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Das jüdische Echo · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · p. Seite 409

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
Seite 409 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 409 Funktionen sehr bestimmt Umrissen sind, darf die Kommission freudiger Zustimmung aller Kreise sicher sein. Jedenfalls eröffnet der Bericht weite Perspektiven. Es wird von der Entschlußkraft und der Verantwortlichkeit vor allem der amerikanischen Judenheit abhängen, ob den Hoffnungen die Verwirklichung folgen wird. I. E. Vandervelde über Palästina Kundgebung des Pro-Palästina-Komitees Berlin, 25. Juni. (JTA.) Das deutsche Pro- Palästina-Komitee hat den Führer der zweiten Internationale und früheren belgischen Außenminister Emile Vandervelde und dessen Gattin, die beide erst vor kurzem von einem längeren Aufenthalt in Palästina nach Europa zurückgekehrt sind, eingeladen, im Rahmen einer öffentlichen Kundgebung des Pro-Palästina-Komitees über ihre Eindrücke und Erlebnisse in Palästina zu sprechen. Die Kundgebung, die im überfüllten Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses stattfand und zu der zahlreiche führende jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten Berlins erschienen waren, nahm einen bedeutungsvollen Verlauf. Das Ehepaar Vandervelde wurde bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt. Graf Bernstor f f betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß seit der letzten Kundgebung des deutschen Pro-Palästina-Komitees Deutschland seinen Sitz in der Mandatskommission des Völkerbundes erhalten hat. Damit ist deutlich das Ziel so dokumentiert, innerhalb des Völkerbundes an dem großen Kulturwerk des Aufbaus Palästinas mitzuarbeiten. Es ist mir eine große Freude, fuhr Graf Bernstorff fort, in Emile Vandervelde den großen Staatsmann zu begrüßen, dessen Name in der Weltgeschichte aller Zeiten als Förderer des Friedenswerkes von Locarno verzeichnet sein wird. Graf Bernstorff wandte sich zum Schluß mit einer französischen Ansprache an Herrn und Frau Vandervelde. Mme. Vandervelde sprach dann in ungemein fesselnder Weise über ihre Palästina-Erlebnisse. Sie studierte insbesondere das soziale und medizinische Hilfswerk, die Arbeit der Hadassah und der organisierten palästinischen Arbeiterschaft. Sie sprach von den ungeheuren Schwierigkeiten einer sozialen Fürsorge, der eine stützende Metropole fehlt. Die Aufgabe einer solchen Metropole muß das Weltjudentum übernehmen. Mme. Vandervelde schilderte die beispiellose Fürsorge für die Kinder und das den Stempel tiefen Ernstes tragende Leben der Frauen, die in einem schweren Pioniertum stehen. Die Rednerin schloß: „Auf meine Frage, warum in Palästina eine Anstalt für Geisteskranke fehlt, ob denn hier keine Verrückten sind, erwiderte man mir: ,Wir hier sind alle verrückt.4 Ich aber bin glücklich, diese Verrücktheit kennengelernt zu haben.“ In einer mehr als einstündigen Aussprache riß der berühmte Redner Vandervelde seine Zuhörer zu immer sich erneuerndem stürmischen Beifall hin. In einer plastischen und zugleich von rückhaltloser Begeisterung getragenen Darstellung schilderte er das jüdische Aufbauwerk in Palästina und besonders das Werk der Arbeiterschaft und bewies eine erschöpfende Kenntnis aller Einzelheiten im Palästina-Aufbau und im Zionismus. Er gab seinem festen Glauben an das Gelingen des Werkes und seiner großen Hoffnungen auf die Zukunft des jüdischen Palästina Ausdruck und appellierte an Anwesende und Nichtanwesende, an dieser großen Kulturaufgabe mitzuarbeiten, da ein Aufbau des Judentums in Palästina ein großer Faktor in dem Wiederaufbau und der Erneuerung der Menschheit werden wird. Der antijüdische Boykott in Polen In der Wiener „Stimme“ lesen wir nachstehend auszugsweise wiedergebene Schilderungen über den antijüdischen Boykott in Polen. Wenn auch einzelne Macher des antijüdischen Boykotts als Lumpen entlarvt werden, die den Wirtschaftsantisemitismus nicht als „Ideal“ betreiben, so ist die Boykottbewegung gegen die Juden eine überaus ernste Sache. Zusammen mit der rigorosen antijüdischen Steuerpolitik der polnischen Regierung erschwert sie den Daseinskampf der polnischen Judenheit bis zur Unerträglichkeit. Und wenn auch einzelne Antisemitenführer wegen krimineller Taten gefaßt und auf kurze Zeit in Numero Sicher festgesetzt werden, ihre Aktion ist trotzdem bei der nichtjüdischen Bevölkerung auf fruchtbaren Boden gefallen und trägt für die Juden bittere Früchte. * * * Die Versuche der Antisemiten, die Juden aus jenen Erwerbsgebieten, in denen sie seit vielen Jahrzehnten führend sind, zu verdrängen, werden hartnäckig fortgesetzt. Die bisher angewendeten Methoden, die gewaltsame Züchtung eines nichtjüdischen Kaufmannstandes, wie zum Beispiel in Ungarn und Polen, haben jedoch versagt, weil die Auswahl der neuen nichtjüdischen Handelsklasse nicht nach der Tauglichkeit der Auserwählten durchgeführt wurde; es genügte der Taufschein und der feste Wille, den erbgesessenen jüdischen Kaufmann in rücksichtslosem Konkurrenzkampf zu ruinieren. Im Handel können solche Mittel sich nicht dauernd halten. Das Wirtschaftsleben im allgemeinen nimmt auf solche politische Kämpfe nicht viel Rücksicht. Rassenschützlerische Wirtschaftspolitik vermag wohl eine Anzahl Existenzen meuchlings wirtschaftlich zu morden, aber auch der wirtschaftliche Meuchelmörder muß schließlich zugrunde gehen, wenn er in einem schmutzigen Kampf gegen die Juden im Wirtschaftsleben nichts anderes mitbringt als den Haß des Konkurrenten. In letzter Zeit werden nun neue Methoden zur Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben angewendet. 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