Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 29 (20.7.1928)
- Date
- 1928-07-20
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Das Jüdische Echo Nr. 2 Rumänische Justiz Ungeheuerliches Urteil gegen 18 jüdische Bürger in Piatra-Neamtze Bukarest, 8. Juli. (JTA.) Das Distriktsgericht von Piatra-Neamtze hat als Berufungsgericht das Urteil gegen achtzehn jüdische Bürger, die sich im Jahre. 1925 der Mißhandlung der rumänischen Schüler Belenescu, Herghelegiu und Huditsch schuldig gemacht haben sollen, gesprochen. Es handelt sich, wie erinnerlich, um den folgenden Fall. Am Versöhnungstag des Jahres 1925, als die Judenschaft von Piatra-Neamtze zur Andacht in der Großen Synagoge versammelt war, eröffneten Schüler des rumänischen Gymnasiums ein Steinbombardement gegen die Synagoge. Sämtliche Fensterscheiben gingen in Trümmer, mehrere Andächtige erlitten Verletzungen. Die Andächtigen stürzten panikartig auf die Straße, einige von ihnen ergriffen aus der Mitte der flüchtenden Attentäter die genannten drei Schüler, um sie der Polizei zu übergeben. Es konnte nicht verhindert werden, daß inzwischen empörte Andächtige den ergriffenen Missetätern Prügel verabfolgten. In den folgenden Tagen wurden zahlreiche jüdische Bürger verhaftet, in den Anklagezustand versetzt und zu schweren Kerkerstrafen verurteilt. Vor dem Berufungsgericht traten als Vertreter der mißhandelten Schüler die bekannten antisemitischen Hetzer Corneli Codreanu, Wassiliu, Adran Lasariu, Girnietza und Climercu auf. Nach langen judenhetzerischen Plädoyers beantragten sie schwere Strafen gegen die jüdischen Bürger. Die Vertreter der Angeklagten, die Advokaten Anton, Jaaniau und Circulescu forderten die An¬ Sd)üt?e Dein Koftbarstes — — Deine öefunbbeit! burdj ben öenufi bernikotinarmen flss=3igaretten Sapljir 4 Pfennig Orange 5 Pfennig Rubin 6 Pfennig Ou,2°/»wenigerNikotin salpeterfreies Papier Keine Gefdjmacksänberung zu tjaben in itjrem Spezialgefdjäfte 3igarettenfabrik RSS K. 6. ülündjen S. 0.2 Deutsche Neuwäscherei O.m.h.H. FELIX BRANDNEU » MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage nullierung des erstrichterlichen Urteils. Der Staatsanwalt Panu plädierte für Aufrechterhaltung des Urteils. Nach viertägiger Verhandlung verkündete das Berufungsgericht das folgende Urteil: Die Angeklagten Moise Solomosi, Itzik Schiler werden freigesprochen, Leon Sigler und Sami Leibowitsch erhalten drei Monate Gefängnis, Abraham Polak, Berci Pisseu Jacobi, Bereu Ghedeli Wolf, Rubin Soifer, Idel Lehr, Itzig Jacobi, Mendel Leibovici, David Daniel und Max Haimovici je 20 Tage Gefängnis, Aaron Katz, Leon Leibovici, Saim Daniel, Burech Sigler, Sami Leibovici je zwei Monate Gefängnis. Die Verurteilten haben außerdem 400 000 Lei an Schmerzensgeld an die Kläger zu zahlen. Die Verurteilten sind entschlossen, beim obersten Gericht Berufung einzulegen. Der Kongreß der Völkerbunds« gesellschaften und die jüdischen Minderheitenfragen Haag, 10. Juli. (JTA.) An dem diesjährigen Kongreß der Völkerbundsligen im Haag, dessen Tagungen am 30. Juni mit der äußerst wichtigen und oft stürmische^ Sitzung der permanenten Minderheitenkommission begonnen und am 7. Juli geendet haben, nahmen — wie schon mitgeteilt — Vertreter der jüdischen Völkerbundligen Palästinas (L. Motzkin), der Tschechoslowakei (Dr. E. Margulies), Österreichs (Dr. N. Gelber) und Bulgariens (Serper) teil. Da diesmal die Minderheitenfragen in dem Völkerbundligenkongreß einen besonders großen Raum einnahmen, so beschränkte sich die Mitarbeit der jüdischen Vertreter fast nur auf diese Probleme. Die jüdischen Vertreter berieten die zahlreichen sie schwer berührenden Vorschläge gemeinsam mit den anderen Vertretern der Minderheiten in einer Reihe von Spezialberatungen und bewirkten zusammen mit ihnen (kollektiv . vertreten durch den ständigen Präsidenten der Minderheitenkongresse Dr. Wilfan) eine Reihe von Verbesserungen zu der allgemeinen Resolution des Prof. Bovet, der die Hauptgedanken der einzelnen oben erwähnten Vorschläge zu einem Kompromiß zu verschmelzen suchte. Es wurden darin seitens der Union der Völkerbundligen folgende Wünsche zum Ausdruck gebracht, die vom Kongreß akzeptiert wurden: “l. Daß die bisherigen in den Minderheitsverträgen enthaltenen Klauseln als ein allgemeines Prinzip in den Pakt des Völkerbundes aufgenommen werde, 2. daß alle Staaten gemäß einer im Jahre 1922 vom Völkerbund angenommenen Resolution Minderheitenrechte gewähren sollen, 3. daß der Völkerbundrat ohne Aufschub in eine allgemeine Prüfung des Problems der Minderheiten und der Resultate des bisher existierenden Systems eingehen soll, 4. daß der Völkerbund so schnell als möglich eine permanente Minderheitenkommission einsetze, 5. daß der Völkerbundrat auf die Frage der Notwendigkeit der Ausarbeitung eines Kodexes für die Prozedur aufmerksam gemacht werde.