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Das jüdische Echo · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · p. Seite 425

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
Seite 425 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 425 ihn in seine Wohnung weit draußen am Ende der Stadt begleiten durfte: Ich habe mit Plehwe gesprochen de puissance a puissance. Und ich fühlte: dies war eine Ehre nur für Plehwe, eine unverdiente Ehre wohl. So hatte er mit dem Sultan und dem Papst, mit Fürsten und Kaiser verhandelt; noch stand nichts hinter ihm, er war damals nichts anderes als ein Ideologe und Projektenmacher, und dennoch öffnet sich jedes Tor, wenn Theodor Herzl eintrat. Denn dies war kein Mensch, den man abweisen konnte; sein Gesicht und Körper, seine Stimme und seine Gestalt erzwangen sich Aufmerksamkeit. Wohl niemals hat ein Mensch gleich ihm ein so vollendetes, so künstlerisch gearbeitetes Deutsch gesprochen; bei anderen hätte es affektiert geklungen, bei ihm war es ganz natürlich, wenn er antiquarische Wendungen eines kostbaren Buchdeutsch anwendete und Worte in die Höhe hob wie alte Edelsteine aus einem edlen Schrein. Noch erinnere ich mich, wie er einmal sagte; Dieser große Mensch, der da Joe Chamberlain hieß... Dieses „da“ war mit feinstem Stilgefühl gesetzt, es hob den starken Engländer heraus, und unmittelbar danach folgte eine lange Periode, beherrscht, gebaut, und gestaltet, wie ein mächtiger Bau: es gab darin Seitenflügel und krönende Kuppel. Vermutlich war er der einzige zum Königsein bestimmte Mensch, der seit langer Zeit gelebt hat, und damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß er mit dem Königstitel spielte oder an ihn gedacht hat; aber dieses angeborene Beherrschen der Menschen, dieses sie sich unterordnen, sie auf ihren Platz stellen, sie begeistern können, das war das Königliche. Er hatte seine feinste Diplomatie, seine Kunst, Eitelkeiten und Gegensätze ausspielen zu können, aber niemals übte er sie für sich selbst, sie sollten dienen, um die unausdenkbaren Schwierigkeiten, Haß, Lächerlichkeit, Zweifel zu besiegen, alles War ihm Waffe und Werkzeug für sein Werk. Wenn er herrschen wollte, so war es, um sein altes Volk emporzuheben, das er, innen und außen, adelig und geistig sah, und was ihn gegen jene aufbrachte, die sich versteckten und sich nicht zu erkennen geben wollten, gegen die Assimilanten, die er in propagandistischer Übertreibung als „Mauschel“ zusammenfaßte, das war eben sein natürlicher Stolz, der auch für sein Volk Stolz war und das Unterschlupfen, Ducken und Vermummen als unwürdig und unmännlich empfand. Keine Aufgabe auf der Welt schien schwieriger und aussichtsloser zu sein als die seine, und nur eben er mit dem Bewußtsein seines Wertes und seiner Sendung konnte sie überwinden. Der Weltgeist hatte sich in ihm für diese Aufgabe das wunderbar geeignete Instrument geschaffen. Schwierigkeiten? Sie schreckten ihn nicht, sie reizten ihn nur. Er hatte den ungeheuren Willen der großen Menschenbeherrscher, zu denen stets Liebe für alle und Verachtung jedes Einzelschicksales gehören, auch des eigenen. Bei ihm ging dies sogar bis zur Verachtung des Todes. Auf seinem Sterbebett in EdJach frägt er, während ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Gabelsbergerstr. 62 / Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung das Herz nicht mehr will, seinen Arzt, den treuen Jünger Marmorek: Wie lange noch? Vielleicht zwei Tage... Schön, er hatte seiner Mutter etwas Wichtiges zu sagen, ihr seinen Willen für später aufzulegen, es gilt Frau und Kinder, er läßt sie telegraphisch zu sich bitten, es dauert wohl einen Tag oder zwei, doch er, Theodor Herzl, darf nicht früher sterben, will nicht früher sterben, und also stirbt er eben nicht früher. Noch Kämpfer! Aber im wesentlichen ist es sein Wille, der siegt. Die alte Frau kommt endlich, sie ahnt nicht, daß er im Sterben liegt, er spricht ruhig, scherzend, zärtlich zu ihr, verlangt von ihr jene Zusage, die sie ihm geben soll, hat ihren Schwur, sagt ihr, wohl die Lüge wissend; Auf Wiedersehen! Sie geht, er wendet sich lächelnd zum Arzt. Eine Flasche Champagner, ich habe sie wir wohl verdient. Man bringt sie ihm, füllt ein Glas, er leert es langsam, ruft, es an der Wand zerschellend; Evviva die ganze Kumpanei! Dreht sich zur Wand und stirbt. Unvergeßlich, wie er begraben wurde, wie hier sein Wille noch nachwirkte, wie er alle GläubL gen des Zionismus bindet und zusammenballt, Wirkung und Zwang durch die Worte seines Testamentes siegreich voraus berechnend. Der Sarg in die Zionsfahne gewickelt, das schöne Totengesicht gegen Jerusalem gewendet. Und wie der Brettersarg in die Grube fährt, da ist es wie ein leidenschaftlicher Schrei in den vielen Tausenden, die sich rings drängen, die Mütter aus dem Elendsghetto recken hoch ihre Kinder empor: Verlaß uns nicht! Die alten, ehrwürdigen Männer, die von überall her aus Europa herbeigereist kamen, aus allen Städten der Diaspora, sie schluchzen, heulen, es ist ein Anblick von Erregung, welcher die Reichen und Armen, die Gebildeten und Ungebildeten einigt, ist ein besinnungsloser Schmerz, Krampf und zugleich Gelöbnis, und die Journalisten und Dichter, die auch da sind mit ihren Kränzen, sie können sie nicht niederlegen, die dichte, tobende, kreischende, verzweifelte Menge, diese Juden Theodor Herzls, die er erst -gelehrt hat, Juden zu sein, Freiheit sich erobernde, ihrer Würde bewußte Menschen, sie versperren den anderen, die den Journalisten, den Kritiker, den Dichter ehren wollten, den Weg, Heimlicher König, Wegweiser, Zionsstern, so steht dieser große Mensch, der damit den Tod für sich überwunden hat, über ihnen. Nicht wegzudenken aus unserer Erde, auf der er kurz, aber gebieterisch und erfüllend gelebt hat. PACKARD verkörpert vornehmen Reichtum Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum

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