Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das jüdische Echo Nummer 30 27. Juli 15. Jahrgang Innerjüdische Auseinandersetzung Seitdem der Centralverein auf seiner Hauptversammlung im Februar die Resolution Mecklenburg angenommen und damit beschlossen hat, den Kampf gegen die zionistischen Anschauungen vor der breitesten deutschen Öffentlichkeit auszutragen, hat sich in der deutschen Judenheit wieder einmal eine Auseinandersetzung entsponnen, die bisher noch nicht zur Ruhe kommen konnte. Selbstverständlich konnten die Zionisten den unerwarteten und unbegründeten Angriff des Centralvereins nicht ruhig hinnehmen; auf großen Kundgebungen in Berlin, schließlich durch die Annahme einer Resolution auf dem Breslauer Delegiertentag wurde die innere Schwäche der Position des Centralvereins gezeigt und sein Vorstoß ernst und würdig zurückgewiesen. Darüber hinaus aber war es nötig, in einzelnen Fällen auch Taten zu kritisieren, die aus dieser inneren Einstellung des Centralvereins entsprangen, z. B. die Betätigung des Centralvereins im Wahlkampf u. a. m. Die Breslauer „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland“ hat nun versucht in diese zum Teil sehr heftige Auseinandersetzung (an der sich das „Jüdische Echo“ beteiligte) dadurch einzugreifen, daß sie eine Reihe von Meinungsäußerungen führender jüdischer Persönlichkeiten, von Zionisten und Angehörigen des Centralvereins, veröffentlichte mit dem Zweck, eine Friedensliga der deutschen Judenheit zustandezubringen. Es ist unnötig, die einzelnen Phasen dieser Aussprache zu charakterisieren; der letzte durch sie hervorgerufene Artikel von Ludwig Holländer, dem Direktor des Centralvereins, der gleichzeitig in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland“ und in der „Centralvereins-Zeitung“ erschien, bringt jedoch einige wichtige Feststellungen, die nicht unerörtert bleiben können. Holländer führt zunächst aus, daß der Centralverein seine Gegner immer geachtet und geehrt habe, daß aber die Zionisten dies meist unterließen; er nimmt dann weiter zu der Behauptung Stellung, daß der Centralverein, indem er seine Argumentation auf den antinationalen Charakter des Judentums aufbaue, die Nationaljuden preisgebe und erklärt, dies sei „niemals“ der Fall gewesen. „Die geforderte Gleichberechtigung findet ihre Stütze in der Verfassung. Sie findet sie in der Tatsache, daß die Bürger jedes modernen Staatswesens, die die Gesetze befolgen und damit ihren Pflichten dem Staate gegenüber nachkommen, auch Anspruch auf gleichwertige Behandlung genießen. Wenn wir, wie gesagt, darüber hinaus für unsere Weltanschauung die Betonung unserer Verbundenheit mit Deutschland niemals unterlassen, so ist das lediglich eine durch unsere innere und tiefste Überzeugung und durch die Umstände bedingte Maßnahme. So hat sie weder einen äußeren Zweck, noch soll sie etwa bewirken, andere Bürger als dem Staatsgesetz und der Verfassung gegenüber minderwertig erscheinen zu lassen.“ „Demnach kann weder von Denunziation noch von Scheinheiligkeiten gesprochen werden.“ Holländer versucht dann weiter aus einem Buberzitat und Gedankengängen verschiedener zionistischer Redner des Breslauer Delegiertentages nachzuweisen, daß sich in der zionistischen Auffassung der Aufgaben des Judentums im Galuth eine Wandlung vollzogen habe; er spricht über den positiven Wert der Abwehrarbeit, über das positive Programm des Centralvereins, das den Versuch darstelle, „die von zionistischer Seite so sehr verfemte Synthese von Deutschtum und Judentum Ihrer Verwirklichung zuzuführen.“ Die sittliche Berechtigung dieses Standpunktes müsse auch vom Gegner anerkannt werden. Extremisten gebe es überall, gerade deshalb aber sollte man nach dem Grundsatz verfahren, „in zweifelhaften Dingen überall Freiheit walten zu lassen“. In der letzten Zeit aber habe man zu wiederholten Malen den Centralverein in wenig vornehm scheinender Weise verdächtigt und so den Weg zu friedlichem Ausgleich aufs neue erschwert. Der Centralverein mache nur von dem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch, wenn er Interessenten an der Palästinabewegung die Broschüre der Herren Weil-Cohn zugänglich mache. Obwohl der Centralverein bereits am 1. Juni festgestellt habe, daß es weder ihm noch den Herren Cohn oder Weil bekannt sei, ob eine Übersetzung der Weil-Cohnschen Vorträge dem Minister Vandervelde überreicht wurde, habe das „Jüdische Echo“ am 22. Juni „erneut die als Unwahrheit bezeichnete Behauptung aufgewärmt und versucht dem klaren und eindeutigen Dementi des Centralvereins, an dem es selbstverständlich nicht Vorbeigehen konnte, einen zweideutigen Sinn unterzuschieben“. „Und wenn die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland4 an uns die Frage richtet, ob die Übersetzung eines solchen ,Pamphlets4, wie die- Herren sich ausdrücken, ins Französische und seine Versendung an einen christlichen Politiker des Auslandes in den Aufgabenkreis des Centralvereins falle, so müßte diese Frage bejaht werden, wenn ein solcher Schritt von uns unternommen worden wäre. Denn oben wurde dargelegt, daß wir die Verwurzelung mit unserer Heimat als eine Lebensnotwendigkeit für uns betrachten, daß wir in der Schaffung einer zweiten politischen Heimat nicht unser Ideal erblicken können, weil wir in ihr weder eine Forderung des Judentums noch eine Forderung, die unserer Einstellung zur deutschen Umwelt entspringt, sehen. Es wird von unseren Gegnern stets verkannt, daß wir nach keiner Richtung hin Gegner des palästinischen Aufbaues s i n d.“ Auch auf zionistischer Seite seien ja scharfe Kritiker des Aufbauwerks vorhanden, die deshalb noch lange nicht als schlechte Judten bezeichnet würden. Unberechtigt und unvornehm sei die Art, wie die „Jüdische Rundschau“ die Wahlarbeit des Centralvereins behandelt habe.— Der Centralverein begrüße jedes Aufbauwerk in Palästina, das sich von nationalen Bestrebungen freihalte.