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Das jüdische Echo · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das jüdische Echo Nummer 32 10. August 15. Jahrgang Sprechende Zahlen Die öffentliche jüdische Volksschule in der Statistik Von Julius Stern (Berlin) Die Kämpfe um das Reichsschulgesetz, das in seinen Auswirkungen sicher zu einer starken Konfessionalisierung der deutschen Volksschule geführt hätte, sind beendet, oder besser gesagt, es ist in ihnen eine Kampfpause eingetreten. Der erste Entwurf ist erledigt, ein neuer wird erst in einigen Monaten vorliegen. Doch ist es vielleicht gerade jetzt angebracht, einmal zu zeigen, wie weit innerhalb der jetzt bestehenden Gesetzesvorschriften das jüdische Element in den öffentlichen Volksschulen zur Geltung kommt. Die Erhebungen über das Volksschulwesen im Schuljahr 1926/27 und die kürzlich von der Staatlichen Auskunftsstelle herausgegebenen anläßlich der Bearbeitung des Reichsschulgesetzentwurfes aufgenommenen Ziffern ermöglichen einen Überblick über das uns interessierende Teilgebiet aus dem des öffentlichen Volksschulwesens. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei von vornherein betont, daß es sich bei den folgenden Betrachtungen nur um Volksschulen, und zwar nur um öffentliche Volksschulen, handelt, das heißt also um solche, bei denen Staat oder Kommune in erster Linie Träger der Schullasten sind. Es fallen also unter diesen Begriff weder die von jüdischen Gemeinden allein noch die von sonstigen privaten Stellen unterhaltenen Schulen. Zunächst interessiert uns die Frage: Wieviel öffentliche jüdische Volksschulen gibt es überhaupt im Deutschen Reiche? Im Vergleich zu den übrigen konfessionellen Schulen, auch unter Berücksichtigung unseres zahlenmäßigen Verhältnisses zur übrigen Bevölkerung, unverhälnismäßig wenig. Von 52 320 im Deutschen Reiche im Jahre 1926/27 bestehenden Volksschulen entfallen auf die evangelische Konfession 28 570, auf auf die katholische 15 009, Simultanschulen sind 8413 und jüdische — 121. Man muß natürlich in Betracht ziehen, daß die jüdische Bevölkerung oft so zerstreut in kleinen Landgemeinden wohnt, daß es nicht lohnen würde, für die geringe Anzahl Schüler eigene Schulen zu errichten. Daß aber beispielsweise in Berlin für 5345 jüdische Schüler, die christliche Volksschulen besuchen, keine öffentliche jüdische Volksschule besteht, während für die sechsfache Anzahl katholischer Kinder beispielsweise 57 Volksschulen vorhanden sind, dürfte doch immerhin ein Zeichen dafür sein, daß die „Belange“ der katholischen Kirche innerhalb der bestehenden Gesetze anders gewahrt sind als die unsrigen. Auf welche Länder und Landesteile verteilen sich überhaupt die öffentlichen jüdischen Volksschulen in Deutschland? In außerpreußischen Ländern sind solche nur in Bayern und Württemberg zu finden. Die meisten jüdischen öffentlichen Volksschulen — 38 — in Deutschland hat die preußische Provinz Hessen-Nassau. Die Tatsache, daß in Hessen-Nassau sich gerade trotz der sehr verstreut lebenden jüdischen Bevölkerung eine große Anzahl jüdischer öffentlicher Schulen befindet, ist in der alten kurhessischen Judengesetzgebung begründet. In weitem Abstand folgt Bayern mit 25, Rheinprovinz und Westfalen mit 24 bzw. 16. Die übrigen preußischen Provinzen, die öffentliche jüdische Volksschulen aufzuweisen haben, sind Hannover (9), Oberschlesien (6), Schleswig-Holstein und Grenzmark Posen-Westpreußen je 1. Wie stark werden die bestehenden jüdischen Volksschulen nun eigentlich besucht? In Hessen-Nassau gehen 447 Kinder in 38 Schulen, während im Rheinland 2084 Kinder 24 Volksschulen besuchen. Eine Tatsache, die Rückschlüsse auf die Dichte der jüdischen Bevölkerung erlaubt. In Bayern stehen 505 Kindern — also immer noch mehr als in Hessen-Nassau — 25 jüdische Schulen zur Verfügung. Die durchschnittliche Besuchsziffer der jüdischen Volksschulen, die außer in einigen rheinischen Großstädten wohl immer einklassige Schulen sind — also nur von einem Lehrer betreut werden —, ist 37, fast gleich der allgemeinen Klassendurchschnittsziffer, die auch eine Lehrkraft erfordert. In Hessen-Nassau dagegen beträgt der Besuchsdurchschnitt nur 11 und liegt hier wesentlich unter dem Durchschnitt. Vergleicht man diese Zahlen mit den Ergebnissen der Volksschulstatistik aus dem Jahre 1920/21, so sieht man deutlich, wie stark die öffentlichen jüdischen Volksschulen in dieser kurzen Zeitspanne abgenommen haben, ein trauriges Kapitel jüdischer Gegenwartsgeschichte wird hier mit Zahlen belegt. Immer wieder trat uns in den Nachkriegsjahren in Zeitungsmeldungen die Nachricht von dem Eingehen einer jüdischen Schule entgegen, oft genug ist von berufener Seite darauf hingewiesen worden, welch unermeßlichen Schaden diese Erscheinung gerade für die kleinen Landgemeinden, die doch in der Regel davon betroffen werden, bedeutet. Den wenigsten dürfte es aber doch klar vor Augen gestanden haben, daß seit 1 920 41,6 Prozent der öffentlichen jüdischen Volksschulen eingegangen sind. Von 207 im Jahre 1921 bestehenden Volksschulen existieren heute nur noch 121. Gewiß, die Zahl der übrigen Volksschulen ist auch etwas zurückgegangen, bei diesen beträgt die Verminderung aber nur 0,8 Prozent. Plötzlicher Rückgang der Schülerzahl in dieser Zeit kann nicht zu dieser starken Abnahme geführt haben, denn die Zahl der jüdischen Schüler in den öffentlichen Volksschulen hat nur um 15 Prozent abgenommen, während die Zahl der

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