Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 29 (20.7.1928)
- Date
- 1928-07-20
- Page
- Seite 461 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 461 IIHIIIIIIIII» 1111 1 »IUI HL III II 1 1 11 | || Feuilleton | | | f II I II II III 111 1 1111 Sagen und Mythen vom Falle Jerusalems Zum 9« Ab Die Töchter Jerusalems Darum, daß die Töchter Zions stolz sind und .gehen mit emporgerecktem Halse — so schilt Jesaja der Prophet. Sie trugen nämlich ihren Kopf hoch, um mit ihren Schmuckstücken zu prangen; dazu untermalten sie ihre Augen mit blutroter Schminke. War eine hochgewachsen, so ließ sie sich von zwei Mägden begleiten, die kleiner waren als sie, damit die Größe ihrer Gestalt noch mehr ans Licht trete. War eine klein, so trug sie Schuhe mit dicken Sohlen, um groß zu erscheinen. Auch pflegten die Töchter Jerusalems ein hohles Ei mit Balsam gefüllt in ihren Schuhen zu tragen. Kam nun eine Schar Jünglinge, so stampfte das Mädchen mit dem Fuße auf, die Schale zerbrach, und der Duft des ausströmenden Balsams hatte auf die Jünglinge die Wirkung von Schlangengift. Jesaja predigte ihnen Buße, damit die Feinde nicht über das Land kämen. Aber die leichtfertigen Frauen entgegneten: Dringen die Feinde zu uns, was können sie uns Übles tun? Ein fremder Fürst, sobald er eine von uns erblickt, nimmt er sie fort und macht sie zu seiner Frau. Ein Feldherr, der unsere Schönheit sieht, gewinnt uns lieb. Ein hoher Rat wird von unserer Anmut gefangen und setzt das Mädchen in seinen Wagen. Als durch die Sünden der Frauen Jerusalems der Feind wirklich kam, putzten sie sich wie Huren auf und zogen aus der Sadt ins Lager hinaus; und die fremden Söldner, Führer und Fürsten buhlten mit ihnerf und ließen sie in ihren Wagen fahren. Sogleich machte der Herr die Scheitel der Töchter Zions kahl. Er ließ ihre Haare aussätzig werden, und ihre Haare wurden von Läusen übersät. Vom letzten Kampf Als der Bösewicht Nebukadnezar mit seinen Fürsten über Jerusalem herfiel, da hofften sie es in kurzer Zeit einzunehmen. Allein der Herr stärkte die Kraft derer zu Jerusalem drei Jahre lang, denn er wähnte, sie würden Buße tun. Es gab Helden ohne Zahl in der heiligen Stadt, und die kämpften mit den Chaldäern und machten viele von ihnen nieder. Im besonderen tat sich ein Held hervor, mit Namen Akiba. Er fing die Steine auf, die die Feinde gegen die Mauer schleuderten, und warf sie auf diese selbst zurück, so daß viele umkamen. Danach ließ er die Steine auch an seine Füße anprallen und stieß sie mit diesen zurück auf die Angreifer. Allein das Maß der Sünden wurde voll, ein Sturm kam, und der warf Akiba von der Mauer hinunter, daß er zerschmettert wurde und starb. Alsbald wurde die Mauer durchbrochen und die Chaldäer drangen in die Stadt. In dieser Stunde beschwor Hanamael, der Oheim Jeremias, die diensttuenden Engel bei dem hochheiligen Namen, und sie fuhren hernieder, bewaffnet auf die Feinde. Wie die Chaldäer das gewahr wurden, zerstoben sie in Angst, allein der Herr veränderte die Namen der Engel und ließ sie wieder in den Himmel fahren. Hanamael versuchte sie nochmals herunterzuholen, es war aber vergeblich, denn ihre Namen waren jetzt anders. Nunmehr beschwor Hanamael den Fürsten der Welt bei dem heiligen Namen, und der hob Jerusalem empor, daß es in der Luft schwebte. Allein der Herr stieß es in seinem Zorn vom Himmel und es fiel auf die Erde. Da brachen die Feinde ein und zertrümmerten die Häuser; sie drangen in den Tempel und steckten ihn in Brand. Die Hungersnot Und das Brot ging aus in Jerusalem. Zu Anfang, da erhielt man für eine Schüssel voll Gold eine Schüssel Weizenkörner. Hernach gab es für die Schüssel Gold nur eine Schüssel Roggen, hernach nur noch eine Schüssel Gerste und zuletzt nur noch eine Schüssel Stroh und tranken die Brühe. Einer von den Großen Jerusalems sprach zu seinem Knaben: Geh’ und bringe mir ein wenig Wasser. Der Sklave zog aus und der Herr bestieg das Dach seines Hauses und hielt von da Ausschau nach ihm. Der Bote kam zurück und sagte: Es war kein Wasser zu finden. Da sprach sein Herr: Zerbrich deinen Krug. Der Sklave warf das Gefäß zur Erde und es zerschellte. Und der vornehme Mann stürzte sich vom Dach seines Hauses und war tot, und die zerschmetterten Glieder mischten sich mit den Scherben des Topfes. Der neunte Ab Die edlen Kinder Zions, dem Golde gleich geachtet, wie sind sie nun den irdenen Töpfen gleich, die ein Töpfer macht. Rabbi Jose erzählt: Die Stunde, in der der Tempel zerstört worden ist, war der Ausgang des Sabbattages und der Ausgang des Sabbatjahres; es war die Nachtwache des Jehojarib; es war am neunten Tage des Monats Ab. Und so war es auch bei der Zerstörung des zweiten Tempels. Und beidemal taten die Leviten ihren Dienst und sangen den Psalm: Und der vergelte ihnen ihr Unrecht und vertilge sie um ihre Bosheit, er vertilge sie, der Herr, unser Gott! (Psalm XXVIII/4). ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Oabelibergerslr. 62 # Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts- Ausbildung