt, denn du weißt, daß ihre Mitgift nicht bedeutend ist. Wenn du anklopfen wirst, wird dir aufgetan, und wenn du suchen wirst, wirst du finden. Unsere Familie erfreut sich des besten Rufes und unser Namen — der Name Rosenthal — hat den besten Klang. Bei deiner Hochzeit und der Verheiratung deiner Schwester muß dieser Umstand in bare Münze umgewechselt werden. Vielleicht würde deine zukünftige Braut einen reicheren Bräutigam finden und der Bräutigam deiner Schwester eine reichere Braut, aber die Kinder wären nun einmal nicht aus dem Geschlechte der Rosenthal. Nie ist ein Rosenthal im Kriminal gesessen, nicht einmal bedingt; vor dem Kriminal hatten alle Rosenthale eine heilige Angst und diese Angst hielt sie stets auf dem Wege der Ehre und der Wahrheit. Und was unseren Namen anbelangt ... Der Name Rosenthal ist ein schöner Name. Wenn du deinen Wohnsitz unter Deutschen aufschlägst, behalte den Namen bis in alle Ewigkeit, denn es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als wenn ein wohlgeratener Sohn den väterlichen Namen von der Wiege bis zum Grabe in Ehren trägt. Wirst du jedoch unter Tschechen siedeln, andre deinen Namen am besten in Rudzodolsky. Es klingt ebenso schön wie Rosenthal, aber es hat den Vorteilt, daß es ein wohllautend tschechischer Namen ist. Und das Wichtigste: Unter diesem Namen wird niemand den Enkel jenes Alten vermuten, der noch mit dem Wanderbündel, und als ihm Gott ein bißchen half, mit einem Karren hausieren ging. Ähnlich wie mit dem väterlichen Namen sollst du auch mit dem väterlichen Glauben umgehen. Auch hier gibt es nichts Schöneres, als stolz und in Ehren den von den Vorfahren ererbten Glauben bis zum Tode zu tragen — allerdings wieder unter der Voraussetzung, daß dieser Glaube weder dem Handel noch der Karriere im Wege steht. Ist ein solches Hindernis vorhanden, mußt du den Glauben fahren lassen, mag auch das Herz dabei bluten. Welcher Religion soll man dann beitreten? Das muß ich, Sohn, deiner Erwägung und deiner Klugheit überlassen. Wie könnte man prophezeien, welche Mode und welche Grundsätze hierin herrschen werden? Wenn die Klerikalen ans Ruder kommen, lasse dich taufen, wenn die Nationaldemokraten oder die tschechischen Sozialisten regieren, tritt in die tschechoslowakische Kirche ein, kommen die Sozialdemokraten auf, genügt es, daß du religionslos bleibst. Sei’s, wie’s sei, du brauchst nicht zu verzweifeln, und es liegt nur an dir, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen und rechtzeitig in den Schoß des väterlichen Glaubens zu- Licht, Luft und Sonne haben Ihre Kinder während der Sommerfrische genossen; jetzt brauchen sie mal wieder eine geistige Anregung. Bestellen Sie deshalb sofort das „Zelt“; das Aügustheft ist soeben erschienen. rückzukehren, nämlich dann, wenn du fühlen wirst — und das ist meist sehr empfindlich zu fühlen —, daß dein Leben zur Neige geht, das Ende allen Handels naht und deine Karriere absolut beendet ist. Das ist der rechte Augenblick, wieder in den von den Vätern ererbten Glauben zurückzukehren. Wenn schon für nichts anderes, so zu dem Zweck, damit du nach deinem Tode in der Erde unseres Familienfriedhofs im böhmisch-mährischen Hügelland ruhen kannst, wo das nie gemähte Gras üppig wächst und im Sommer die Linden betäubend duften. Wenn du die Rückkehr in unseren Glauben versäumen würdest, könntes du dich sehr vergeblichen Hoffnungen hingeben — auf diesen Friedhof kämst du nicht. Aber zum Tode hast du, so Gott will, noch ein weites Stück und es wird daher besser sein, wenn ich dir weitere Ratschläge fürs Leben erteile. Mein Sohn, armen Leuten geh wie der Pest aus dem Wege und halt dich fest an die Reichen. Schon die alten Juden, in welchen bekanntlich alle Weisheit der Welt versammelt war, pflegten zu sagen: „Halt dich an ein goldenes Wägile, fällt ab ein goldenes Nägile.“ Oder mit einfachen Worten: Von einem Armen kannst du höchstens die Krätze haben. Die Weltordnung wirst du nicht ändern. Zum Tempelvorsteher wird immer der reichste Jud gewählt und Ortsvorsteher wird nur der größte Bauer. In der letzten Zeit hat sich dies ein wenig geändert, aber will’s Gott, wird alles wieder in das frühere seit alters bewährte Geleise zurückkehren. Auch einem armen Manne kannst du recht geben, soferne du mit ihm unter vier Augen redest. Überhaupt wirst du ein schönes Leben führen, wenn du allen Leuten recht gibst. Sprichst du mit dem Armen, schimpf auf die Reichen, vor den Reichen verurteil die arme Schicht; sprichst du mit dem Pfarrer, lob St. Johann und zum Beweise seiner historischen Wahrheit führe an, er habe bei einem deiner Vorfahren Meßwein auf Borg gekauft (es hätten sich darüber in des Vorfahren alten Geschäftsbüchern Eintragungen gefunden, deren Echtheit nicht bezweifelt werden kann). Niemandem widersprich und jedem gib recht, nur so wirst du Ruh und Frieden auf Erden finden. Debattierst du mit einem Bolschewiken, sag ihm, ein solches Paradies, wie es jetzt in Rußland ist, sei noch nicht dagewesen, seit die Welt besteht; und einem Nationaldemokraten sag, Gott der Allmächtige möge sich schon über uns alle erbarmen und die Schreckensherrschaft in Rußland beenden. Ehrfurcht vor der Vergangenheit? Überzeugung? Grundsätze? Spei darauf, mein Sohn, und es wird dir wohl ergehen auf Erden! (Übersetzung aus dem Tschechischen von R. F.)

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