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Das jüdische Echo · 1928-07-27 · 30 (27.7.1928) · p. Seite 468

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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468 Das Jüdische Echo Nr. 30 „Darunter sind Bestrebungen zu verstehen, die einen kulturellen und politischen Mittelpunkt für das Judentum der Welt in Palästina begründen wollen.“ Der Keren Hajessod werde vom Centralverein nicht abgelehnt, weil, was selbstverständlich sei, beim Aufbau Palästinas das Jüdische im Vordergrund stehe und sich durch die Tatsache der Zusammenfassung einer großen Menge von Juden in einem Bezirk auch außerhalb der Religion bedingte jüdische Kultur Wirtschafts¬ und Rechtsanschauung bilden müßten, sondern weil er anstrebe in Palästina „ein jüdisches Zentrum für alle Juden der Welt zu schaffen und demgemäß jede Einrichtung dort nicht nach ihrer wirtschaftlichen Wirkungskraft, nicht nach ihren Wirkungskoeffizienten, sondern nach ihrer politischen Wirkung auf das gesamte Judentum der Welt beurteilt“. „Wird einmal die Jewish Agency gegründet und so ausgebaut werden, daß auch Nichtzionisten in ihr einen maßgeblichen Einfluß gewinnen können, so wird die Möglichkeit einer Mitarbeit an dem Aufbauwerk für alle Juden geschaffen sei n.“ Der Keren Hajessod müsse auch deshalb abgelehnt werden, weil die religiöse Strömung in einem großen Teil des Zionismus immer mehr zurückgehe. Der Centralverein wolle sich nicht die Anschauung zu eigen machen, daß das Palästinawerk nur eine Wohltätigkeitsangelegenheit sein solle; jede Kolonisation, die wirklich erfolgreich sein solle, müsse eine volkswirtschaftliche Angelegenheit sein. Die Agitation für den Keren Hajessod in der Richtung des „Hineingleitens“ in den Zionismus könne für die Dauer keine Früchte tragen. Dem Centralverein scheine es außer- Schüße Dein Koftbarstes — — Deine öefunbheit! burdj ben Genuß bernikotinarmen Tlss=3igaretten Sapljir 4 Pfennig Orange 5 Pfennig Rubin 6 Pfennig 88,2"« weniger Nikotin salpeterfreies Papier Keine öefcbmacksänbening zu ijaben in ißrem Spezialgefd)äfte 3igarettenfabrik ASS K. 6. Jllüncijen S.0.2 ordentlich gefährlich, den Aufbau Palästinas, der doch wahrlich dazu bestimmt wäre in die Zukunft j zu weisen, auf gegenwärtig geltenden poli- tischen Theorien aufzubauen.“ „Das Werden und Gedeihen Palästinas hat seine eigenen Gesetze. '■ Sie zu finden wird eine Aufgabe des gesamten f Judentums sein.“ Holländer schließt: „So liegen unserer Auffassung nach die Dinge. Sie sind nach keiner Richtung hin geeignet, einen Kampf zu unterbinden, der in seinen Auswirkungen dem Judentum nur förderlich sein kann. Deswegen sollte j man immer wieder eine Klärung der Meinung auf sachlicher Basis versuchen. Das hindert nicht, auf der anderen Seite den G e- ■ danken der Friedensliga durchaus zu unterstützen. Allerdings muß jeder Gedanke an I Unredlichkeit des Gegners ausgeschaltet werden. Voraussetzung müßte sein, daß man die M ö g - i lichkeit einer Erlösung von Judenhaß — nicht nur innerhalb unseres Vaterlandes — grundsätzlich bejaht und sich nicht auf den Standpunkt stellt, daß nur eine Er- 1 neuerung des Judentums, eine Revolutionierung 1 der jüdischen Menschen eine wesentliche Änderung der Dinge hervorrufen könne.“ * * * Holländers Aufsatz ist zweifellos ein beachtens- * werter Versuch, die Atmosphäre zu reinigen, ’ wenn auch ein großer Teil seiner Ausführungen nach wie vor auf das Entschiedenste bestritten werden muß. So ist es z. B. keineswegs richtig — und das läßt sich an zahlreichen Fällen beweisen —, daß der Centralverein niemals eine „Preisgabe der Zionisten“ gewollt habe; zum mindesten mußten viele seiner Äußerungen und auch seiner Handlungen den Eindruck erwecken, als ob dieser Zweck erreicht werden solle. Auch hat u. E. der Centralverein wenig Veranlassung, sich über scharfe und unvornehme Kampfesweise zu bekla- : gen; die Tatsache allein, daß die ganze Auseinandersetzung hervorgerufen wurde durch die Annahme der Resolution Mecklenburg, beweist dies % ja deutlich genug. Von solchen Einzelheiten aber, ‘rbei denen doch nur schon oft Gesagtes wiederholt werden könnte, sei hier abgesehen; auch von einer * Stellungnahme zu dem „positiven“ Programm des J Centralvereins, zu dem sehr viel zu sagen wäre; \ uns scheint der Aufsatz Holländers vor allem in- ' sofern beachtenswert, als er in vielen und we-; sentlichen Dingen die durch die Resolution Mecklenburg gegebene Grundlage aufgibt. (Holländer hat ja auch auf der Hauptversammlung bereits f gegen die Annahme dieser Resolution gekämpft.) Dadurch ist bewiesen, was wir schon früher behaupteten, daß die scharfe Richtung im Centralvercin gar nicht so sehr die Oberhand hat, wie es scheinen könnte, und das Wort von den Extremisten, sowie das weitere, daß man j überall in zweifelhaften Dingen Freiheit walten; lassen sollte, scheint uns vielmehr auf Mecklenf bürg und seine Richtung im Centralverein gemünzt zu sein, als auf irgend jemand sonst. Besonders auffällig wird dieser Kontrast in der Begründung des Staatsbürgerrechts der Juden, wo Holländer zugibt, daß die Gleichberechtigung | der Juden in der Verfassung ihre Stütze findet f und in der Tatsache, daß die Bürger jedes mo- | dernen Staatswesens, die die Gesetze befolgen I und damit ihren Pflichten dem Staate gegenüber! nachkommen, den Anspruch auf gleichwertige; Behandlung genießen. Diese Erkenntnis scheint \ uns zum ersten Male in solcher Klarheit von Centralvereinsseite ausgesprochen, und wir sind über- *

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