Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · p. Seite 502

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
Seite 502 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156897--08677-9081395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

502 Das Jüdische Echo Nr. 32 MIGNON- FLUGEL | mofjllautenber großer Zon nur RM. 2200 aud) gegen kleine SOTonatsraten HUSIKHAUS A. SCHMID NACHF., MÜNCHEN Residenzstraße 7, gegenüber Hauptpost 40 000 Pfund wurde angenommen. Die Exekutive hat dazu eine Erklärung abgegeben, nach der sie versuchen wolle, den Plan durchzuführen. Die Frage, wie weit sie nach dem formellen Beschluß des AC. dazu verpflichtet ist, wird wohl dessen nächste Sitzung noch beschäftigen. II. So wie die Frage des Budgets hat auch die Zusammensetzung der Exekutive innere Kämpfe hervorgerufen, nur daß diese von weitaus ernsterer Natur waren. Man muß hier berücksichtigen, daß die Exekutive von vornherein mit einem schweren Geburtsfehler behaftet war, denn sie ist als eine Minoritäts-Exekutive aus dem Kongreß hervorgegangen. Auf diesem hatte man die Linke zur Stimmenthaltung rr.it dem Argument bewogen, daß der Kongreß endlich zu einem Ende gebracht werden müsse. Ein solcher Appell an den Zionistischen Patriotismus wird sicher nie wirkungslos sein, aber man sieht nun deutlich, daß ein solches Argument wohl ein Provisorium, aber nicht eine grundsätzliche Differenz überbrücken kann. Es hat keinen Sinn, Krisen auf solche Weise zu verschleiern, sie müssen dann später mit verstärkter Macht wieder ausbrechen. Die Linke kam jedenfalls mit der ausgesprochenen Absicht auf die AC.-Sitzung, Sacher, den Vorsitzenden der Palästina-Exekutive, entweder zu stürzen, oder durch eine politische Demonstration zum Ausdruck zu bringen, daß sie sich trotz der erwähnten Stimmenthaltung heute in einer scharfen Opposition befindet. Zweifellos hat die Linke hier einen politischen Fehler gemacht. Sie hätte in dem Augenblick, in dem Weizmann namens der Gesamtexekutive sich mit Sacher solidarisch erklärte, sich damit begnügen müssen, ihre Oppositionsstellung durch eine entsprechende Deklaration kundzutun. Sie tat mehr als das und veranlaßte Sacher und damit auch die gesamte Exekutive durch eine Mißtrauensdeklaration zum Rücktritt. Dadurch kam sie aber in eine peinliche Situation, weil sie selbst auf die Eildung einer linksorientierten Exekutive nicht vorbereitet war. Hierbei tat sich auch ein gewisser Zwiespalt zwischen den beiden Arbeiterparteien auf, insofern, als die Hitachduth auch in diesem Falle mit Rücksicht auf die Jewish-Agency-Erweiterung Weizmann nicht von seinem Posten verdrängen wollte, während die Poale Zion in der Tat einen Versuch machte, eine Exekutive zusammen mit ausgesprochenen Gegnern der Jewish Agency zu bilden. Derartige Differenzen zeigten sich übrigens auch am Schluß der Sitzung, als es sich darum handelte, ein bestimmtes erst kürzlich vom K.K.L. erworbenes Bodenstück entweder einer Siedlergruppe des Hapoel Hamisrachi oder einem zum Hapoel Hazair gehörenden Moschaw zu überweisen. Hier konnte der Misrachi nur deshalb eine Mehrheit für seine Ansiedlungskandidaten finden, weil die Poale Zion sich der Stimme enthielt. Derartige sonderbare Zwischenfälle deuten nicht gerade daraufhin, daß die politische Einigung der Arbeiterparteien nahe bevorstünde. Da nun aber die Bildung einer anderen Exekutive nicht gelang, wurde die vom XV. Kongreß gewählte aufs neue beauftragt. Sie wurde bei Stimmenthaltung der Linken mit den Stimmen der Mitte und des Misrachi gewählt. Der Misrachi hat damit also seine unter die gegen Sacher gerichtete Mißtrauensdeklaration gesetzte Unterschrift gewissermaßen zurückgezogen, und wenn die Linke nicht gleichfalls zu einem formellen Widerruf gezwungen wurde, so hat sie das nun ihrerseits wieder jenem Argument zu verdanken, da die AC.-Sitzung sich ihrem Ende zuneigte und es nicht statthaft schien, sie noch lange fortzusetzen. So besteht der absonderliche Zustand, daß Sacher zwar Mitglied der Exekutive, ist, aber die Mißtrauensdeklaration der Linken besteht nach wie vor, und man kann jedenfalls nicht leugnen, daß diese, wenn sie ihn schon nicht gestürzt, so doch ihre oppositionelle Stellung recht unzweideutig zum Ausdruck gebracht hat. Die Gründe, die die scharfe Opposition gegen Sacher veranlassen, sind mannigfacher Art. Man muß zunächst feststellen, daß er sich persönlich wenig Freunde erworben hat. So hat sein Auftreten in jenem Prozeß, in dem er als Anwalt eines Klienten erklärte, daß das Mandat keine juristische Bedeutung besitze, seinem Ansehen schwer geschadet. Es mag formell einwandfrei sein, zwischen dem Vorsitzenden der Palästina- Exekutive und dem seinen Privatberuf ausübenden Advokaten zu unterscheiden, dem schlichten Menschenverstand will es nicht einleuchten, daß ein Zionist auf verantwortlichem Posten eine derartige Äußerung tun darf. Bedauerlicherweise muß man überhaupt feststellen, daß sämtliche AC. Mitglieder aus Palästina, gleichgültig, welcher Partei sie angehören, ausnahmslos gegen Sacher Stellung nehmen, sie waren in jenen Krisentagen im besten Falle bereit, sich der Stimme zu enthalten, andere, wie z. B. Supraski, der Vertreter des Mittelstandes, stimmten mit der Arbeiterschaft gegen ihn. Diese Unfähigkeit, einander zu verstehen, muß sehr tiefliegende Gründe haben, zumal der persönliche Eindruck ein durchaus günstiger ist. Die politischen Einwände, die gegen ihn besonders von der Arbeiterschaft gemacht werden, bestehen darin, daß man ihm einmal eine Reihe von Übereiltheiten vorwirft, so, wenn er z. B. die Sorge für die Arbeitslosen der Palästinaregierung überlassen wollte. Die Aufgabe der zionistischen Exekutive besteht zweifellos mehr darin, die autonomen Rechte und Freiheiten des jüdischen Jischuw zu schützen und zu mehren, nicht aber darin, sie an die Verwaltung abzutreten, die' wie jede andere Bürokratie ständig der Versuchung ausgesetzt ist, ihre Rechte auf Kosten der Selbstverwaltungskörper auszudehnen. Natürlich führen solche Übereiltheiten auch dazu, daß Sacher nachträglich gezwungen wird, sich selbst zu rektifizieren. Auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik wird ihm vor allen Dingen vorgeworfen, daß er zu mechanisch vorgehe. Die Kürzung eines Budgets kann nicht so erfolgen, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.