Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Das Jüdische Echo Nr. 32 evangelischen und katholischen Schüler sich um 25,5 Prozent bzw. 26 Prozent vermindert hat. Im wesentlichen dürfte diese Abnahme der jüdischen öffentlichen Schulen wohl eine Folgeerscheinung der Inflation sein. Der Staat, der bei seinen damals ergriffenen Sparmaßnahmen Klassenfrequenzen erhöhte, um so Lehrkräfte zu ersparen, schritt auch dazu, Zwergschulen — und das war wohl ein großer Teil der davon betroffenen jüdischen Schulen — aufzulösen. Naturgemäß wirkte sich diese Maßregel am stärksten in den Gebieten aus, die nur relativ kleine Judensiedlungen aufweisen, und in denen dennoch bis zu dieser Zeit staatliche jüdische Volksschulen in großer Zahl vorhanden waren. Hessen-Nassau, das — wie oben erwähnt — heute, nach dem Abbau, noch 38 öffentliche jüdische Volksschulen besitzt, zählte 1921 deren 69, verlor also 31 in dieser Zeit, oder anders ausgedrückt, während 1921 von 2278 jüdischen Kindern 1050 jüdische öffentliche Volksschulen besuchten (46 Prozent), gehen J926 von 1709 jüdischen Kindern nur 447 in jüdische Schulen (26 Prozent). Eine merkwürdige Erscheinung findet sich allerdings im Rheinland, in dem übrigens nur 3 Schulen von 27 eingegangenen sind. Hier besuchten im Jahre 1921 von 3341 jüdischen Schülern nur 1420 jüdische öffentliche Volksschulen, während 1926 von 2760 jüdischen Schülern 2084 jüdische Schulen besuchen. Es ist zu vermuten, daß die Auswirkungen des Grundschulgesetzes in diesen Zahlen zu spüren sind, das naturgemäß in den Schulen der rheinischen Großstädte ganz andere Wirkungen hervorbringen mußte, als etwa in den Schulen des flachen Landes in Hessen- Nassau. Von allen jüdischen Schülern Preußens, die öffentliche Volksschulen besuchen, gingen im Jahre 1921 nur 28 Prozent in jüdische Schulen, und im Jahre 1926 waren es deren 21 Prozent. Allgemein glaubt man, daß der Rest, das heißt drei Viertel der in Frage kommenden Kinder, Simultanschulen besucht, und nur aus dieser irrtümlichen Annahme der Allgemeinheit ist das oft vorhandene Desinteresse an dieser Frage zu erklären. Folgende Zahlen dürften aber doch immerhin zu denken geben: in Preußen — dem Lande mit den meisten jüdischen Volksschulen, wo also die Verhältnisse relativ am günstigsten liegen — besuchen 10 104 jüdische Kinder evangelische Schulen, 1278 jüdische Kinder gehen in katholische Schulen, 1232 in Simultanschulen, während nur 3176 jüdische Kinder in jüdischen öffentlichen Volksschulen zu finden sind. Fast viermal soviel jüdische Kinder besuchen demnach christlich-konfessionelle Schulen als jüdische, ein Zustand, der sicherlich auch den überzeugtesten Gegner der jüdischen Schule nicht mit restlosem Behagen erfüllen wird. Als Kuriosum sei noch erwähnt, daß in der Erhebung zu finden ist, daß vier evangelische Kinder jüdische Schulen besuchen. Die hier gegebenen Zahlen sind naturgemäß lückenhaft, da ein Teil jüdischer Volksschüler gar nicht erfaßt ist, nämlich die, die die privaten jüdischen Volksschulen besuchen. Die Verarbeitung dieser Zahlen sei einem späteren Artikel Vorbehalten, soviel kann aber schon heute gesagt werden, daß die von diesen Schulen erfaßten Kinder in keinem Verhältnis zu den jüdischen Kindern stehen, die allgemeine — das heißt, wie oben gezeigt, christliche — Schulen besuchen. Gewiß, es sind in letzter Zeit — allerdings nur in einigen Großstädten — eine Reihe privater jüdischer Volksschulen entstanden, diese vermögen aber bei weitem nicht die Zahl von Schülern aufzunehmen, die geeignet wären, das Bild irgendwie stark zu beeinflussen. Während beispielsweise im Jahre 1926/27 in Berlin 5345 jüdische Schüler die allgemeinen Volksschulen besuchten, dürften bei weitgehender Schätzung in dieser Zeit von den privaten jüdischen Volksschulen nur 600 bis 700 erfaßt sein. Wirtschaftsfragen auf der ÄC.-Sitzung R. S. Berlin, 30. Juli 1928 I. In seiner diesjährigen Julisession hatte das Aktionskomitee als parlamentarische Instanz der Zionistischen Weltorganisation wie in jedem kongreßlosen Jahre zunächst seine formalen Funktionen zu erfüllen. Das heißt, es mußte die Berichte der Palästina-Exekutive entgegennehmen und darnach das Budget für die kommende Arbeitsperiode bis zum Kongreß festlegen. Aus dem Bericht der landwirtschaftlichen Abteilung der Palästina-Exekutive geht hervor, daß das verflossene Jahr im großen und ganzen für die einzelnen Siedlungen günstig abschließt. Nur in der Jordansenke und im mittleren und östlichen Teil des Emek hat die Dürre erheblichen Schaden angerichtet. Hier ist die Ernte infolge der geringen Regenmengen und des völligen Ausbleibens des Spätregens teils völlig vernichtet, teils auf die Hälfte gesunken. Man bemüht sich, diese akute Notlage der Siedler zu lindern. Unter anderem wird versucht, von der palästinischen Regierung eine Steuerbefreiung für die betroffenen Siedlungen und Anleihen für den Ankauf von Saatgut zu erlangen. Die Palästina- Exekutive will in den betroffenen Gegenden eine Anzahl von ohnehin vorgesehenen Bauten vornehmen, die es den Kolonisten ermöglichen sollen, durch Außenarbeit einen Teil der Verluste wieder wettzumachen. — In den anderen Landesteilen stehen die Ernten günstig. Z. B. wurden durch rationelle Wirtschaftsmethoden und mit Hilfe der Versuchsstation teilweise Ernten er- zielt, deren Ertrag für palästinische Verhältnisse erstaunlich hoch liegt, so Erträge von 2000 bis 2300 kg Gerste pro Hektar usw. Derartige Leistungen lassen sich natürlich nicht verallgemei- Victoria-Motorräder 350 bis 600 ccm Prospekte und Verkauf durch die Vertretung Josef Mayr, München Thalkirchner Str. 66/70 Tel. 55136 und 57 5 93