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Das jüdische Echo · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · p. Seite 437

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
Seite 437 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 437 werde? Und nun haben die Liberalen dem Etat der neuen Mehrheit zugestimmt. Wenn sie auch für die Ehre der Fahne in der Generaldebatte unentwegt und unbeirrbar von ihren liberalen Prinzipien sprachen, durch ihre Abstimmung aber schlossen sie sich rücksichtslos dem neuen Kurse an, der unleugbar in dem Haushaltplan seinen Niederschlag findet. Ein altes jüdisches Sprichwort sagt, daß Lehrer und Schüler zusammen sehr viel können, der Lehrer auf sich selbst gestellt, kann auch viel; der Schüler, sich allein überlassen, kann jedoch nichts. Von den Zionisten gezogen, sind auch die liberalen Assimilanten in vielen sachlichen Dingen sehr vernünftig. Sie sind für jüdische Erziehung, sie sind für jüdische Sportbewegung, sie betätigen den Klallgedanken — wenn sie die Zionisten ein bißchen anfeuern. Dann aber schreiben sie in ihren Zeitungen, daß die Zionisten eigentlich nichts machen, was die Liberalen nicht auch machen würden. Es wäre jedoch verfehlt, es auf eine Probe in dieser Hinsicht ankommen zu lassen. Die Liberalen sind ja durchaus brauchbare Leute, aber nur wenn sie in der Minderheit sind. Wir haben in Berlin viele interessante Besucher gehabt, die speziell zu dem Zwecke gekommen waren, um die jüdische Öffentlichkeit im Sinne der Mitwirkung an den Aufgaben des Aufbauwerkes in Palästina zu beeinflussen. Der interessanteste Besucher ist aber zweifellos der belgische Außenminister Vandervelde gewesen, und zwar aus zwei Gründen. Erstens handelte es sich bei diesem international bekannten Politiker um eine Persönlichkeit ganz eigener Prägung, zweitens aber stach das, was er zur Judenfrage und zum Palästinawerk zu sagen hatte, so sehr vom Landläufigen ab, daß es sich auf die Höhen größter historischer Perspektive erhob. Vandervelde ist zweifellos Repräsentant des wahren Fortschritts und ein Künder einer friedlicheren, freundlicheren Menschheitszukunft. Wenn nun ein derartiger Mann sich bewogen fühlt, in der Öffentlichkeit als Nichtjude, führender Sozialist und Internationalist, dem Geist des Judentums Bewunderung, Dank und Anerkennung zu zollen und das Werk der jüdischen Wiedergeburt als einen Ausdruck höchsten menschlichen Fortschritts zu feiern, so bedeutet diese Handlung für uns Juden einen Trost, der uns über die Nöte des jüdischen Alltags und über die Schwierigkeiten unserer Arbeit erhebt. Im Munde Vanderveldes wurde das Gewissen der gesitteten Menschheit lebendig, die für große Leistungen Verständnis hat und die sich darum sagen muß, daß die Sache der jüdischen Wiedergeburt eine Sache der Menschheitskultur ist. Vandervelde drückte das geradezu klassisch aus; „Die drei bedeutendsten geistigen Emanationen der Gegenwart“, sagte er, „sind die Lehren von Bergson, Freud und Einstein, alle drei sind Juden. Auf zwei Säulen ruht unsere abendländische Kultur; auf Athen und Jerusalem. Wer vermöchte da nicht die größte Sympathie zu empfinden, wenn das Volk, dem die drei genannten Männer angehören, sich anschickt, eine Säule der Menschheitskultur neu zu fundieren ...“ So spricht der Nichtjude Vandervelde. Aufrichtig gesagt, diese Zustimmung erscheint uns für die Sache des Zionismus viel bedeutsamer als die Ablehnung des Färbereibesitzers Georg Mecklenburg aus der schönen sächsischen Stadt Chemnitz. s. n. Und immer wieder Friedhofschändungen 57 — Ibbenbüren in Westfalen Berlin, 5. Juli. (JTA.) In Ibbenbüren in Westfalen ist der jüdische Friedhof zum dritten Male von Verbrechern heimgesucht worden. Nachdem einmal Schulknaben, das zweitemal Soldaten Grabsteine auf dem einsamen Friedhof der kleinen Gemeinde während des Krieges beschädigt hatten, sind nun am 24. Juni fünf Grabsteine, darunter ein Kindergrab, umgeworfen und teilweise zerstört worden. Die Polizeiverwaltung, die sofort mit aller Energie die Verfolgung der Täter aufgenommen hat, hat eine Belohnung von 50 RM., die, wie wir hören, in den nächsten Tagen noch beträchtlich erhöht werden soll, auf ihre Ergreifung ausgesetzt. Dies ist der 57. Fall der Schändung jüdischer Friedhöfe, der bekannt wird. 58 — Kaiserslautern Berlin, 10. Juli. (JTA.) In der Nacht zum 7. Juli wurden — wie der „Vossischen Zeitung“ telegraphiert wird — auf dem jüdischen Friedhof zu Kaiserslautern in der Pfalz über 30 Grabsteine umgeworfen und die sorgfältig gepflegten Gräber demoliert. Staatsanwalt und Polizei bemühen sich, die Täter festzustellen. Dies ist die 58. Grabschändung der letzten Jahre. Die Friedhofschändungen scheinen sich als die bequemste Art des völkischen „Heldentums einzubürgern. Tote können sich ja nicht wehren und die Polizei ist meistens weit. Über die unglaubliche Verworfenheit einer Gesinnung, die noch am Toten ihren Mutwillen auslassen möchte, braucht kein Wort gesagt zu werden; daß es aber den 1 1 e r neue AUSTRO-D AI MLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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