Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-07-27 · 30 (27.7.1928) · p. Seite 469

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 469 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156894--08642-9081360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 30 Das Jüdische Echo 469 Chevrolet j Oakland La Salle General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 zeugt, daß sie sich noch längst nicht durchgesetzt hat, daß es immer noch viele Centralvereinler gibt, die der Anschauung sind, daß die Juden sich ihre Gleichberechtigung durch besondere Leistungen verdienen und deshalb auch dauernd von ihrer Verbundenheit mit Deutschland reden müßten. Reste dieser Anschauung finden sich auch bei Holländer, der die ständige Betonung dieser Verbundenheit für nötig hält, als eine „durch unsere innerste und tiefste Überzeugung und durch die Umstände bedingte Maßnahme.“ Uns scheint dieser Satz nach dem Vorhergehenden reichlich unverständlich, und wir wären deshalb auch gar nicht erstaunt, wenn auf dem Wege über diese mysteriösen und Undefinierten, wahrscheinlich auch undefinierbaren „Umstände“ die ganze Centralvereinsideologie wiederkehren würde. Hoffentlich wird uns das Herr Holländer nicht als eine neue Verdächtigung ankreiden und uns vorwerfen, wir versuchten klaren und eindeutigen Worten einen zweideutigen Sinn unterzuschieben, wie wir das im „Falle Vandervelde“ getan haben sollen. Wenn uns das Dementi des Centralvereins vom 1. Juni noch in manchen Punkten der Aufklärung bedürftig erschien, so mag das an unserem besonderen Unverständnis liegen; wir können in jenem Dementi jedenfalls auch heute nur lesen: „denn die Übersetzung ist von uns weder hergestellt noch finanziert, noch versandt worden. Es war uns auch noch nicht möglich festzustellen, wer ihr Urheber gewesen ist“. Man muß doch nicht ohne weiteres annehmen, daß in dieses „uns“ jeder Herr aus der Leitung des Centralvereins eingeschlossen ist. Wir nehmen jedenfalls zur Kenntnis, daß auch Herr Staatsrat Cohn und Herr Dr. Weil von dieser Sache nichts wußten; daß aber unser damaliger Kommentar, in dem wir uns dagegen wandten, daß der Centralverein in seiner Aufklärungsarbeit antizionistische Propaganda und noch dazu außerhalb der Grenzen Deutschlands einbeziehe, nicht zu Unrecht erfolgte, beweist Holländer ja erneut, wenn er erklärt, daß auch eine solche Tätigkeit in den Aufgabenkreis des Centralvereins falle, „wenn ein solcher Schritt von uns unternommen worden wäre“. Diese Erklärung kann u. E. nichts anderes besagen, als daß alles, was der Centralverein tue, richtig sei, und zwar deshalb, weil er es tue. Eine verblüffende Argumentation, auf Grund deren man zwar noch ganz andere Dinge verteidigen könnte, die aber deshalb nicht weniger falsch ist. Wenn Herr Holländer keine besseren Gründe für eine solche Tätigkeit des Centralvereins findet, dann sollte er lieber dafür sorgen, daß sie gänzlich unterbleibt — was wir im Interesse der Befriedung der deutschen Judenheit auch hoffen möchten. Es wäre noch über manche Einzelheiten des langen Aufsatzes zu sprechen, so vor allem auch über die Frage, ob die Praxis des Centralvereins mit dem von Holländer aufgestellten Theorien übereinstimmt, oder ob sie nicht viel mehr von anderen Grundsätzen sich bestimmen läßt. In einem jedenfalls dürfte Holländer vollständig Recht haben: Es ist unmöglich, den weltanschaulichen Gegensatz zwischen Zionisten und Anhängern des Centralvereins, der darin besteht, daß die einen glauben, die Judenfrage sei prinzipiell gelöst, die anderen aber, sie müsse erst in der Zukunft und könne nur in und durch Palästina gelöst werden, durch Aussprache aus der Welt zu schaffen» Das sollte aber, wie Holländer ja auch selbst betont, nicht daran hindern, daß die Gegner in vielen praktischen Dingen miteinander gehen; ohne Konzession in Gesinnungsfragen sollte ■es möglich sein, daß z. B. der Centralverein Anteil am Aufbauwerk in Palästina nimmt. Holländer deutet in seinem Artikel die Bereitwilligkeit zu einer solchen Beteiligung an, er macht sie aber davon abhängig, daß nach dem Zustandekommen der erweiterten Jewish Agency auch die Nichtzionisten einen maßgebenden Einfluß gewinnen könnten und daß eine dem Wesen des Centralvereinsstandpunktes liegende Auffassung herrschend bleiben müsse, wenn die Gesamtheit des Judentums sich am Aufbauwerk in Palästina beteiligen solle. Gleichgültig, ob nun diese Erweiterung der Jewish Agency in der nächsten Zeit gelingt oder nicht, steht zu hoffen, daß die beginnende Einsicht von der Verpflichtung der Ge samtjudenheit dem Palästinawerk gegenüber sich im Centralverein durchsetzt und vertieft, und daß der Centralverein auch noch die Hemmungen überwindet, die ihn heute von der Mitwirkung an diesem Werke der jüdischen Zukunft abhalten. Es ist ja nach Holländer nicht so sehr der nationale Charakter des Palästinawerks, der den Centalverein zur Ablehnung des Keren Hajessod veranlaßt, als die Meinung, der Keren Hajessod sei bestrebt, jede Einrichtung in Palästina „nach ihre politischen Wirkung auf die gesamte Judenheit zu beurteilen“. Dabei bleibt unerfindlich, wie man das gerade vom Keren Hajessod behaupten kanr, wo es nicht einmal auf die zionistische Bewegung selbst zutrifft. Wurde doch in allen Kundgebungen, so besonders in der Balfour-Deklaration und im Mandat eigens betont, „daß nichts getan werden solle, was die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, beeinträchtigen würde.“ Wie man yn Centralverein eirizusehen beginnt, daß jeder Aufbau Palästinas aus Gründen, die in ihm selbst liegen, vor allen Dingen jüdisch sein muß, wie man erkannt hat, daß das Werden und Gedeihen Palästinas seine eigenen Gesetze hat, so wird man vielleicht auch noch verstehen lernen, daß diese Gesetze des Werdens und Gedehens in Palästina bestimmt werden von den Men- TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KÜHLES # MÜNCHEN RASPSTRASSE 6 TELEPHON 92200

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.