Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- Seite 474 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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474 Das Jüdische Echo Nr. 30 SCHALL¬ PLATTEN ^o£,£rM£rgon,J9omokorb, ®rammopf)on, ‘ißarlopfjon RM.3.50 u.böher Scf)allbicf)te £)örfeabirten / ^reisliften umfonft MUSIKHAUS A A. SCHMID NACHF.9 MÜNCHEN Residenzstraße 7V gegenüber Hauptpost Wäre in dem Bericht die jüdische Arbeit in Frage gestellt worden, ich hätte die Verhandlungen abgebrochen; die Agency ist aber für die Prinzipien jüdischer Arbeit. Dr. Weizmann wies die Behauptung zurück, als hätte er die als „macchiavellistisch“ verschriene Resolution der Exekutive abgefaßt; er habe sie erst in Paris gelesen. Auch sie kann geändert werden. Das Leben ist stärker als Resolutionen. Ich für mein Teil lehne ein provisorisches Agency-Komitee ab, ich bin für ein Definitivum, für eine Agency mit einer Beteiligung von mindestens sechs Ländern. Wenn man glaubt, daß man mit dem Bericht nur so herumspringen kann — nein! — es heißt; annehme.n oder ablehnen! Mit einer zweifelhaften Majorität können wir nicht zu Verhandlungen gehen. Die Agency wird auch für die späteren Generationen geschaffen. Der Kongreßbeschluß betreffend ein dreijähriges Provisorium steht uns im Wege. Wir werden unseren Partner ersuchen, diesem Beschluß zuzustimmen; wenn dies aber nicht angeht, so werden wir den Kongreß ersuchen müssen, diesen Punkt zu revidieren. Die Agency kann eine große Sache werden. Ich richte die letzte Mahnung an die Zionistische Organisation, auf die niemand ein Monopol haben kann, die auch ein Teil meines Ichs ist. Ich erwarte Ihren Beschluß. Zum Schluß verlas Dr. Weizmann das Gutachten einer juridischen Kommission, wonach zur Erweiterung der Jewish Agency eine Abänderung des § 4 des Mandates nicht notwendig ist. Das Schulwesen in Palästina Von Dr. Hugo Bergmann Von welcher Bedeutung das Erziehungswerk in Palästina für die zionistische Sache ist, braucht nicht erst besonders bewiesen zu werden. Darum bietet der offizielle Bericht der Mandatsregierung für 1926/27 über diesen Zweig ihrer Verwaltungstätigkeit für die Juden sehr großes Interesse. Der Bericht gibt in vieler Hinsicht zu denken. Zunächst eröffnet er einen Einblick in die Arbeit, diedie Regierung zur Hebung des kulturellen Niveaus bei den Arabern geleistet hat. Die Zahl der Schüler in den Regierungsschulen hat sich seit dem Jahre 1920, wo sie ihre Tätigkeit aufnahmen, verdoppelt. Sie beträgt jetzt 20 000 Schüler. Besonders zwei Aufgaben hatte die Regierung sich von vornherein gesetzt. Die Einbeziehung des flachen Landes in das Schulwesen und die Einbeziehung der Mädchen. Man hatte sich einen festen Plan gemacht, nach dem jedes Jahr 75 Schulen eröffnet werden sollten und man dachte danach im Laufe von sieben Jahren etwa das Schulnetz Palästinas ausbauen zu können. Diese Pläne kamen freilich aus Geldmangel nicht ganz zur Ausführung. Die einzelnen Dorfgemeinden bauen selbst nach Plänen der Regierungsingenieure die Schulhäuser, die den strengsten sanitären Forderungen entsprechen müssen. Dafür zahlt die Regierung den Lehrer, der ein Gehalt von 5 bis 11 Pfund monatlich bekommt, ein Lohn, der für palästinisch-arabische Verhältnisse hoch genug ist, um für die höheren Mittelklassen den Lehrerberuf anziehend zu machen. Der Unterricht umfaßt freilich nur die elementarsten Gegenstände. Ein besonderer Wert wird auf die Gesundheitslehre gelegt und viele sanitäre Maßnahmen, wie die Trachombehandlung, sind Amtspflicht der Dorflehrer. Die Fellachen scheinen zu finden, daß von diesen Schulen ein Segen ausgeht. Jedenfalls sind die Eltern, die doch selbst Analphabeten sind, eifrig bemüht, ihren Kindern diesen Vorteil zu sichern, die Baukosten werden gern übernommen, das Gebäude jedem Fremden mit Stolz gezeigt, und die Kinder werden von den Eltern sehr regelmäßig in die Schule geschickt. Kommen hingegen Verstöße vor, so schließt die Regierung die Schulen und stets hat diese Maßnahme die gewünschte Wirkung. Die Mädchenbildung setzt sich unter der meist muselmanischen Bevölkerung relativ langsam durch. Es fehlt auch sehr an Lehrerinnen. Die Regierung unterhält eine Lehrerinnenbildungsanstalt mit Internat. Es ist gelungen, eine größere Zahl von Lehrerinnen heranzubilden, aber es fehlt noch immer an Lehrerinnen für das Dorf. Die ausgebildeten Mädchen tendieren meist nach der Stadt und außerdem ist die Zahl der Muselmaninnen unter ihnen relativ klein und man kann in die von Moslems bewohnten Dörfer keine Christinnen schicken. Man hat schon verschiedene Maßnahmen erwogen, diese Verhältnisse zu bessern und besonders der „Landflucht“ Einhalt zu tun, jedoch ist das Problem vorläufig noch ungelöst. Der Regierungsbericht beschäftigt sich auch eingehend mit den unter Regierungsaufsicht stehenden Privatschulen, so auch mit den zionistischen. Man legt an sie einen anderen Maßstab an als an die arabischen Schulen und hat sie wohl mehr an den englischen gemessen. Nur so erklärt sich der Tadel gegen „kontinentale“ Methoden des Unterrichts in den zionistischen Schulen, d. h. eine allzu theoretische Lehrweise ohne Heranziehung der Schüler zur Mitarbeit. Es wird auch mangelnde Gründlichkeit und mangelnde Erziehung zur Akkuratesse hervorgehoben, aber auch betont, daß die zionistischen Schulen den Gesichtskreis der Schüler erheblich weiten und ihnen große Interessengebiete erschließen. Das Heft enthält auch sehr erhebliches und detailliertes statistisches Material. Es gibt etwa 67000 Schüler in Palästina; mehr als ein Drittel von ihnen, 27 000, sind Juden, während die Juden noch nicht ein Sechstel der Bevölkerung bilden. Das größte einheitliche Schulwerk ist das der Regierung mit seinen 20 000 Schülern, unter denen die Moslems, in deren Interesse dieses Schulwerk ja auch gegründet wurde, bei weitem überwiegen (88 Prozent). Fast ebenso groß ist das zionistische