Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 27 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- Seite 427 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Beilage David Ferdinand Koreif Von F r i e d r i c h von Oppeln-Bronikowski1 „Wer ist Koreff?“ wird mancher fragen. So beginnt der dicke und gelehrte Band, den Oppeln- Bronikowski dem jüdischen Arzt widmet, der, 1783 geboren, noch als Jude — vor seiner Taufe — als Geheimrat in die preußische Staatskanzlei berufen wurde, und zugleich als Dichter, Altphilologe, Archaeloge und Mediziner eine vielseitige Schriftstellerei und Lehrtätigkeit ausübte, die sogar der kritische alte Goethe rühmte, und das allds neben einer riesigen ärztlichen Praxis in Berlin, Paris und anderwärts. Dabei war er noch Mystiker der sogenannten mesmerischen Prägung und ein geistiger Führer im Romantikerkreis der Schlegel, Chamisso, Schelling und Fichte. Imposant durch die Schärfe, und Vielseitigkeit seines Geistes war er zugleich von unbeschreiblicher Herzensgüte; nie hat er von Unbemittelten ärztliches Honorar genommen und doch gerade ihnen seine Kunst — besonders in der Pariser Cholerazeit — zukommen lassen; aber auch von den Glückskindern der Erde hat er — solange er konnte — als Arzt jedes Honorar verschmäht. Er hat aber mit derselben Güte stets mehr versprochen als er halten konnte und damit den Ruf einer bis zur Lächerlichkeit gehenden Unzuverlässigkeit erworben. Seine bedeutenden geistigen Fähigkeiten hat er so verzettelt, daß sein Name fast verschollen ist im Gegensatz zu manchem weniger bedeutenden Zeitgenossen. So die Darstellung Oppeln-Bronikowskis. Wäre Koreff als Christ zur Welt gekommen, so hätten sich seine Biographen mit einer Charakterschilderung begnügt, die festgestellt hätte, daß er bei erstaunlichen Geistes- und Herzensgaben kein starker Charakter war. Soweit und nicht weiter geht denn auch die gründliche Biographie von Oppeln-Bronikowski. Von Koreffs jüdischer Abstammung spricht er nicht viel, nicht weil er diese Komponente in seinem Wesen minder bewertete, sondern weil er richtig erkennt, daß die Auswirkung dieser Komponente wissenschaftlich nicht faßbar ist. Es ist heute — auch in gelehrten Kreisen — recht selten, daß unser unbezweifelbares 1 Berlin 1928. (Gebrüder Paetel). O berpollinger Das Münchener Kaufhaus Neuhauser Straße 44 am Karlstor Bekleidung / Mode / Sport Wohnungsausstattung „Nicht-Wissen“ nach dieser Seite hin mit solchem Geschmack und solcher Einsicht anerkannt wird. Andere Autoren — Treitschke, Lenze u. a. m. — haben, bei ihrer geistigen Potenz bedauerlich, nicht soviel Achtung vor dem bewiesen, was der menschlichen Erkenntnis entzogen ist, und haben mit einem schnell errafften, wenig gehaltvollen Wort Koreff als einen „jüdischen Parvenü“ abgetan. Es wird kaum jemals möglich sein, in solcher Kürze das Wesen auch nur eines Alltagsmenschen zu bezeichnen, geschweige denn eine so reiche Natur wie Koreff. Daß eine solche jüdische Komponente auch für Koreffs Leben bestimmend war, kann man — aus weltanschaulichen Gründen — glauben, aber nicht — mit wissenschaftlichen Gründen — behaupten. Nur vermutend können wir nur darum folgendes aussprechen: Koreffs ganze Generation hat an einem Verkehrsknotenpunkt geschichtlicher Kräfte gestanden. Das ganze geistige Leben jener Zeit trägt Züge schillernder Vielseitigkeit und Ungebundenheit, die eine spätere, auf anderen Grundlagen fußende Zeit — mit irriger Übertreibung — als „jüdisch“ bezeichnet hat. Heute würde man auf Grund dieser irrigen Vorstellungen selbst einen Schleiermacher als Juden registrieren, wenn man nicht wüßte, daß er Christ war. Aber für Koreff führte, weil er ein Jude war, doch noch ein Schienenstrang mehr als für die anderen zu diesem Knotenpunkt hin; die Schienen liefen aus verdämmernder jüdischer Vergangenheit zur ersehnten Zukunft europäischer Zivilisation. Seine eigenen Zeitgenossen sind nie auf den Gedanken gekommen, ihn bei den vielen Gemeinsamkeiten nur wegen dieses Überschusses an einer Lebensquelle — der jüdischen — allein sub specie dieser einen Gegebenheit zu betrachten, und alle anderen Gegebenheiten geringer einzuschätzen als diese. Wir aber können, mit Einschluß von Treitschke und Lenz, nicht klüger sein als seine Zeitgenossen, die seine lebensvolle Persönlichkeit selbst erfahren und als ihresgleichen gefühlt haben. Dieses Gefühl der Zeitgenossen hat viel größeren Anspruch auf Beachtung als das — aus ganz anderer Zeitstimmung heraus entstandene — Urteil des größten Gelehrten. Wegen des Urteils seiner Zeitgenossen und wegen seiner eigenen Lebensziele können wir Koreff nur als eine Figur der deutschen Geschichte, nicht auch der jüdischen, betrachten, und er gleicht darin seinen Zeitgenossen Heine und Börne, die keine jüdischen, sondern deutsche Schriftsteller waren. Gewiß — bei solchen Definitionen bleibt ein ungeklärter Rest. Aber wir wissen ja, daß in jüdischen Dingen die Rechnung selten aufgeht — und in anderen Dingen auch nicht immer. rst. Deutsche Neuwäscherei €1. iu.T>.H. FELIX BRANDNEB * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage r