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Das jüdische Echo · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · p. Seite 444

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
Seite 444 (sequence 16)
Language
German
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444 Das Jüdische Echo Nr. 28 Deutsche Neuwäscherei GLm.b.H. FELIX BRANDWER » MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage bekundet viel mehr Widerstandskraft als die Berliner Judenheit, die in dieser Zeit ein Drittel ihrer Seelen an das Christentum abgibt. Es kommen sogar Fälle vor, daß bei Taufen vornehmer Familien die eine Ehehälfte — zumeist die Frau — dem Judentume treu bleibt. Die Gattin des Karl Abraham Freiherrn v. Wetzlar, Eleonore Baronin Wetzlar von Plankenstern, bleibt bis zu ihrem Tode eine treue Jüdin, wiewohl ihr Gatte und ihre zehn Kinder zum Christentum übergetreten sind. Dasselbe ist auch bei der Mutter des berühmten Freiherrn von Sonnenfels der Fall. Das Gebäude steht fest, wenn auch hier und da der Mörtel abbröckelt. Die Getauften werden jenseits der trennenden Brücke zumeist mit hohen Ehren angenommen. Einer der ersten Wiener Juden, der in dieser Zeit die Taufe nimmt, ist Abraham Wetzlar, einer der Gründer des Heiligen Vereines, der die Gültigkeit der frommen Satzungen durch eigenhändige hebräische Unterschrift bekräftigt hatte. Sein Ansehen und seine persönlichen Beziehungen reichen so weit, daß Fürst Esterhazy ihn zu seinem Testamentvollstrecker bestellt, was immerhin — insbesondere in Ungarn — noch großes Aufsehen erregt. Er wird nach seiner Taufe in den Freiherrnstand erhoben, und der frischgebackene Karl Reichsfreiherr von Wetzlar-Plankenstern, ein reicher, kunstverständiger Mann, der auch Mozart tatkräftig fördert, verschwägert sich durch die Heirat seiner Töchter mit den feudalsten Familien Österreichs. Und man begreift es: der Schwiegervater der Grafen Festetich, Clary und Triangi kann und will nicht mehr den Rüsttag des Neumondes in Buße und Einkehr begehen. Dem Beispiel Wetzlars folgt ein Sprößling einer vornehmen Wiener Familie: Josef Michael Edler v. Arnsteiner, Sohn des Adam Isaak Arnsteiner. Aber viel größer ist die Zahl und Bedeutung der auswärtigen Konvertiten, die sich in Wien niederlassen. Die erste Rolle unter ihnen spielt wohl die Familie Sonnenfels. Lipman Berlin, Sohn des Rabbi Michael des Frommen in Berlin, läßt sich zunächst in Eisenstadt, dann in Nikolsburg nieder, wo er mit seinen Söhnen Franz, Anton und Josef die Taufe nimmt und sich von nun an Alois Wiener nennt. Seine brave jüdische Frau bleibt dagegen dem Judentum treu, weshalb er sich kurzerhand von ihr lossagt. Franz von Lothringen, Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, der der Alchimie mit Leib und Seele ergeben ist, verschafft dieser Geheimkunst eine neue Blütezeit. Am Wiener Hofe steht die im Westen zu dieser Zeit bereits belächelte Alchimie noch in hohem Ansehen und wird auch in den vom Kaiser begünstigten Freimaurerlogen eifrig betrieben. Dies macht sich Wiener zunutze, befaßt sich eingehend mit alchimistischen Spekulationen, so daß der Kaiser auf ihn aufmerksam wird, ihn nach Wien beruft, wo er ihn in jeder Weise zu fördern sucht. So wird Wiener zum Lehrer der orientalischen Sprache an der Wiener Universität ernannt, zum Dolmetsch für Hebräisch bei verschiedenen Gerichten und Behörden bestellt und 1746 mit dem Prädikat „von Sonnenfels“ — das er fürderhin als Familiennamen benützt — in den Adelsstand erhoben. 1747 veröffentlicht er sein halb hebräisch, halb deutsch geschriebenes alchimistisches Werk: „Or Noga, Splendor luxis oder Glantz des Lichtes, enthaltend eine kurze Physico- Cabalistische Auslegung des größten Natur-Geheimnuß, insgemein Lapis Philosophorum genannt.“ Dieses im Geschmacke des frömmelnden, gegen die freieren Bestrebungen des Westens abgesperrten damaligen Österreichs gehaltene und mit kabbalistischen Tabellen ausgestattete Buch umfaßt — neben der immer wiederkehrenden Beteuerung der christlichen Rechtgläubigkeit des Verfassers — eine auf kabbalistische Auslegung von Bibelstellen und auf verschiedenen Zeichensystemen der Geheimkunst aufgebaute alchimistische Theorie. Trotz der hohen Förderung sind seine finanziellen Verhältnisse durchaus keine glänzenden. In den Nachlässen Wiener Juden erschient er oft als Schuldner kleiner Beträge, die zu den verlorenen gezählt werden. 1751 befindet er sich bereits im Schuldenarrest. Zur großen Berühmtheit gelangt sein noch im Judentum geborener ynd erzogener jüngerer Sohn Josef (1733 bis 1817), der nach einem wechselvollen Soldatenleben durch adelige Beziehungen im Alter von dreißig Jahren zum Professor der „Polizei- und Kameralwissenschaften“ an der Wiener Universität ernannt wird. Die Professur bedeutet für ihn aber lediglich die gesicherte Lebensstellung, sein Ehrgeiz strebt höheren Zielen nach; er ist vom Wunsche beseelt, deutscher Schriftsteller zu werden. Seiner übertriebenen Eitelkeit schmeichelt -es, als einer der ersten das bisher in Österreich brachliegende Feld der Literatur zu bebauen, wobei er — da er auf allen Gebieten besser beschlagen sein will als die Fachgelehrten — nach dem Urteil eines modernen Forschers eine „vielseitige Oberflächlichkeit“ bekundet. In der 1761 gegründeten „Deutschen Gesellschaft“ spielt er schon eine bedeutsame Rolle und wird später Präsident der Akademie der Wissenschaften. Trotz aller Ehrungen bleibt aber der Schriftsteller das Primäre bei ihm und selbst nach seinem Aufstieg — er wird 1779 wirklicher Hofrat und 1797 in den Reichsfreiherrnstand erhoben — geizt er nach literarischen Lorbeeren. Diese ganz ungewöhnliche Neigung Sonnenfels* ist zweifelsohne auf seine jüdische Abstammung zurückzuführen. Seine eigentliche große Bedeutung für Österreich und seine Berühmtheit erlangt er aber eigentlich durch seine erfolgreiche Bemühung um die Reform des Strafgesetzes und vor allem um die Abschaffung der Tortur. Auch sein Standbild vor Adelholzener Primusquelle Hervorrag. Heilwasser bei Nieren-, Leberu. Blasenleiden Stärkste Rubidiumquelle Europas sehr geeignet zu Hauskuren. B e - kömmliches Tafelwasser. Hauptniederlage: Otto Pachmayr 0.“.",*^ Theresienstraße 33 Telephon 27471 Lieferant sämtlicher städtischer Krankenhäuser, Sanatorien und Heilanstalten

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