Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- Seite 526 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156898--08702-9081420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
526 Das Jüdische Echo Nr. 33 Schurren und Anektoden Nachstehend eine Auslese jüdischer Schnurren und Anekdoten in der Fassung, wie sie in einer amerikanisch-jüdischen Zeitung erzählt werden. Der Rabbiner einer Gemeinde wurde am Tage vor Purim plötzlich krank. Die Sorge war groß, nicht nur wegen seiner Gesundheit, sondern auch wegen des Gottesdienstes, der bald abgehalten werden mußte. Schließlich erbot sich ein sehr angesehener Rabbiner der Nachbargemeinde, an Stelle des Erkrankten zu predigen. Abgesandte wurden zu ihm geschickt, um ihm zu danken. In der Gegenwart des berühmten Rabbiners waren sie jedoch etwas verlegen. Und so stammelte der eine von ihnen: „Wissen Sie, Rabbi, wir wären wirklich auch mit einem schlechteren Rabbiner zufrieden gewesen, aber wir konnten keinen finden.“ * * * In einer kleinen Stadt in Rußland gab es nur einen Esrog für die ganze Gemeinde, und so mußte er die Runde durch alle jüdischen Häuser machen. Ein besonders umsichtiger Jude nun, dem der Esrog anvertraut war, wollte die Frucht einem Bekannten in einem anderen Teile der Stadt schikken. Er rief seinen nichtjüdischen Boten und gab Ihm die Zitrone mit der Anweisung, sie in das Haus jenes Bekannten zu bringen. Bevor er aber die kostbare Zitrone den Händen des Boten anvertraute, zeigte er ihm den Stengel der Frucht und schärfte ihm ein, besonders darauf zu achten, daß er diesen nicht verliere oder wegwerfe. Der Bote versprach, darauf zu achten, daß der Stengel richtig und unversehrt ankomme und machte sich auf den Weg, Als der Esrog bei dem Bekannten anlangte, bemerkte dieser, daß der Stengel abgebrochen war und daß deshalb die Frucht nicht mehr zu gebrauchen war. So wandte er sich an den Boten und sagte: „Dummkopf, was hast du mit dem Stengel gemacht?“ „Mit dem Stengel?“, erwiderte der Bäte, „hier ist er. Ich habe ihn abgebrochen und in meiner Tasche aufbewahrt, da mein Herr mir auftrug, damit besonders sorgfältig umzugehen.“ Motke Chabad war ein berühmter jüdischer Spaßvogel und Witzbold, der bei Hochzeiten und fröhlichen Veranstaltungen aller Art sehr begehrt war. Eine große Zahl lustiger Geschichten werden von ihm erzählt. Davon sei die folgende wiedergegeben: Motke ging zu einem vollkommen fremden Mann, der gerade in die Stadt gekommen war und sagte zu ihm: „Ich bin Motke Chabad. Würden Sie mir, bitte, hundert Rubel zu leihen?“ „Aber wie meinen Sie das?“, sagte der Fremde sehr überrascht. „Ich kenne Sie ja gar nicht!“ „Darum bat ich gerade Sie,“ sagte der Spaßvogel, „die Leute, die mich kennen, wollen mir nichts leihen.“ * * * Motke Chabad saß einmal in einem Restaurant an einem Tisch mit einem Russen. Der Russe verschmauste Schweinefleisch und andere verbotene Nahrung, während Motke sich an einem gebratenen Fisch gütlich tat. Am Schlüsse der Mahlzeit rief Motke den Kellner und sagte so laut, daß : es der Russe hören konnte: „Ober, der Fisch! möchte gern schwimmen.“ Der Kellner verstand; und brachte ihm sogleich ein Glas Branntwein. * Dem Russen, der Motke sehr aufmerksam bef obachtet hatte, gefiel die Redewendung, und er wollte sie auch anwenden. So richtete er sich in seinem Sessel auf, indem er auf den Teil seines Körpers zeigte, wo soeben das Schweinefleisch . verschwunden war, und rief so laut er konnte: . „Ober, dies Schwein möchte etwas trinken!“; * * * In einer Gesellschaft von Juden versuchte jeder sein Bestes zur Unterhaltung beizutragen. Als der Vorrat an lustigen Geschichten erschöpft war, ging man zu Rätseln über. „Ich weiß ein gutes Rätsel für Sie“, sagte der eine. „Es ist grün, es hängt an der Wand, und es quietscht? Was ist das?“ Alle Versammelten dachten lange nach, und 1 doch konnte keiner das Rätsel lösen. „Es ist ein Hering“, sagte der kluge Mann. „Ein Hering?“, riefen alle zu gleicher Zeit, „ein Hering hängt doch nicht an der Wand“, „Dieser Hering hing an der Wand“, erklärte der Fragesteller. „Aber ein Hering ist doch nicht grün“, stritten wiederum die anderen. „Der fragliche Hering war grün angemalt“, sagte der Rätselaufgeber. „Ganz gewiß quietscht aber ein Hering nicht“, sagte die angeführte Gesellschaft. „Nun“, sagte der Rätselmann lachend, „das habe ich absichtlich gesagt, damit Sie nicht sofort darauf kommen, daß es ein Hering ist.“ * * * Ein reicher Jude wollte den Rat eines Fachmannes über eine schwierige Angelegenheit des Handelsrechts wissen. So lud er einen bedeutenden schottischen Handelsrichter zu sich, der sein Freund war, und besprach die Angelegenheit bei ■ Walnüssen und Wein. — Der Handelsrichter merkte die Absicht des Juden und schickte ihm nach seiner Gewohnheit seine Honorarforderung, « — Der Jude erledigte die Rechnung durch eine Einladung zum Mittagessen, worauf der Handels- . richter dem Kaufmann eine gerichtliche Vorladung wegen Verkaufs von Rauschgiften ohne Lizenz schickte. Kraftfahrzeuge, Blutenburgstraße 91 Telephon 63456 Opel und Studebaker Vertretung — Spezial*Reparaturwerkstätte Günstige Ratenzahlungen i'