Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 27 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- Seite 428 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 27 Bücher und Zeitschriften Juda und die Andern. Von Heinrich S i e - m e r. Bei Gebrüder Paetel (Berlin-Leipzig). Ein breitangelegter Roman, in dem ein kluger Kopf staunenswert reiches Material von Talmud bis zur Edda zusammengetragen hat, um fn seiner Weise zur Judenfrage Stellung zu nehmen. Siemer, er betont das in seiner Vorbemerkung, ist weder Jude noch jüdischer Abstammung und diese Tatsache allein schon läßt das Buch interessant erscheinen. Denn nach dem gehässigen Buch des Franzosen Tharaud („Die Herrschaft Israels“. Amalthea-Verlag) und dem heuchlerischen des Engländers Belloe („Die Juden“. Verlag Kösel 6c Pustet) sucht hier ein Deutscher und Katholik mit dem unbedingten Willen zur Objektivität und mit Hilfe eines tiefgründigen Wissens der problematischen Stellung des jüdischen Menschen in Deutschland gerecht zu werden. Die Handlung des Romans sei hier kurz skizziert: Vier junge Gymnasiasten, die ihre Schuljahre gemeinsam und als Freunde auf einem Oldenburger Gymnasium verbracht haben, treffen auch in ihrem späteren Leben immer wieder zusammen. Zwei von ihnen sind in Wesen und Art entgegengesetzte Typen. Samuel Goldstein kommt aus Whitechapel, dem Londoner Ghetto, Hansgeorg Weete entstammt dem reichen Marschgebiet der deutschen Küste. Die Schrecknisse des Kriegs und Nachkriegszeit werden beiden zum Schicksal. Samuel, der Hirnmensch, geht konsequent den als richtig erkannten Weg des Revolutionärs und stirbt als Revolutionsopfer. Hansgeorg Weete, der mit Hurrah in den Krieg und nach vier Jahren mit Hurrah wieder aus dem Krieg zieht, kann sich in die neue Zeit nicht einleben. Ihn treibt das Schicksal (in Gestalt eines chauvinistischen Hetzprofessors) in die Arme der Feme. Er ermordet einen Minister und schießt sich nach kurzer Flucht eine Kugel in den Kopf. Die zwei anderen Freunde, ein freisinniger Christ und ein Sohn süddeutscher Bauernjuden, suchen und finden in gegenseitiger Freundschaft den Weg zur Verständigung. Stilistisch ist der Roman nicht immer befriedigend. Es mutet besonders die Sprache Samuels manchmal wie schlecht imitierter Stil Thomas Manns an (ein Beispiel S. 57). Dagegen entfaltet sich die dich- OANIA SCHELLINGSTRASSE 39 / TELEPHON 23741 J 29073 'S iBUGATTI Vornehme Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) terische Begabung Siemers sehr eindrucksvoll in den Abschnitten, die in der Marsch spielen. Hier ist der Verfasser in seinem Element. Das Buch, zu dem Max Brod ein ausgezeichnetes Vorwort schrieb, ist wert, von vielen gelesen zu werden. I. G. Arnold Zweig. Juden auf der deutschen Bühne. Mit 16 Bildtafeln. Welt-Verlag und Heine-Bund. Berlin. Das Buch ist durchaus keine Sammlung von Biographien jüdischer Schauspieler, wie man dem Titel nach vermuten möchte, sondern ein streibares Buch eines streitbaren Verfassers, der hier in einer Fülle von geistvollen Essays das Verhältnis der Juden zum deutschen Theater soziologisch zu erfassen sucht und mit eindringlicher Konsequenz an alle Fragen rührt, die mit den Wechselbeziehungen von Theater und Judentum überhaupt zu tun haben. Sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, hält Zweig für seine und der Leser Pflicht und schon diese Erkenntnis allein macht das Buch wertvoll. Da aber Zweig den Stoff mit formalem Können meistert, wird das Lesen des Buches auch zum ästhetischen Genuß. Auf knapp 300 Seiten hat Zweig gesagt, was über das Thema zu sagen war: Das Theateragententum bekommt seinen Teil ab, die Theaterdirektoren hören hier sehr unsanfte Wahrheiten, in einem geistsprühenden Kapitel werden Alfred Kerrs kritische und menschliche Fähigkeiten „beklopft“; wie es ja eine hervorragende Eigenheit des Buches ist, daß es uns das Wesen der Künstler als Menschen erkennen läßt. Man könnte so beliebig viele Abschnitte gesondert heraussteilen und zustimmend oder kritisch betrachten; notwendig aber ist ein Hinweis auf die ersten Kapitel des Buches. In den Mittelpunkt dieser „Prinzipien als Einleitung“ stellt Zweig die Behauptung, der Jude sei im wesentlichen Mtittelmeermensch. Von diesem Satz ausgehend, sucht er nun das Wesen des Juden überhaupt zu ergründen und kommt zu der Feststellung, der Mimus* die Geste im weiteren Sinne sei ein Hauptcharakteristikum des Juden, der sich so von dem verschlosseneren Nordländer abhebt. Der Lebensraum des Juden sei die Öffentlichkeit. Skeptiker und Lebenskünstler zu gleichen Teilen, kommt er den antiken Hellenen in der Denkungsart, den Italienern an Lebensart am nächsten. Von dieser Grundanschauung ausgehend, will Zweig in seinem Buch den „Anteil der Juden als Mittelmeervolk von besonderer sozialer und Siedlungsstruktur an dem großen, kulturhaft und gruppenbiologisch wichtigen Entladungsapparat der Deutschen“ beschreiben. Er kommt zu dem Schluß, daß die Beteiligung der Juden an der deutschen Bühne zwar 00310131010189