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Das jüdische Echo · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · p. Seite 503

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
Seite 503 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 503 General Motors Automobile _ Chevrolet LORIN/ER & CO Oakland Nymphenburger Straße128/ Telephon 61836 La Salle man jeden Posten um den gleichen Prozentsatz herabsetzt. Das Budget ist das finanzielle Skelett des orgnisch in sich zusammenhängenden Palästinawerkes, und es ist zwar möglich es zu verkleinern, aber nur dann, wenn man es von Grund auf anders gestaltet. So ist es sinnlos, den Etat einer Abteilung der Exekutive so zu beschneiden, daß lediglich das Gehalt ihres Leiters übrig bleibt, der aus Mangel an Arbeitskräften und Mitteln nichts mehr tun kann. Man muß dann einzelne Posten des Budgets gänzlich auflösen und dafür andere auf einer gewissen Minimalgrenze erhalten. Dagegen muß festgestellt werden, daß der Grundsatz der Konsolidierung, dessen Exponent Sacher ist, sich durchgesetzt hat und selbst bis in die Kreise der Poale Zion hinein auf keine ernste Gegnerschaft mehr stößt. Gerade das wird man als einen wesentlichen Fortschritt in den wirtschaftlichen Beratungen des AC. ansehen können. Die Zweite Internationale und Palästina Brüssel, 7. August. (JTA.) Auf dem gegenwärtig in Brüssel tagenden Kongreß der Zweiten Internationale der Arbeiterschaft kam es bei der Beratung des auf Anregung von Emile Vanderv e 1 d e und den Poale Zion gestellten Antrages auf Errichtung einer speziellen Palästinakommission der Arbeiter-Internationale zu einem erregten Meinungsaustausch zwischen den prominentesten Führern der Arbeiterschaft. Gegen die Errichtung der Palästina-Kommission wandten sich besonders sozialistische Führer, die jüdischer Abstammung sind. Der Führer der österreichischen Arbeiterschaft und Mitglied des Präsidiums der Internationale, Dr. Friedrich Adler, griff sehr heftig die Führer der Poale Zion an und erhob gegen sie den Vorwurf, daß sie — indem sie sich bemühen, das palästinische Problem dem Kreis der Probleme der Arbeiter- Internationale anzugliedern — die internationale Arbeiterbewegung hemmen und ein Chaos in die Bewegung der jüdischen Arbeiterschaft bringen. Der bekannte österreichische sozialistische Theoretiker Otto Bauer und der Führer der Russischen Sozialdemokratischen Partei (Menschewiki), Abramowitsch, unterstützten Adlers Opposition gegen die Einsetzung einer Palästina-Kommission. Der Führer der britischen Arbeiterschaft und frühere Minister Henderson setzte sich mit großer Wärme für eine spezielle Palästinaarbeit der Zweiten Internationale zwecks Förderung der Aufbauarbeit der jüdischen Arbeiterschaft ein und wies die Kritik von Adler, Bauer und Abramowitsch zurück. Er drohte mit der N i e d e r 1 e - gung der Präsidentschaft der Internationale, wenn die Palästinaarbeit aus dem Programm der Internationale ausgeschaltet werden bzw. eine solche Arbeit einem Sozialisten verwehrt sein sollte. Schließlich einigte man sich dahin, die Erörterung der Palästinafrage vorläufig zu vertagen, bis die für Donnerstag, den 9. August, angesetzte spezielle Palästinakonferenz der Führer der Internationale stattgefunden haben wird. Diese Palästina-Sonderkonferenz, der etwa 100 Führer der Zweiten Internationale beiwohnen werden, soll bekanntlich über Mittel und Wege beraten, wie das jüdische Arbeiterwerk in Palästina an Ort und Stelle, und wie die Idee des jüdischen Nationalheims auf internationalem Boden zu fördern sei. Die Sitzung der Internationale beschäftigte sich u. a. auch noch mit den Problemen des polnischen und des jüdischen Sozialismus in Polen. Der Führer der jüdischen sozialistischen Partei „Bund“, Dr. Kruk, führte Klage gegen die Führer der polnischen Sozialisten, die es zulassen, daß der Antisemitismus unter der polnischen Arbeiterschaft und sogar unter der Führerschaft überhandnehme. Als Beispiel führte er die l.-Mai-Konflikte der letzten Jahre an, wo die polnischen Sozialisten sich weigerten, zusammen mit den jüdischen Arbeitern zu demonstrieren und diese jüdische Arbeiterschaft ihrem Schicksal überließen, als sie einerseits von der Polizei, anderseits von den Kommunisten angegriffen und brutal mißhandelt wurde. Der polnische Sozialist Niedzialkowski erwiderte auf die Anklagen von Dr? Kruk und beteuerte, daß die Führer der polnischen Sozialisten die Schaffung engerer Beziehungen zum „Bund“ erstreben. Der Kongreß der Internationale nahm schließlich die von Dr. Kruk unterbreitete Resolution an, wonach in Polen eine einheitliche sozialistische Partei, die die Arbeiterschaft aller in diesem Lande wohnenden Nationen einschließt, also eine Einheit des arbeitenden Polen, zu schaffen sei. Der Vizepräsident der Mandats« kommission über das Palästinamandat Genf, 31. Juli. (JTA.) Soeben ist der zweite Teil des vom Vizepräsidenten der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, D. F. W. Van Rees, verfaßten Werkes über die internationalen Mandate erschienen. Ein besonderes Kapitel ist Palästina gewidmet. In demselben weist der Verfasser darauf hin, daß die Balfour-Deklaration die Mandatarmacht Palästinas verpflichtet, in Palästina ein anderes Verwaltungssystem als in den übrigen früher türkischen Territorien zur Geltung zu bringen. In Palästina gilt es nicht allein, die Interessen der arabischen Bevölkerung, sondern auch die des jüdischen Volkes wahrzunehmen, welches im Sinne der Balfour-Deklaration einen Teil der Bevölkerung Palästinas bildet. Dieser Dualismus hat seine Schwierigkeiten. Beim Ausarbeiten der Mandatsbestimmungen hielt man es deswegen für notwendig, der Mandatarmacht volle Rechte der Gesetzgebung und Verwaltung (full powers of legislation and of administration) zu geben, obwohl laut Absatz 4 des Artikels 22 des Völkerbundsstatuts eine Mandatarmacht nur die Funktionen des Ratgebers und Förderers auszuüben hat.

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