Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 28 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- Seite 443 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 443 und Kindergärtnerinnen aus Sparsamkeitsgründen von der Exekutive entlassen werden würden. Der durch das Ausscheiden der Misrachivertreter aus dem Erziehungsrat entstandene Konflikt wird das am 19. Juli in Berlin zusammentretende Aktionskomitee beschäftigen. Als Vertreter des Misrachi haben sich Rabbi Mayer (Berlin) und Rabbi Fishmann zur Teilnahme an den A.-C.-Sitzungen nach Berlin begeben. Der Etat der Palästina-Regierung für das Jahr 1928 Der Ausgabenetat der Palästina-Regierung für das Jahr 1928 beträgt £ 2 443 77. Davon entfallen u. a. auf Polizei £ 363 656, Öffentliche Arbeiten £ 273 654, Staatsschuld- und Anleihetilgung £ 175 000, Unterrichtswesen £ 143 619, Gesundheitswesen £ 105 460, Administration £ 127 619. —- Das Defizit der Palästinaverwaltung für die ersten 3 Monate 1828 beläuft sich auf 1 137 033. Steuerfreiheit für öffentliche Institutionen in Palästina Jerusalem, 3. Juli. (JTA.) Soeben ist hier eine Regierungsverordnung veröffentlicht worden, wonach religiöse, Unterrichts- und Wohlfahrts-Institutionen von Steuerleistung und Zollabgabe befreit sind. Die Prügelstrafe in palästinischen Gefängnissen abermals vor dem Unterhaus London, 3. Juli. (JTA.) In der Sitzung des Unterhauses fragte Colonel Wedgwood den Kolonienminister, warum die Palästinaregierung die Forderung der palästinischen Arbeiterföderation nach Abschaffung der Prügelstrafe in den palästinischen Gefängnissen zurückgewiesen habe. Kolonienminister Amery erwiderte, dem Ersuchen der Arbeiterföderation konnte nicht stattgegeben werden, weil die Prügelstrafe für Verstöße in den Gefängnissen allgemein als für die Aufrechterhaltung der Disziplin notwendig angesehen wird. Colonel Wedgwood: Weiß der Minister, daß selbst in der Türkei die Prügelstrafe in den Gefängnissen abgeschafft worden ist? Weiß er, daß in Palästina eine Art Jagd auf Kommunisten veranstaltet worden ist und will die Regierung dem Einhalt gebieten? — Amery: Ich weiß nichts von einer Kommunisten-Jagd in Palästina. Die Prügelstrafe ist bei Verstößen gegen die Gefängnisdisziplin notwendig. Feuilleton Von Juden im alten Wien Von Ludwig B a t o In dem rührigen Wiener Phaidon-Verlag Wien erschien vor einiger Zeit ein Buch Ludwig Batos: „Die Juden im alten Wien“, das objektiv, in historischer Treue, auf umfangreichen archivalischen Studien aufbauend, und doch in eleganter und spannender Darstellung einen Bericht über die wechselvollen Geschicke der Juden in Wien gibt. Eine Fülle interessanter Episoden machen die Lektüre des Buches auch für den reizvoll, der sonst wissenschaftlicher Literatur aus dem Wege geht; eine Anzahl von Porträtreproduktionen der bedeutendsten Führer der Wiener Juden ergänzen wirkungsvoll den Text. Das Kapitel, das wir im folgenden zum Abdruck bringen, wird sicher manchen zur Beschäftigung mit dem wertvollen Buche anregen, Auf den neuen Zeitgeist sind auch die Regierungsmethoden des aufgeklärten Josef II. eingestellt, der den Juden und dem Judentume wohl wenig Achtung entgegenbringt, seinen jüdischen Untertanen gegenüber aber trotzdem eine gewisse Milde walten läßt, da er hofft, auf diese Weise die Auflösung des Judentums und die Beseitigung des ihm stets als Schreckgespenst erscheinenden Talmuds leichter herbeiführen zu können, als durch die brutale, herzlose Strenge seiner Vorfahren. Schließlich kommt noch ein Moment hinzu: die französische Revolution, die, im Grunde genommen, die soziale Ergänzung und Krönung des durch den geistigen Umsturz begonnenen Werkes darstellt. Sie vollendet die Umwälzung in der Denkungsart des achtzehnten Jahrhunderts, sie spricht zum ersten Male die völlige Gleichstellung der Juden mit den übrigen Bürgern des Staates aus und tritt für die Assimilation in die Bresche. Die Summe all dieser Umstände wirkt bestimmend auf die Lebensgestaltung der Wiener Judenschaft. Ihre gebesserte soziale Stellung glauben sie mit dem alten Judentume nicht mehr in Einklang bringen zu können und so geht die Abkehr von ihm Hand in Hand mit ihrem sozialen Aufstieg. Die einst so eifrig besuchten Betstuben der Familien Oppenheimer, Wertheimer und anderer vornehmer Juden stehen nun vereinsamt und verlassen da, die wenigen Andächtigen — meist sind es erst vor kurzem zum Aufenthalte zugelassene oder nur vorübergehend in Wien weilende Volksgenossen — versammeln sich in einem Bethause, das in dem armseligen Zinshause zum „weißen Stern“ eingerichtet wird. Die Wiener Juden, des schirmenden Daches der jüdischen Gemeinde durch die Staatsgewalt beraubt, sind allen Stürmen und Nöten der Zeit schutzlos preisgegeben. Sie entbehren in diesen schweren Zeitläufen mehr denn je des engen Zusammenlebens in der Gemeinschaft, der jüdischen Schule und der lenkenden Hand des geistigen Führers. Der vor hundert Jahren geleistete Verzicht auf das jüdische Gemeinwesen erweist sich als ein viel zu hoch bezahlter Preis für das Recht des Aufenthaltes in Wien. Indes wäre es ein Unrecht, wollte man die Erscheinung des Abfalls verallgemeinern. Die überwiegende Mehrheit der Wiener Judenschaft bleibt trotz der täglichen Verlockungen der prachtvollen Kaiserstadt dem Judentume treu und Kauft und verbreitet den SchekelI