Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9156888--08564-9081282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 2× ep/1004827
OCR text
396 Das Jüdische Echo Nr. 25 1 f. läTS^tf Kraftfahrzeuge, Bluten bürg Straße 91 Telephon 63456 Opel und Studebaker Vertretung — SpezialoReparaturwerkstätte Günstige Ratenzahlungen mehr als einem Jahrhundert, solange bis das deutsche Volk diesen Unsinn zum heiligsten Staatsgrundsatz erhob. So ist heute jeder Zulukaffer, jeder Hottentott, jeder eingewanderte Jude mit dem bodenständigen Deutschen gleichberechtigt, trotzdem die Deutschen die gesamte Kultur im Lande schufen, trotzdem die Juden die gesamte Unkultur des Ostens und Unzucht des Orients ins deutsche Land brachten. Es ist aber billiges Recht, wenn wir fordern: Deutschland den Deutschen, nicht aber den asiatischen Hebräern!“ Die Wiener Wochenschrift „Die Neue Welt“, lenkt die Aufmerksamkeit des Bundeskanzlers und aller jener Stellen, die sich um die Kultur und den guten Ruf Österreichs sorgen, auf dieses Pamphlet, das an der Wiener Universität öffentlich angeschlagen werden darf, zu einer Zeit, da an die gesamte Bevölkerung appelliert wird, Freunde nach Wien zu laden. Antisemitische Richtlinien der Wiener Handelskammer Wien, 15. Juni. (JTA.) Die Wiener Handelskammer hat Richtlinien für die Begutachtung von Einbürgerungsgesuchen veröffentlicht, die am 14. Mai d .J. auf Grund eines Referates des Kammerrates Eugen Fulda beschlossen wurden. Diese Richtlinien sollen in ihrer Gesamtheit — wenn auch nicht direkt ausgesprochen — eine Barriere gegen die Einbürgerung von Juden bilden. In einer der Richtlinien heißt es z. B.: „Ferner wird man hierbei, von rein wirtschaftlichen Erwägungen ausgehend, sich dessen bewußt sein müssen, daß es keineswegs im Interesse der einheimischen Wirtschaftskreise gelegen ist, wenn man es den Ausländern gar zu leicht macht, die österreichische Bundes- bzw. Landeszugehörigkeit zu erlangen, weil durch den starken Zuzug landes- und volksfremder Elemente, die sich in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit oft von einer Geschäftsmoral leiten lassen, die von den Sitten unseres Landes stark abweicht, eine derartige Überfremdung herbeigeführt werden kann, daß die bodenständigen Handels- und Gewerbetreibenden nur mehr mit Mühe die ihnen von Rechts wegen zukommende Stellung zu erhalten vermögen und um die Erhaltung ihrer Existenz unter Bedingungen, welche sich stetig verschlechtern, zu ringen haben.“ Die Wiener zionistische Wochenschrift „Die Stimme“ fragt, wie es kommt, daß die vielen jüdischen Kammermitglieder diese Richtlinien dulden, die dem Wesen des Handels ins Gesicht schlagen und nur darauf hinausgehen, die Juden zu verdrängen, um den fähigeren Konkurrenten los zu werden? Der Waad Leumi ersucht die Palästina-Regierung, die jüdische Einwanderung und die Zahl der jüdischen Polizisten zu erhöhen — Zustimmende Antwort Plumers Jerusalem, 14. Juni. (JTA.) Der Waad Leumi (jüdischer Nationalrat in Palästina) ersuchte den Oberkommissar für Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, Vorkehrungen zur Erleichterung der jüdischen Einwanderung in Palästina zu treffen und im Hinblick auf die sich häufenden Attacken auf jüdische Mädchen und Frauen in den Straßen Jerusalems die Zahl der jüdischen Polizisten zu erhöhen. Lord Plumer gab auf dieses Ersuchen zustimmende Antworten. Das Verlangen des Waad Leumi nach Erhöhung der Zahl jüdischer Polizisten wird hier allgemein als sehr berechtigt und zeitgemäß empfunden. Allein in der letzten Nacht kamen drei Versuche zur Vergewaltigung jüdischer Frauen seitens Araber in Jerusalemer Straßen vor. Feuilleton Josef Rosenblatt Mit großer Mühe ist es einem Münchener Komitee gelungen, den weltberühmten Kantor und Konzertsänger Josef Rosenblatt, anerkannt bei Juden wie bei Nichtjuden, für ein einmaliges Konzert zu gewinnen. Einer frommen, chassidischen Familie aus Biala (Charkow) entstammend, kam Josef Rosenblatt mit seinem Vater, einem armen Wanderchasan, im Alter von acht Jahren nach Sadagora, zum Zadik. Dort wurden die phänomenalen Gaben des Kindes auf dem Gebiete der Gesangskunst erkannt. Der Knabe belebte und verschönte mit seinem herrlichen Gesänge die Tafel des Rabbi und fand die größte Bewunderung der Chassidimgäste, die damals aus allen Gauen nach Sadagora zum großen Rabbi Friedmann pilgerten. Der Not gehorchend, fuhr Vater Rosenblatt mit seinem Jungen in die Welt hinaus, um in fremden Synagogen vorzubeten. In diesen Gottesdiensten war das Solo des kleinen J o s s e 1 e vorherrschend und er eroberte alle Herzen. So ernährte er schon als Kind die ganze Familie. In Munkacs wurde er später als Siebzehnjähriger festgehalten und von der Gemeinde als Chasan angestellt, von wo er ein Jahr später, achtzehnjährig und schon verheiratet, als Oberkantor nach Preßburg kam. In Preßburg, wo er fünf Jahre wirkte, erwarb er sich den ersten großen Ruhm, denn seine Stimme war inzwischen zu einem unvergleichlich schönen lyrischen Tenor ausgereift. Fünf Jahre wirkte Rosenblatt in Preßburg und kam 1906 im Alter von dreiundzwanzig Jahren, ein Chasan von Ruf und großem jüdischem Wissen, nach Hamburg. Das Hamburger Wirken Rosenblatts ist in Deutschland weit über Hamburg hinaus in guter Erinnerung. Hier hatte er Gelegenheit, auf dem Wege gründlicher Ausbildung den phänomenalen Naturgaben vollendete Technik