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Das jüdische Echo · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · p. Seite 420

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
Seite 420 (sequence 4)
Language
German
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420 Das Jüdische Echo Nr. 27 dische Anteil im allgemeinen Wirken verschwinde und daher den Juden niemals angerechnet werde und werden könne, wohingegen die christlichen Kirchen, alle Nationalismen und eine Fülle sogenannter Philosophien rechtzeitig vor sich selbst und .vor ihrer Vergangenheit den Juden gegenüber nur leben können, indem sie die Juden zu entwerten, verächtlich zu machen und auf sehr praktische Weise zum Sündenbock aller Mißgeschicke zu erhöhen und preiszugeben vermögen, hätten es die Juden sehr nötig, auf ihre wirklichen Qualitäten, ihre wirklichen guten und schiechten Eigenschaften, ihre wirkliche Hingabe an überindividuelle und Gruppenwerte zusammenfassend hinzuweisen können, ohne sich im übrigen zu überschätzen. Während man in Europa bislang die Juden von ihrer Pariastellung nur emanzipierte, indem man, was in nationalen Staaten nicht anders anzugehen schien, sie trotz ihrer jüdischen Besonderheit gleichberechtigt erklärte, hält es der Zionismus und das nationale Judentum für seine Aufgabe, die Emanzipation der Juden als Gruppe zu fordern, also nicht trotz, sondern wegen ihres Judentums, weil man ja Tschechen und Polen, Italienern und Deutschen ihre Vollberechtigung auf Erden nicht trotz, sondern wegen ihrer Besonderheit einräumt. Die Fülle der menschlichen Typen auf der Erde ist für jeden nicht irrsinnigen und Maschinengeist einer der Hauptreize der Menschheit und des Lebens auf diesem Planeten, der uns im Ästhetischen so sehr beglückt und im Ethischen so entsetzlich leiden macht, und uns daher die Aufgabe stellt, die ethischen Bindungen und Lebensformungen auf die Höhe der ästhetischen Erlebnisse zu bringen — des Glücks an Landschaft und Garten, Kindern und Tieren, schönen Frauen, schönen Musiken, Versen, Vasen, Statuen, Dramen und allgemein an den Werken der Künste. Zu dieser Aufgabe ist das Vorhandensein von Juden unerläßlich, ihre ethische Grundbegabung wird nur von Monomanen geleugnet. Und da dieses jüdische Menschenmaterial — in diesem terrestrischen Zusammenhang und unter dieser großen Aufgabe und Sinngebung darf man dieses Wort gebrauchen — auf der einen Seite der Formung, Läuterung und Höherpeitschung ebenso sehr bedarf wie jeder andre Menschentyp der bürgerlichen und proletarischen Gesellschaft, auf der andern Seite aber in die Gefahr der Selbstverwöhnung gerät, weil es so grenzenlos und unsinnig von den Gruppenaffekten einiger andrer Menschengruppen entwertet und angegriffen wird, blieb es für einen jungen Mann, wie mich, unerläßlich, sich einige Zeit mit dem Großreinemachen unsrer jüdischen Stube im deutschen Hause zu beschäftigen, ohne dabei den Blick, wie ich jederzeit dargetan habe, für das Allgemeine zu verlieren,, noch auch meine Verbindlichkeit in deutschen, europäischen und allgemein links-menschlichen Zusammenhängen auch nur eine Stunde am Tage weniger zu spüren. Daher also faßte ich im vorigen Jahre meine Gedanken über Antisemitismus so breit und allgemein zusammen, wie sie das Buch „Caliban“ als eine Philosophie der Politik und eine Soziologie des Europäers als Gruppenwesen ruhig und etwas schwerfällig vorträgt. Seither interessiert mich diese ganze Materie nur wie eine für mich erledigte, aber ganz gut erledigte Aufgabe. Dies also nennt man einen fanatischen Nationaljuden . . . . Die Jewlsh-Agency-Kommission über die Pflichten der Mandatarmacht In einem besonderen Kapitel, betitelt „The Function of the Government under the Mandate“, weist die Kommission auf die Pflichten der Mandatsregierung gegenüber Palästina hin. Nach Schilderung der Zustände in Palästina wird darauf hingewiesen, daß die Zionistische Palästina- Exekutive gezwungen war, ihre Fonds in wesentlichen Ausmaße zur Schaffung von Einrichtungen zu verwenden, für die sie nach Recht und Billigkeit nicht verantwortlich gemacht werden kann, da sie dem ganzen Lande Nutzen bringen. Es wird sodann unter Hinweis auf die Artikel 1, 2, 4 und 11 des Mandats betont, daß diese Artikel der Regierung Pflichten auferlegen, wie die Kommission es behauptet. Es könne nicht von der Jewish Agency verlangt werden, Verpflichtungen zu übernehmen, die der Regierung von Palästina obliegen. Diese Interpretation wild auch durch das Weißbuch vom Juni 1922 und besonders durch das Schreiben des Colonial Office an die Zionistische Organisation vom 3. Juli 1922 und durch die Korrespondenz des Colonial Office mit dem High Commissioner bezüglich der geplanten Bildung einer Arab Agency gestützt. In allen diesen Dokumenten wird Nachdruck auf die Tatsache gelegt, daß die Palästinaregierung das ganze Volk zu vertreten hat und daß weder die Jewish Agency noch die ins Auge gefaßte Arab Agency Pflichten und Lasten zu übernehmen hätten, die die Gesamtbevölkerung betreffen. Weiter wird bedauert, daß die in Angriff genommene Landvermessung noch lange Der neue AUSTRO-DAIMLER 6 Cylinder, 12/70 PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19

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