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Das jüdische Echo · 1928-07-20 · 29 (20.7.1928) · p. Seite 453

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
29 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 453 ston Churchills flammenden Optimismus und seinen ewigen Wunsch, Manifeste zu erlassen. Er denkt kühl, zurückhaltend und leidenschaftslos. Logik, Kraft und Würde sind seine Waffen. Unter den schwierigsten Umständen, angesichts der verwickeltsten Probleme ist er immer ruhig und lichtvoll. Seine würdevolle Zurückhaltung war oft ein Dorn im Auge der Radikalen. Der Durchschnittsmensch konnte niemals das kühle und philosophische Temperament verstehen, womit er, selbst wenn die Dinge gegen ihn liefen, einfach die Achseln zuckte und den Mißerfolg ungefähr so aufnahm, wie ein Advokat, der ja sein Bestes für seinen Klienten getan hat, aber nicht bereit ist, sich durch Trauer über seine Niederlage das Mittagessen zu verderben. Seine Gleichgültigkeit war manchmal ungewöhnlich genug, um selbst seine besten Freunde zu verblüffen; doch fand sie eines Tages eine Erklärung durch Mr. Wyndham, der Lord Balfours Klugheit rühmte und dabei sagte: „Arthur hat nicht genug Interesse für diese Dinge. Nichts wird ihn dazu bringen, sich zu interessieren. Er weiß, daß einmal eine Eiszeit war und daß eines Tages wieder eine Eiszeit kommen wird.“ Irgendeine Wärme war das letzte, was man von seiner Haltung erwartet hätte, wenn er sich auf der Regierungsbank räkelte, bemerkt sein Biograph, wozu ein zeitgenössischer Politiker aus den heftigen Irland-Debatten hinzufügt: „Er hielt gewöhnlich die Augen geschlossen, die Beine in einer merkwürdig lose-steifen Art gekreuzt, lang und schmal; Beine, so unwahrscheinlich, wie die Henry Irvings auf der Bühne.“ Lord Balfour war nie bezaubernd, hat nie Freunde durch wahllos sich äußernde Genialität angezogen. Er stand abseits, er hatte wenige Intime. Aber das heißt nicht, daß „die Gastfreundschaft seines Geistes nicht allen ehrlichen Besuchern offen und bereit war“. Seinen Kollegen galt immer die Loyalität seines Denkens und ritterliche Hilfe im öffentlichen Leben. Die Engländer werden es immer als eine Haltung höchsten Anstandes und vornehmster Einstellung schätzen, daß Lord Balfour nach der Demission Asquiths über alle persönlichen Erwägungen hinwegging und mit der ganzen gewaltigen Macht und dem überragenden Prestige, das er bei allen europäischen Regierungen besaß, erklärte, er betrachte sich als „das geringste aller Mitglieder in Lloyd Georges Kriegskabinett“. „Ich sympathisiere nicht“, sagte Balfour einmal, „mit dem Geschrei über die unendliche Anhäufung von Büchern. Sie brauchen niemanden zu stören, der den bescheidenen Grad gesellschaftlichen Mutes aufbringt, der zu dem Geständnis erforderlich ist, daß er den neuesten Roman oder die letzte Nummer eines eleganten Magazins nicht gelesen hat. Es ist sicher bemerkenswert, daß jemand, der nichts dadurch zu gewinnen hat, seine Augen verderben und sein Hirn verwirren soll, indem er gewissenhaft versucht, die langweiligen und zweifelhaften Details des Tages von ganz Europa zu beherrschen, wie sie täglich durch „Unseren Spezialkorrespondenten“ übermittelt werden.“ Aber auch bei anderen Gelegenheiten spricht er von dem „Vorteil einer unwählerischen, allgemeinen und unersättlichen Neugier, alles zu wissen, was man wissen kann. Das ist ein Vergnügen, das länger vorhält als jedes andere. Diesem Hunger folgt keine Sättigung, er ist unabhängig von allen Wechselfällen der Verhältnisse und von der Liebe oder Abneigung unserer Mitmenschen.“ Am Beginn seiner Laufbahn zeigte Mr. Balfour eine Neigung für Metaphysik und Philosophie. „Sein“ Philosoph ist Henri Bergson. Hier und da im Laufe seines politischen Lebens bog er plötzlich von der geraden und engen Straße der Politik ab und unternahm Ausflüge auf diese Gebiete, zur großen Sorge seiner Kollegen. Das waren die Augenblicke, wo er sein wahres Selbst enthüllte, wo er es restlos klarmachte, daß die ganze Meinung seines Geistes wissenschaftlich ist. Seine Worte. „Newton war vielleicht der größte Mann, den die Welt je gesehen hat“, sind in dieser Hinsicht bezeichnend. Weit über die Politik stellte er die Ansammlung von Kenntnissen. „Wenn in den letzten hundert Jahren“, sagte er einmal, „die ganze materielle Grundlage der Kultur gewandelt wurde, danken wir das weder Politikern noch politischen Einrichtungen. Wir danken es den dauernden Bemühungen jener, die die Wissenschaft vorwärtsgebracht und jener, die sie angewandt haben. Wenn unsere Weltanschauung so große und so zahlreiche Änderungen im einzelnen erfahren hat, daß sie in ihrer Gesamtheit einer Revolution gleichkommen, so danken wir das Wissenschaftlern und nicht Theologen und Philosophen. Die Wissenschaft ist das große Instrument sozialen Wandels. Ihr Ziel ist nicht Wandel sondern Kenntnis, und inmitten des Lärms religiöser und politischer Kämpfe ist es die tiefste der Revolutionen, die die Entwicklung der modernen Kultur charakterisiert.“ In solchen Worten können wir eine Erklärung für Lord Balfours Interesse für die hebräische . vroiiWERcK —* GO LD ■ SCHOKOLADE-PRALINEN

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