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Das jüdische Echo · 1928-07-27 · 30 (27.7.1928) · p. Seite 473

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 473 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 473 Agency-Politik, der Sprecher der Poale Zion erklärte, daß seine Genossen sich nur schweren Herzens von Dr. Weizmann, mit dem sie einträchtig zusammengearbeitet haben, trennen würden, daß sie aber dennoch die Ablehnung des Agency-Berichtes fordern, auch wenn Weizmann dann zurücktreten müßte. Den Höhepunkt der Auseinandersetzung bildete die Nachtsitzung, in der die Mitglieder der Exekutive, Dr. Harry Sacher und Louis Lipsky, und der Präsident der Exekutive, Nahum Sokolow, Erläuterungen zu dem Bericht gaben und den eindringlichen Appell an die A.C.-Mitglieder richteten, den Bericht mit großer Mehrheit anzunehmen, da nur dann die Gewähr für die erfolgreiche Führung weiterer Verhandlungen mit den Führern der Nichtzionisten gegeben seien. Zum Schluß hielt unter ungeheurer Spannung der A.C.-Mitglieder und der sehr zahlreich erschienenen Gäste der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, eine längere Rede, die sich zu einer seelischen und geistigen Rechenschaft gestaltete. Die tiefe Bewegtheit, mit der der Redner sprach, übertrug sich auf die Zuhörer. Dr. Weizmann ging die Geschieh te der 5 Jahre Jewish-Agency-Politik durch. Tiefsten Eindruck machte es, als er —■ zu seinen früheren Anhängern, den Arbeitervertretern gewendet — sagte, er habe oft Kompromisse schließen müssen, um die Reinheit der Gesinnung seiner arbeitenden Freunde bewahren zu helfen. Zum Schlüsse forderte er eine klare Majorität für den Agency-Bericht, mit dem man „nicht so herumspringen könne, wie man meint“, und kündigte an, er werde die andere Partei (Louis Marshall) auffordern, dem Kongreßbeschluß betreffend ein dreijähriges Provisorium der Agency zuzustimmen; sollten sich diese damit nicht einverstanden erklären, so werde er dem kommenden Zionistenkongreß Vorschlägen, den Beschluß über das Provisorium abzuändern. — Spät nach Mitternacht schloß die denkwürdige Sitzung. Am Montag den ganzen Tag über tagten die vom A.C. gewählten drei großen Kommissionen, die politische und Jewish-Agency-Kommission, die Kommission für Palästina-Arbeit und Budget, sowie die Anleihe-Kommission. Die Rede Weizmanns Die Gegner haben sich mannigfache persönliche Ausfälle geleistet, ich will nicht in ihre Fußstapfen treten, aber doch mich nicht einer persönlichen Note enthalten. Mir wurde der Vorwurf des De f a i t i s m u s gemacht. Wie soll man diese Logik verstehen, wo ich von Land zu Land gelie, um Arbeit zu tun. Ich kann meinen Gegnern nur raten, es mir nachzutun. Fünf schwere Jahre der Agency-Politik liegen hinter mir, und nicht zum erstenmal wurde mir das schöne Wort „Verräter“ zugerufen. Die heutige Debatte hat ein Analogon in den Geschehnissen des Jahres 1919; damals schon belegte man mich mit dem Titel jedes Führers: „Verräter“. Seit 30 Jahren bemüht sich die Zionistische Organisation, die anderen Kreise heranzuziehen. Ich handelte in diesem Sinne und hatte Erfolg. Melchett ist nur ein Fall unter vielen. Es gab aber Kreise, die man nicht in die Organisation hineinbringen konnte; auch zu diesen mußte eine Brücke gebaut werden. Den Herren von der Linken aber sage ich: Ich habe in meinem Leben viele Kompromisse geschlossen, damit sie ihre Gesinnung rein erhalten können. Und heute diese Haltung! (Bewegung im Saale.) In den Couloirs soll man gesagt haben, es gäbe außer mir heute keine Führung; ich habe eine bessere Meinung von den Zionisten. Für mich wäre es eine seelische und körperliche Befreiung, die Ketten los zu werden. Es sind heilige Ketten, aber sie drücken. Aber solange ich die Führerschaft inne habe, bin ich von einer heiligen Unruhe gepeitscht, die Arbeit fortzusetzen. Ich bewundere jene, die mit pharisäischen Formeln sich über diese Fragen hinwegzusetzen versuchen, wo es sich doch um fünf bis sechs Jahre Stehenbleiben oder Vorwärtsschreiten handelt. Denen, die glauben, den Puls der Masse zu fühlen, rufe ich zu: Wenn ihr mit der Ablehnung der Agency zur Masse kämet, sie würde euch zerfleischen. Manches ist an dem Bericht auszusetzen, er ist das Resultat einer unbeeinflußten Expertise. Ich habe nie den Bericht als Ultimatum aufgefaßt. Die Bemerkung betreffend Keren Käjemeth ist keineswegs eine Instruktion an die Exekutive. Gedacht ist an die Schaffung einer Landesreserve, gedacht ist auch an die Chaluz-Kolonisation, nie aber an eine Verletzung von Kongreßbeschlüssen. In der Anleihefrage wurden ziemliche Fortschritte gemacht. Es ist aber Tatsache, daß wir keine rechte Sicherheit bieten können, wenn Kolonien nach 14jähriger Arbeit keine Rückzahlungen leisten. Eine Landesreserve wäre eine Sicherheit. Die Gegner sagen, wir werden die notwendigen Mittel im Volke selbst finden. Sechs Jahre habe ich im Schützengraben des Geldsammelns geblutet; auf die Dauer ist das nicht zu machen. Der neue AUSTRO-DAIMLER 6 Cylinder, 12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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