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Das jüdische Echo · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · p. Seite 391

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 391 15S2T OMNI* SCHELLINGSTRASSE 39 / TELEPHON 23741 ] 29073 Zum Schluß der Vormittagssitzung wurde noch ein Antrag der konservativen Fraktion angenommen, wonach die Rabbinerkonferenz ersucht werden soll, dem Verbände Vorschläge zu einer Neueinteilung der Rabbinatsbezirke zu machen. Der Antrag bezweckt die Einleitung von Vorarbeiten für die zur Beseitigung von verschiedenen Nachteilen erforderliche Zusammenlegung bzw. Angilederung von lebensfähigen Rabbinatsbezirken. Gerade die Mitwirkung der Rabbiner bei dieser schiwerigen Aufgabe wird ihre Durchführung erleichtern die im Zusamenhange steht mit der durch die Schaffung einer Bezirksordnung von der Verbandsleitung erstrebten Organisierung der in den Bezirken vorhandenen Kräfte auf einer für ganz Bayern einheitlichen Grundlage. Es ist zu wünschen, daß die Frage bis zur nächsten Tagung eine befriedigende Lösung findet. V. Die Schlußsitzung am Montag nachmittags war nur von zweieinhalbstündiger Dauer und setzte sich aus drei hochinteressanten Referaten zusammen, zu deren Besprechung aber leider die Zeit fehlte. In tiefgründiger Weise stellte zunächst RA. Dr. Werner (München) das Problem der Siedlung den Zuhörern dar, indem er an Hand der Statistik die Nachteile der Zusammendrängung der Juden in den Städten und in den geistigen Berufen für die körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte darlegte und den Ausweg in einer Rückkehr zur Natur und zur Bodenbearbeitung zeigte. Auf eine Anregung aus der Tagung sagte die Verbandsleitung zu, daß der Siedelungsfrage auf der nächsten Tagung breiterer Raum zur Besprechung Vorbehalten bleiben solle. Der Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Dr. Ollendorf (Berlin), gab in fesselnder Weise von hoher Warte aus einen Überblick über die mannigfachen Arbeitsgebiete dieser Organisation und über die zur Lösung drängenden Probleme. Endlich berichteten die Leiterinnen des Wohlfahrtsamtes des Verbandes, Frl. Dr. Straus und Frl. Katzenstein über die Wohlfahrtsarbeit des Verbandes und gaben auch ihrerseits den Tagungsmitgliedern reiche Anregungen mit auf den Weg. Nach den üblichen Danksagungen wurde gegen 5V2 Uhr die Tagung geschlossen. Bemerkungen zur C.-Y.-Ärbeit Der C.-V. gratuliert In den Zeitungen wurde mitgeteilt, daß sich in Polnisch-Oberschlesien eine „U nion demokratischer Juden“ gegründet habe, die alle Juden, welche das Judentum als „ethisch-religiöse Gemeinschaft ansehen“, die den Zionismus ablehnen und sich vorbehaltlos auf den Boden des polnischen Staates stellen, zusammenfassen will. Soweit haben wir das vollständige Programm des Assimilationsjudentums vor uns, wie es uns längst aus den verschiedenen Ländern bekannt ist. Nun aber brachte die Meldung auch die Tatsache, daß der neugegründeten Organisation die Glückwünsche verschiedener anderer Vereinigungen dargebracht wurden, u. a. solche des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Union deutsch - österreichischer Juden. Wozu gratulieren diese Vereinigungen? In Polnisch-Oberschlesien, also in einem Gebiet, das bis vor kurzem zu Deutschland und Österreich gehörte, haben sich Juden vereinigt, um, unter Ablehnung jüdisch-nationaler Gedanken, sich vorbehaltlos auf den Boden des polnischen Staates zu stellen, haben Juden, die bis vor kurzem deutsche Juden und als deutsche Juden sicherlich auch Mitglieder der genannten deutsch-jüdischen Organisationen waren, diese ihre Vergangenheit vergessen und sind zu polnischen Patrioten geworden. Und wir zweifeln nicht, daß, nachdem noch einige Zeit vergangen sein wird, aus den patriotae nach dem Beispiel der Assimilation in allen Ländern patriotissimi des polnischen Staates geworden sein werden. Mit feinem Geschick haben die Herren es verstanden, an die deutsche Vergangenheit, die heute wohl lästig scheint, nicht zu erinnern; in allen Ansprachen, die auf der Eröffnungstagung in Bielitz gehalten wurden, war die Rede vom Zusammenwirken mit der christlichen Umwelt, vom Wohl des polnischen Staates, an dem man mitarbeiten und auf dessen Boden man sich vorbehaltlos stellen wolle. Von dem früher so stolz zur Schau getragenen Deutschtum stand nichts im Bericht. Dazu gratulierte der C.-V.! Solche Männer werden auch künftighin den moralischen Mut haben, von „der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung“ zu sprechen, sie werden den Mut haben, in der Resolution Mecklenburg, dem man, nebenbei bemerkt, straflos den Vorwurf der „Schiebung“ machen darf, die die Zionisten als undeutsch denunziert, von der untrennbaren Zusammengehörigkeit der deutschen Juden mit dem deutschen Volk zu reden. Man hat von C.-V.-Seite in Gemeinschaft mit Männern der liberalen Partei und des Naumann-Vereins versucht, im Auswärtigen Amt und bei den Mitgliedern des Pro Palästina-Komitees und zwar zuletzt Herr Mecklenburg beim Präsidenten des Komitees, dem Grafen Bernstorff, die undeutsche Gesinnung der Zionisten zu brandmarken, man hat keine Gelegenheit verstreichen lassen, den eigenen Patriotismus laut in die Welt zu schreien und jetzt gratuliert man denen, die bislang deutsche Juden, nun vorbehaltlose polnische Staatsbürger jüdischen Glaubens geworden sind und bereits damit tiefstes Verstehen für den Umfall und die politische Neuorientierung jener Kreise zeigen! Ob man ihnen einen großen Dienst erweist? Muß nicht jeder wirkliche Pole schon verwundert über das plötzliche Einschwenken der Juden von Bielitz mißtrauisch werden, wenn er von den Gratulationen der deutschen jüdischen Organisationen liest, die ihm die Vermutung

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