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Das jüdische Echo · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · p. Seite 410

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
Seite 410 (sequence 10)
Language
German
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410 Das Jüdische Echo Nr. 26 zu schwach erwiesen und in der Tüchtigkeitskonkurrenz die Juden nicht unterzukriegen waren, soll das Ziel durch die Schaffung eines numerischen Übergewichts erreicht werden. An der Spitze dieser neuen antisemitischen Ausrottungsmethode schreitet die berüchtigte antisemitische „Rozwoj“-Organisation in Polen. Es gibt selbst unter den niedrigsten antisemitischen Verbänden keinen, der an inneren Skandalaffären und Korruptionssensationen dem polnischen „Rozwoj“ gleichkäme. In seiner vor kurzem in Warschau abgehaltenen 15. Jahresversammlung brüsteten sich die Redner damit, durch ihre Presse, durch Verbreitung von Broschüren und Pogromplakaten, durch Abhaltung von Versammlungen und Organisierung von judenfeindlichen Demonstrationen unzählige Existenzen zugrunde gerichtet zu haben. Aber nunmehr müßten neue Wege des Antisemitismus gefunden werden, und das sei die antisemitische Innenkolonisation. In Polen werde dieser neue unerbittliche Kampf gegen die Juden hauptsächlich in den Grenzgebieten, die ehemals zu Rußland gehörten, geführt werden. Hier werde die „Rozwoj“- Bewegung vom Rassenstandpunkt verläßliche christliche Polen aus dem Posenschen kolonisieren, denen die Aufgabe zufallen werde, die Juden zu vertreiben und dann ihre Positionen einzunehmen. Wie sieht es aber in Wirklichkeit im Innern dieser Gesellschaft aus, die sich anmaßt, ihr Land und ihr Volk zu verbessern, indem sie sie von den Juden befreien? Das konnte man vor einigen Tagen in einer Lemberger Gerichtsverhandlung sehen, in welcher eine der Methoden des „Rozwoj“, den Polen die Schädlichkeit der Juden zu demonstrieren, Gegenstand der Gerichtsverhandlung bildete. Der Fall trug sich in jener Zeit zu, als der „Rozwoj“ seine Netze über das ganze befreite Polen auswarf, ein ganzes Regiment von antisemitischen Hetzrednern das Land bereiste, einer ihrer Führer, der Abgeordnete Dr. Dymowski, seine großen \ Ciic Oie Smi^e j wegen 5en firgep! j können 0te nichts befferes tun nls TTtujik in Jljr fraus bringen; roo fie fehlt beraubt man fleh eines fröbepunktes bes Gebens. XDir iDiffen ficher, man tmrö Öen Cag preifen, Per öureb <£lectrola ober Po? öie beften £eiftungen aller berühmten Künftler, hinreißend gefpielte ^an^n>eifen in Jhr fraus brachte. Preis Ulk. 110.— und höh**, Koffer nur IBk. 45.-, auch kleine IHonatsraten / Preistiften frei. musikh ALFR SCHMiD NACHF. München Residenzstp.7 gegenüba? dep Hauptpost. Pläne zur Entjudung des polnischen Handels entwickelte, bis es ihm gelang, gläubigen Narren die Beträge zur Gründung der Volksbank „Bank Narodowy“ zu entlocken, die aber zu nichts anderem diente, als die Taschen des Gründers und seiner Mithelfer zu füllen. Der große Judenhasser trieb das Geschäft so kraß, daß er schließlich ins Gefängnis wandern mußte. In jener Zeit hatten auch die Lemberger „Rozwojisten“ die Zeit nicht unnütz verstreichen lassen. Auch sie waren sich klar darüber, daß man aus dem Antisemitismus ein fettes Geschäft für sich herausschlagen kann, und so kamen sie auf die Idee, in Lemberg ein großes Filmunternehmen zu gründen und gleichzeitig die Juden aus der Filmindustrie und der Filmspielkunst zu verdrängen. Im August 1927 luden riesige Plakate in Lemberg zur Teilnahme an einer Konkurrenz für Filmstars und einige hundert Statisten ein. Die Aufnahmebedingungen waren: Polnische Nationalität, christliche Religion, entsprechende physische Körperverfassung und Bildung. Hunderte von Starkandidaten und -Kandidatinnen aus ganz Galizien hatten sich gemeldet und ihre Photographien eingeschickt. Dann kam der große Tag: die Konkurrenten wurden eingeladen und die jetzt angeklagten „Direktoren“ Tarnowski und Hunka führten eine echte Filmkomödie auf, hängten sich ein schwarzes Tuch vors Gesicht, hinter welchem, wie sämtliche Opfer einmütig versicherten, eine — Kaffeemühle gedreht wurde. Worin bestand aber das Geschäft? Man kannsich auf die „Rozwojhelden“ verlassen. Sie verkauften an die Düpierten Filmdiplome, das grüne Diplom zu fünf Zloty und das goldene Diplom zu zehn Zloty. Das machte ein glänzendes Geschäft aus. Diese Filmunternehmung war wenigstens wirklich judenrein. Kein Jude war den Schwindlern hineingefallen und kein Jude erhielt auch nur einen Heller von dem erschwindelten Geld. In der Gerichtsverhandlung kam es wiederholt zu Heiterkeitsausbrüchen, deren sich selbst die Richter nicht erwehren konnten, und mancher Filmregisseur wäre überglücklich, wenn sein Lustspiel so stürmischen Erfolg hätte wie die Tragikomödie der Entjudung des galizischen Handels durch die Helden des „Rozwoj“. Die Richter mußten sich schließlich doch des Ernstes der ganzen Angelegenheit besinnen und auch die geschädigten Zeugen empörten sich darüber, daß man sich noch hinterher über sie belustige, so mußte, da inzwischen noch eine große Anzahl neuerer Anzeigen gegen die famose antisemitische Filmgesellschaft eingelaufen waren, die Verhandlung vertagt werden. Ein anderer Held des „Rozwoj“ ist Jaksa Chamiez. Vor nicht langer Zeit war er in Polen der gefürchtetste und gefährlichste Judenfresser. Für die Antisemiten nicht nur Polens war er der Abgott, der erfolgreichste und unermüdlichste Pogromhetzen Jaksa Chamiez wurde zum Inbegriff alles Bösen für die Juden und die Freiheitlichen, des Befreiers vom jüdischen Joch, des Unterdrückers der Arbeiter für die nationalistischen Hetzer. Jaksa Chamiez war die Seele des „Rozwoj“. Unermüdlich bereiste er die von Juden bewohnten Städte und Städtchen, reizte die Bevölkerung gegen ihre jüdischen Mitbürger auf, verleitete sie zum wirtschaftlichen Boykott gegen die Juden und ist der Urheber mancher Ausschreitungen und auch manchen Versuches, durch Erdichtung von Ritualmordmärchen Pogromstimmung gegen die Juden zu erzeugen. Jaksa Chamiez begnügte sich ebensowenig wie seine Gesinnungsgenossen an-

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