Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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508 Das Jüdische Echo Nr. 32 missar Abschied zu nehmen. Es fand eine Polizeiparade statt. Unter den Klängen der britischen Nationalhymne fuhr der Zug ab. Jerusalem, 2. August. (JTA.) Der aus seinem Amte scheidende Oberkommissar von Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, erließ vor seiner Abreise eine Abschiedskundgebung an die Bevölkerung Palästinas, in der er ihr für die ihm während seiner Amtsperiode geleistete loyale Unterstützung dankt und versichert, Lady Plumer und er hätten drei glückliche Jahre in Palästina verbracht, an die sie stets mit Freude zurückdenken werden; sie werden an dem Wohle des Landes und seiner Bevölkerung stets das tiefste Interesse nehmen. Arbeitersport in Palästina erfolgreich Jerusalem, 27. Juli. (JTA.) Der Sportverein „Hapoel“ (Der Arbeiter), der erst vor kurzem den palästinischen Fußballpokal errungen hatte, errang soeben auch den Melchett-Fußball-Pokal, der alljährlich von Lord Melchett für die beste Fußballteam gestiftet wrd. Eine ausgewählte palästinische Fußballteam, die TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KUHLES / MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200 von Lord Melchett begründet und gefördert wird, begibt sich im Oktober nach England, um gegen einige der besten englischen Team zu spielen. Es werden etwa 20 Fußballer sein, die die palästinische Landestracht tragen und ein palästinisches Banner mit sich führen werden. Leichtes Erdbeben in Palästina — Kein Schaden Jerusalem, 5. August. (JTA.) Am Sonntag morgen 5.45 Uhr wurde in Jerusalem ein leichtes Erdbeben verspürt. Es entstand keinerlei Schaden, die Bevölkerung ist ruhig. 111 lllllll II1 111» 1 1II11 11 Feuilleton | | 1 »lllllll 1 i rii! II» III1 1 1 Ein Mensch ist verloren gegangen Von Schalom Asch In einem der Kaffeehäuser von Neuyork, in welchem radikale Kreise verkehren, konnte man jeden Abend am gleichen Platze an einem verlassenen Tischchen in einem Winkel einen einsamen Gast sitzen sehen, der seine Zigarette rauchte. Man hätte ihn eigentlich bemerken müssen, doch niemand bemerkte ihn. Alle wußten, daß in diesem Winkel Finkeistein saß. Er wäre eher bemerkt worden, wäre er nicht dort gesessen, denn Finkeistein paßte ausgezeichnet in diesen Winkel. Die dunkle unbestimmbare Farbe seines Anzugs glich den Tapeten an den Kaffeehauswänden, die undeutlich und verraucht waren. Das Licht, welches von den Wänden strahlte, löschte Finkeisteins Farbe, und es wäre gar nicht zu merken gewesen, daß jemand in dem Winkel saß, hätte es nicht die hohe blinkende Stirn verraten, welche aus dem Anzug hervorlugte — und Finkeisteins Pelz. Finkeistein besaß etwas, was ihn über die Alltäglichkeit hinaushob, und ihm besonderen Nimbus verlieh. Das war sein Pelz. Der Pelz war in der alten Heimat angefertigt, offenbar von dort nach Amerika gebracht. Er hatte einen breiten stichelhaarigen Kragen, desgleichen in Amerika nicht zu sehen ist und über den im Kaffeehaus eine ständige Diskussion geführt wurde: einige sagten, ein solcher Pelz sei in Amerika überhaupt nicht zu bekommen, und der Kragen sei heute ein Vermögen wert; andere behaupteten, in Amerika trügen Farmer solche Pelze mit dem Futter nach außen. Deutsche Neuwäscherei G.m.h.H. FELIX BRANDNER * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage Doch was das für eine Pelzsorte war, darüber konnten sich sogar Sachverständige nicht einigen; einige behaupteten, es sei russischer Biber, andere rieten auf persisches Lammfell. Und so oft der Winter kam und Finkeistein im Pelz erschien, rief sein Eintritt im Kaffeehaus eine gewisse Bewegung hervor. Leute blickten nach dem Tischchen, an dem Finkeistein saß, und fragten einander: Wer sitzt dort? Das ist doch Finkeistein. — Ach — dann war Finkeistein wieder vergessen. Manchmal ging das Interesse so weit, daß ein Neugieriger auf Finkeistein zutrat, seinen Pelz mit dem merkwürdigen Kragen musterte und die Qualität befühlte. Dann sagte Finkeistein lächelnd, indem er mit zwei Fingern sein kleines schwarzes Schnurrbärtchen in Ordnung brachte: Das ist heimatliche Ware. Finkeistein stammte aus Galizien, und in sein Jüdisch waren stets ein paar deutsche Worte untermischt. Und las wollte Finkeistein durch seinen Pelz mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken, trug er ihn, solange es nur ging. Wenn der Oktober kam, mochte es nun kalt sein oder nicht, so trug Finkelstein bereits den Pelz und trug ihn bis weit in das Frühjahr hinein. Gerade deshalb aber war man gewöhnt an Finkeisteins Pelz, daß das graue Haar des Kragens und die unbestimmte dunkle Farbe des Überzuges sich mit der Farbe der Kaffeehauswände vermengten und — niemand mehr bemerkte, daß in diesem Winkel des Kaffeehauses Finkeistein saß. Es wäre aber bemerkt worden, wäre er nicht dort gesessen, denn dann wäre eine Lücke zwischen der Wand und dem Tischchen im Winkel gewesen. Niemand wußte eigentlich, womit sich Finkeistein beschäftigte, ob er verheiratet war, wo er