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Das jüdische Echo · 1928-07-20 · 29 (20.7.1928) · p. Seite 452

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
29 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
Seite 452 (sequence 4)
Language
German
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452 Das Jüdische Echo Nr. 29 doch in geringerem Maße persönlich beteiligt als die Menschen, die Subjekte des Aufbaus sind oder zu werden sich sehnen — kann man keine neuen Methoden aufzwingen. Das werden die Herren Marshall, Warburg und ihre Freunde einsehen. Anderseits muß man auf intransigent zionistischer Seite erkennen, daß der Prozeß der Einfühlung für den wahren Sinn des Palästinaaufbaus bei den Nicht- und Nochnicht-Zionisten nur allmählich Erfolge zu bringen vermag. Die Zeit wirkt in dieser Hinsicht Wunder. Eines dieser Wunder ist, trotz alledem, der Bericht der Jewish-Agency- Kommission. Man kann nicht die Dinge übers Knie brechen. An den Zionisten darf es nicht liegen, daß die Verhandlungen wegen Erweiterung der Jewish Agency scheitern. Wenn man besonnen und loyal vorgeht, wird die Durchführung dieses Planes auch nicht an der anderen Vertragsseite Schiffbruch erleiden. Das Aktionskomitee wird also gut tun, wenn es zunächst eine Entscheidung dieser Frage der Instanz überläßt, die u. E. allein befugt ist, autoritativ zu beschließen — nämlich dem nächsten ordentlichen Zionistenkongreß, dessen Delegierte im Hinblick auf diese Entscheidung sich um ihre Mandate bewerben werden. m. w. Arthur James Balfour Von Pierre Van Paassen Balfour, der Mann, mit dessen Name und Wirken die Zukunft Palästinas und des jüdischen Volkes aufs engste verknüpft sind, feiert am 25. Juli 1928 seinen achtzigsten Geburtstag. Eine Würdigung seiner Persönlichkeit der alle Juden größte Dankbarkeit und aufrichtige Verehrung schulden, gibt der nachstehende Artikel. Obzwar man Lord Balfour häufig als einen „radikalen Tory der alten Schule“ und unbeugsamen Konservativen bezeichnet und er wirklich selbst diesen Eindruck macht, war er doch in Wirklichkeit einer der wirksamsten Prediger der Demokratie im modernen England. Obgleich ihn viele in der Welt des Gedankens und der Kultur als einen Skeptiker in religiösen Dingen mit einer starken Neigung zum Atheismus ansahen, pflegte er doch, wenigstens bis vor ein paar Jahren, jeden Morgen an dem Gottesdienst in St. Margarets Church teilzunehmen, und obgleich die Staatskanzleien von Europa und Asien ihn ein Vierteljahrhundert hindurch als klugen Politiker kannten, der das verführerische Spiel der Diplomatie im kleinen Finger hat, hat er sich doch selbst oft genug zu tiefster, überlegenster Verachtung von Politik und Diplomatie bekannt. Wirklich, die unvereinbarsten Elemente sind vereint in der außerordentlichen Persönlichkeit des Mannes, dessen Name mit dem Nationalen Heim für das jüdische Volk unlösbar verbunden ist. Man fragt sich wirklich, was diesen merkwürdigen, oft lethargischen, noch öfter undurchschaubaren Mann, den man einst „das ewige Nein“ in der irischen Homerulefrage nannte, was ihn bewog, die Sache des jüdischen Volkes bei der Konferenz in Versailles zu verfechten und ihr Advokat in den Beratungen zu werden, die auf die Konferenz folgten. Lord Balfours inniges und dauerndes Interesse für den Erfolg der zionistischen Sache in Palästina, sein Vertrauen zu dem jüdischen Einfluß im ganzen Orient wird um so bezeichnender, wenn man bedenkt, daß er sich eigentlich von der aktiven Teilnahme an der Politik in England zurückgezogen hat. Denn Balfours Einfluß ist heute größer, als er jemals während seiner aktiven Teilnahme an der Regierung war. Daß er sich von der Politik zurückzog, hat Lord Balfour nicht das geringste von seiner Autorität und seinem Einfluß auf das Denken und Meinen in England und der übrigen Welt geraubt. Vielleicht liegt der Grund für dieses merkwürdige Anwachsen von Autorität in der Tatsache, daß er, obgleich er immer frei von den Versuchungen war, die die tieferen Schichten der politischen Welt locken, heute selbst jenem feineren,aber nichtsdestoweniger wirksamen Einfluß entzogen ist, der das Urteil des unabhängigsten Parteiführers trübt und sein Gewissen täuscht. Ein Blick auf sein Leben würde zeigen, daß nur die tiefsten Fragen menschlichen Tuns, daß nur die größten Ereignisse imstande waren, Lord Balfour bis zu einer Art von Enthusiasmus aufzuwühlen. Er ist oft mit hemmungsloser Energie an sein Werk gegangen. Es gab Zeiten, wo er ganz Aktion war, wo er ins Feuer geriet, aber es brauchte immer den Ansporn eines gewaltigen Anlasses, eines Ereignisses von Weltbedeutung und Weltwirkung, um ihn anzutreiben. Seiner Veranlagung nach neigt er gar nicht zum Enthusiasmus. In ihm ist wenig von dem kraftsprühenden, elektrisierenden, bilderstürmenden Geist eines Lloyd George. Er scheint alle Fragen und alle Ereignisse in kritischem und analytischem Geist anzugehen. Selbst wenn er von dem inneren Wert einer Idee, von ihrer Wünschbarkeit und ihrer praktischen Bedeutung überzeugt ist, gerät er nicht in Ekstase. Er hat nicht Win- D e r neue AUSTRO-DAIMLER 6 Cylinder, 12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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